Schicksal der Welten – Kapitel 6

            
Seine Hände gruben sich in meinen Rücken, als er sich zu mir wandte und mir die Sicht auf die anderen Menschen nahm. »Hör mir zu! «, befahl er und bemühte sich dabei kein Aufsehen zu erregen, doch der Zug war bereits abgefahren. »Setz jetzt deine Kräfte ein! «
Ich konnte nicht anders, als ihn panisch anzusehen, meine Augen sogen sich an seinen fest, während mein Herz mir bis zum Hals hämmerte. Ich wollte ihn verstehen, das wollte ich wirklich, doch ich hatte plötzlich das Gefühl in einem Tunnel zu stecken. Seine Stimme wurde überdeckt von den lauteren Stimmen der anderen.
Er merkte, dass ich ihm nicht zuhörte, oder viel mehr seinen Worten kein Gewicht gab, also packte er mich fest bei den Armen und zwang mich ihm in die Augen zu sehen.
»Benutz…deine Kräfte, Beth! Du kannst das! Ich glaub an dich! «, presste er ungeduldig durch die Lippen. Sein Griff war so fest, dass ich Sorge hatte, er würde meine Arme brechen.
Ich verstand nicht, was er von mir wollte…meine Kräfte? Woher sollte ich die nehmen?
Ich löste mich von seinem Blick nur mit größter Mühe, meine Augen jedoch gingen danach sofort wild umher, blieben auf den vielen Menschen kleben, die sich uns immer weiter von allen Seiten näherten und sich plötzlich mit einem lauten Knall wieder die monotone Computer Stimme meldete.
»Terrorist gesichtet! Bitte bleiben sie ruhig und melden sie sich bei Sichtkontakt bei ihrem Kommander! Achtung! Terrorist gesichtet! « 
Jetzt wurde es noch ungemütlicher. Das Gesicht von Even erschien plötzlich auf sämtlichen Geräten, die die Menschen um uns herum dabei hatten. Überall ploppte und klingelte es und Evens Griff wurde noch fester.
Er schwang mich ungeduldig an die Hauswand, presste mich mit scheinbar voller Kraft gegen sie und brüllte mich an. »SETZ DEINE KRAFT EIN! WILLST DU STERBEN? « 
Seine Stimme traf mich bis tief ins Mark, ließ mich ein Ende im Tunnel sehen, aus dem ich nur noch heraustreten musste.
Mit der einen Hand nahm er mein Kinn zwischen seine Finger, während seine Stimme wieder lauter wurde, als die der anderen.
Sirenen wurden laut, Autos kamen angefahren doch Ich hielt nur Evens Blick stand.
Es lag darin so viel Leid, so viel Kummer und er brüllte mich weiter an, während für mich sich weiter alles anfühlte wie in Zeitlupe, doch dann sah ich in seine Augen. Eine Pupille schimmerte plötzlich gelb. Doch das konnte doch nicht sein, oder? Wie konnte mir das bisher nicht aufgefallen sein?
In mir breitete sich schlagartig eine Ruhe aus, die ich noch nie gespürt hatte. Ich fühlte mich geborgen, von ihm und angenommen. So, wie ich noch nie wahrgenommen wurde.
Um uns rum schien das Chaos auszubrechen, denn als die vermeintlichen Polizei Autos angefahren kamen, liefen die vielen Menschen schreiend und duckend weg. Als hätten sie Angst vor ihnen. Doch wieso taten sie das?
Wie in einem Actionfilm kamen sie angefahren, mit schlitternden Reifen kamen sie in einem Halbkreis vor uns zum Stehen und stiegen schnell aus, versteckten sich hinter ihren Autotüren. Sie griffen nach ihren Waffen, die sehr viel größer waren, als normale Polizei Waffen und grinsten frech, Als hätten sie ihn endlich gefangen.
»Das war’s dann wohl «, flüsterte Even sichtlich enttäuscht von mir und lockerte seinen Griff. Stattdessen griff er mit der einen Hand an seinen Halfter und mit der anderen strich er mir ganz vorsichtig und liebevoll eine Strähne aus dem Gesicht. Ich ließ es zu, ja ich genoss es sogar.
Schwungvoll zog er ein großes Messer aus seiner Scheide, und sah mir in die Augen, während seine Hand unter meinem Kinn ruhte.
Die Angst hatte mich so gelähmt, dass ich mich nicht rühren konnte. All das hier, dass er scheinbar auf der Flucht war, damit wollte ich nichts zu tun haben. 
