Blood Hunter Band 2 – Kapitel 45

– Versteck außerhalb der Villa
Keuchend steht er im Türrahmen des kleinen Krankenzimmers. Sein Atem geht schnell, doch irgendwie auch gleichmäßig, denn er versucht seine Hast zu unterdrücken. Für mich und für den Moment. Er muss den ganzen Weg bis hier hingerannt sein, so, wie ich es mir erhofft hatte. Seine Augen fixieren die meinen so stark und mit einer so wahnsinnigen Sehnsucht, dass es mir schlagartig die Kehle abschnürt. Nicht auf eine negative Art und Weise. Nein, auf diese Weise, wie man sie nur selten sieht, denn ihm geht es wie mir: Würde sich jetzt Jemand in unseren Blick verirren, würden wir ihm beide das Herz herausreißen. Sofort und ohne zu zögern.
Wie angewurzelt steht er da. Mit dem Schwert in der Hand, den Griff ungeduldig umklammernd, an dem immer noch das Blut seiner Feinde herabtropft. Der Regen rinnt immer noch von seinen Haarspitzen angefangen, über sein Gesicht, bis hin zu seinen Handschuhen und seiner dunklen Hose, und sammelt sich schließlich unter seinen großen Stiefeln, die vom Schlamm bedeckt sind zu einer Pfütze.
Auch Raven bemerkt seine Intensität sofort, macht einen Schritt zurück und nimmt dabei die Hände in die Höhe. »Wir haben einen Deal «, flüstert sie scheinbar zur Vorsicht, denn Will wäre gerade zu allem bereit. Das verraten mir seine Augen, die in diesem Moment noch viel heller leuchten als zuvor. Ein tiefes Rot ist darin zu sehen und es scheint, als würde sich etwas darin bewegen. Wie Wolken die vorüberziehen, langsam und behaglich an einem herrlichen Sommernachmittag. Doch wir haben keinen Sommer und es gibt auch keinen guten Anlass, um glücklich zu sein, bis auf seine Ankunft. Also atme ich noch einmal tief ein, ohne meinen Blick von ihm zu lösen und mache einen vorsichtigen Schritt auf ihn zu.
Es vergehen für mich ein paar unendlich scheinende Sekunden, in denen er mich anstarrt, als wollte er mich fressen. Uns fressen. Oder, als würde er sich gar nicht bewegen wollen, als wäre da plötzlich eine unsichtbare Mauer zwischen uns, die er in Gedanken nicht überwinden kann, doch dann passiert es endlich.
Mit einem lauten Knall fällt erst die Klinge des Schwertes klirrend zu Boden und dann schlägt der Griff mit einem dumpfen Schlag zur Seite, ehe Will unerwartet schnell seine Arme öffnet und auf mich zu rennt. Mit seinen Armen nimmt er meinen Körper komplett ein, umschließt mich fast vollständig und lässt mich für einen erneuten Moment den Atem stoppen. Er umarmt mich so fest und mit einer solchen Intensität, wie er es noch nie getan hat. Sein Kopf ruht dabei mit seinem Kinn auf meinem Kopf und ich kann nicht anders, als meine Stirn an seine Brust zu pressen. Ich umarme ihn ebenfalls, als hätten wir uns eine Ewigkeit nicht gesehen, kann nicht genug von ihm bekommen und fahre mit meinen Armen wild über seinen Rücken, um ihn noch näher an mich zu drücken, was eigentlich kaum noch möglich ist.
Die Tränen rinnen sofort über meine Wangen, hinterlassen dort einen kühlen Hauch, wo sie heiß entlang geronnen sind. Er versucht zart zu sein, er versucht es wirklich, doch seine Hände wandern so schnell von meinem Rücken durch meine Haare und wieder zurück, sodass er mich fast dabei erdrückt.
Ich will nicht, dass dieser Moment je endet, nein, am liebsten wäre ich für immer hier. Mit ihm. Allein und nichtssagend. Seine Umarmung reicht, ich brauche gerade nicht mehr in meinem Leben, denn ich bin zuhause. Er ist mein Zuhause, egal wo wir sind.
Erst jetzt schiebt er mich ein Stück von sich, doch nur um mein Gesicht in seine Hände zu legen und mich haufenweise liebevoll und bedingungslos zu küssen. Erst fängt er dabei auf meinen Lippen an, – der Kuss ist so intensiv, dass er mir den Atem raubt – dann wandert er im Uhrzeigersinn über meine Stirn und meine Wangen und ich kann mir ein glückliches Grinsen dabei nicht verkneifen. Auch wenn meine Augen geschlossen sind, so spüre ich, wie froh er ist, dass ich es bis hierhin geschafft habe.
»Hähm «, räuspert sich Raven leise und ich öffne grinsend meine Augen, während ich Will immer noch mein Gesicht entgegenstrecke und seine Küsse genieße. Dass sie da ist, habe ich völlig vergessen, doch ich will auch nicht, dass Will aufhört, mit dem, was er tut. Erst jetzt sehe ich Will wieder in die Augen, als sich unser Blick wieder trifft. Mit seiner rechten Hand hält er meine Wange weiterhin fest und streicht mir mit der anderen behandschuhten Hand, eine kleine Strähne aus dem Gesicht.
»Anoch jeadast sua «, flüstert er und sieht dabei einfach erleichtert und glücklich aus.
Ich weiß nicht wieso, doch ich weiß genau, was seine Worte bedeuten. Ich fühle es irgendwie.
»Ich liebe dich auch «, flüstere ich zurück, während mein Magen Purzelbäume schlägt. Noch nie war das Band zwischen uns so stark, wie gerade. Ich kann meine Augen kaum von ihm lösen und er seine auch nicht von meinen.
»Du…weißt, was es heißt? «, flüstert er etwas verblüfft.
»Ich… « Zögernd ziehe ich meinen Kopf ein wenig zurück. »Das heißt es doch oder? «
Ein Lächeln macht sich wieder auf seinem Gesicht breit, ehe er seine Lippen wieder fest auf meine presst und mich damit ein wenig zurück schiebt und meine Wirbelsäule fast einen Halbkreis bildet. Das ist wohl seine Antwort. Ein klares „Ja“.
»Leute…ich will ja nicht stören, aber… «, erklärt Raven erneut mit verhaltener Stimme.
Sofort ist alles wieder da. Alles, warum wir hier sind. Der Plan und auch die Entfernung des Giftes aus meinem Blut, welche schmerzvoller sein Wird, als alles andere zuvor, so Raven.