War er wirklich ein Terrorist?
Gekonnt drehte Even sich von mir weg, nahm das Schwert in die Höhe und wollte gerade zu einem Sprung ansetzen, -wahrscheinlich um die Polizisten anzugreifen – als erneut ein lautes Geräusch zu hören war. Es kam von etwas weiter her, noch konnte ich nicht sehen, woher es kam.
Ich stand einfach nur da, als Even mit erhobenem Schwert auf einer der Polizisten losging. Meine Atmung ging flach, doch mein Körper gehorchte mir nicht nicht. Ich wollte schreien. Wollte Even anbrüllen es nicht zu tun. Ich wollte ihm klarmachen, dass es einen anderen Weg geben muss, egal, was er getan hat, es wäre besser sich zu ergeben, doch da sauste auch schon das große schwarze Auto, dass komischerweise eher einem Batmobil glich, auf uns zu und raste mit voller Wucht erst in das erste Polizei Auto von vier, und dann in das nächste. Die Polizisten, scheinbar selbst überrascht, überfuhr es dabei, während auch schon Markerschütternde Schreie diese lange Straße entlang hallten.
Es war nicht auszuhalten, denn das Auto blieb nicht stehen. Es rammte auch die anderen Autos mit einem zweiten Anlauf und stieß sie zur Seite. Erst einen Meter vor dem erschrockenen Even kam das Auto zum Stehen. Alles qualmte und zwei der noch verbliebenen Polizisten kamen aus ihrer Deckung hervor und schossen auf das Auto. Kugeln prasselten auf es nieder, doch es schien ihm nichts auszumachen, nicht mal ein kleiner Riss war in einer der verdunkelten Scheiben zu sehen. Ja, wenn ich dieses Auto beschreiben müsste, so würde ich sagen, war es ein dunkler Porsche, der jedoch ein größeres Ausmaß besaß.
Ein Klicken war zu hören, als plötzlich eine kleine Gestalt oben aus dem Auto hervorkam und eine große Waffe zückte. 
Ich konnte nicht glauben, was ich da sehe, doch mein Herz wusste es bereits vor mir und fing wie wild an zu schlagen.
Ohne jegliche Rücksicht schoss die Person. Erst einmal und dann zweimal und traf beide Male direkt in die Köpfe der noch übrig gebliebenen Männer, die sofort zu Boden fielen.
Ich konnte nicht anders, als zu Boden zu sinken. Wo war ich hier nur hineingeraten?
Even nahm sein Schwert runter, kam entschlossen zu mir zurück, doch die Angst hatte mich wieder. Er wusste scheinbar mehr als ich.
»Nein… nein «, flüsterte ich panisch, als er an meinen Arm griff, um mich hoch zu heben. Ich taumelte, wehrte mich und hielt mich an der Wand fest, die in meinen Rücken drang. »Bitte…nein…lass mich «, flehte ich ihn an und bemerkte nicht, wie mir meine warmen Tränen über die Wangen liefen.
»Es ist alles gut, Beth! «, flüsterte Even verständnisvoll, »vertrau mir! Wir müssen hier weg! « 
Die Person aus dem Auto verschwand wieder, stattdessen ging eine große Tür nach oben auf und gab den Blick auf das Innere des Wagens frei.
»Ich will nicht…bitte lass mich hier…«, flüsterte ich unter Tränen. Mein Kiefer war so angespannt, dass ich die Augen wie ein kleines Kind schloss, dass Angst vor dem Schwarzen Mann hatte.
Ein kurzer Moment verging, in dem nichts passierte und ich die Hoffnung hatte, er hätte mich wirklich zurückgelassen, doch dann spürte ich plötzlich einen kleinen Stich in meinem Arm und verlor fast die Besinnung. Doch es war zu spät. Ich konnte mich längst nicht mehr wehren. 
Ich versuchte zu sprechen, wollte schreien, doch es geschah einfach nichts.
»Ich lass dich nicht zurück. Nicht noch mal «, flüsterte Even, während ich seine warme Umarmung spürt, die mich hochnahm.
Es dauert nicht lange, da setzte er mich ab. Ich wusste wo ich war, denn diesen Fahrstil, der sich weiter fortsetze, hatte ich eben noch live miterlebt. 
Martinshörner erklangen. Laut. Pistolen wurden abgefeuert, Schreie ertönten. Wir wendeten, mehrmals. Eine Frauenstimme fluchte, und das im Sekundentakt, doch in mir regte sich nichts.
Ich hatte aufgegeben. Egal, was sie jetzt mit mir machten, ich könnte mich eh nicht wehren und so schloss ich meine Augen und hoffte das Beste.

Ein paar Stunden später
Es dauerte einen Moment, ehe ich begriffen hatte, dass mir mein Körper wieder gehorchte. Langsam und vorsichtig öffnete ich meine Lider und griff vorsichtig an die Decke, die mich umhüllte.

Ich schreckte sofort auf, riss meine Augen weit auf und mein Herz rutschte mir in die Hose.
Wo war ich? Und wo war Even?
Mein Blick wanderte durch den kleinen Raum in dem ich mich befand, der spärlich eingerichtet war. Lediglich das Bett, in dem ich mich befand und ein verlassener Stuhl galt hier als Einrichtung.
Ich stieß die Decke zur Seite und versuchte zunächst meine Zehen zu bewegen. Ich war so aufgeregt, als auch sie mir gehorchten, dass ich sofort die Beine aus dem Bett hingen ließ, als ich plötzlich Stimmen hörte.
»…Ja, aber das kannst du nicht einfach tun. Der Commander wusste sofort, dass du wieder da bist, Scar. Du bringst diese Frau einfach so in Gefahr? Was ist mit dir los? «, ertönte die weibliche Stimme, die ich schon kannte.
Jetzt erklang Evens erzürnte Stimme. »Ich habe es schon gesagt, aber ich sage es gerne noch mal: Sie ist wichtig für mich, ok? Wir hatten keine Wahl, sonst wären wir nicht hier! «, Stellte er klar.
Eine andere tiefe, männliche Stimme erklang, die mich sofort zittern ließ. » Was heißt das, sie ist wichtig für dich? « 
Even sagte nichts, doch mein Herz ließ es einen Schlag aussetzen. 
Ich bin ihm wichtig? Bis gestern kannte ich ihn doch noch gar nicht.
»Ist dir bewusst, dass du uns alle damit in Gefahr bringst, Scar? «, fragte die tiefe Stimme erneut.
»Ja, das weiß ich, ok? «, entgegnet Even genervt.
»Du wolltest nie wieder zurückkommen. Was ist aus deinem Plan geworden? «, fragte die weibliche Stimme vorwurfsvoll.
Langsam stand ich auf, und glitt an der Wand entlang zur Tür. Direkt daneben blieb ich stehen und presste mich an die Wand. »Scar? «, murmelte ich irritiert, »er heißt doch Even! « 
Oder war das nur der Name, den er mir genannt hatte?
Ich dachte intensiv über den Moment nach, in dem er mir seinen Namen genannt hatte, doch er wollte mir einfach nicht einfallen. Das erste mal, dass ich mich an eine Begegnung mit ihm erinnere ist der Moment, in dem er mich gerettet hat. Doch da hat er ihn mir nicht genannt.
Auch nicht, als er mich in das Apartment gebracht hatte und auch nicht, als er plötzlich wieder mit mir in der Gasse stand. 
Doch woher wusste ich dann, dass er Even heißt?
»Das wollte ich auch…ich verspreche auch, ich werde sie zurück bringen, werde ihre Erinnerungen löschen und dann… ja dann, kann jeder sein Leben leben. Bisher weiß er noch nichts von ihr und will auch, dass das so… «, sagte Even verzweifelt, doch sprach er den Satz nicht zu Ende, denn er wurde von einer weiteren, abgehetzten Stimme unterbrochen, die dazu stieß. 
»Er weiß es!«, die Stimme kam für einen kurzen Moment zur Ruhe und holte Luft, »der Commander… er war es höchstpersönlich! Er weiß von ihr.« 
Ein Raunen ging durch den Raum und ich erschrak. Wer war der Commander?
»Was? Das kann nicht sein! Ich war all die Jahre vorsichtig, hab sie nicht angerührt. Ich habe mich von ihr ferngehalten! «, entgegnete Even entsetzt.
»Fuck! «, fluchte die dunkle Stimme, ehe etwas durch die Gegend geworfen wurde und dabei ein lauter Knall entstand. Ich zuckte zusammen und hielt mir die Ohren zu. 
»Damit ist es offiziell «, offenbarte die Stimme leise nach ein paar unerträglich langen und ruhigen Sekunden, »Willkommen unter den lebenden, Scar. Du hast den Krieg erneut eröffnet.«

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