– Anwesen –
3 Stunden zuvor…

Will…

Das Fahrzeug kommt immer näher, hat uns gleich erreicht und an dem Fletschen der Zähne meiner Mitvampire und auch an meinem, erkennt man, dass das hier gleich ziemlich hässlich wird. Unaufhörlich fährt der Wagen in unsere Richtung, scheint in gar keine andere Richtung fahren zu wollen.
Ich hebe bereits meinen Arm, will den anderen – sobald ich meinen Arm fallen lasse – zeigen, dass sie angreifen können, was ich aber im besten Falle vermeiden will. Denn ich will ihnen kein weiteres Leid antun, doch wenn es sein muss, werde ich es wohl müssen.
Dem Anführer, der nicht schwer ausfindig zu machen ist an seiner roten Mütze, sehe ich tief in die Augen, brülle ihn in meinen Gedanken an, er soll umkehren. Doch es scheint, als sähe auch er mir direkt in die Augen. Ein kleines verschmitztes Lächeln liegt auf seinen Lippen, es ist wohl einfach nur seine übliche Art, doch mich beunruhigt es.
Er kann uns nicht sehen, sonst hätte er längst den Befehl gegeben uns anzugreifen. Oder nicht?
Nein, das kann nicht sein.
Die Schwelle der Kuppel ist nicht mehr weit von ihnen entfernt und als sie nur noch wenige Meter davon entfernt sind, stockt der Van plötzlich. Der Anführer nimmt seine Faust in die Luft und sieht zu uns herüber. Für ein paar Sekunden habe ich das Gefühl, dass er mich direkt ansieht, ehe er seine Waffe ein Stück hochhebt und mein Herz dabei schwer wie Blei wird.
Jo, der ebenfalls eine Axt in der Hand hält, schwingt damit schon erwartungsvoll in seiner Hand herum, sieht mich kurz an und fragt mit seinem Blick nach meiner Bestätigung. Er will sie angreifen, denn er will sich beweisen.
Mein Herz schlägt immer schneller, als der Anführer plötzlich aus dem Van steigt und die Tür zu schlägt.
Doch leider ist das auch das das Zeichen für Jo ihn anzugreifen, denn der Typ sieht lässig durch die Gegend, wäre abgelenkt und wir hätten somit vielleicht eine Chance. Doch ich greife geistesgegenwärtig nach seinem Arm. Gebe ihm zu verstehen, er soll noch einen Moment warten, doch es fällt ihm schwer.
Nur mit Mühe und Not schaffe ich es, seine Ungeduld und die der anderen, zu zügeln.
Der Anführer macht noch einen Schritt auf uns zu, ehe er stehen bleibt und der halbe Clan sich bereitmacht, das hier zu beenden.
Gerade, als ich Jo loslassen will, dreht der Anführer sich um, streckt seinen Zeigefinger in die Luft und dreht ihn. Das Zeichen für „Abrücken“.
Ich sehe das Zeichen, schließe für einen kurzen Moment meine Augen und atme für einen Bruchteil einer Sekunde erleichtert aus. Auch der Rest meines Clans hält sich zurück, sie nehmen ihre Äxte und Waffen herunter, während der Regen unaufhörlich auf uns niederprasselt.
»Hier ist Niemand. Quadrant 20: nichts gefunden «, gibt der Anführer wieder vom Deck des Vans aus durch sein Walkie Talkie zurück und setzt sich diesmal wieder entspannt auf seinen Sitz. »Abrücken! «
Wir beobachten sie noch eine Weile und erst, als der Wagen am Ende der Straße nicht mehr zu sehen ist, drehe ich mich um. »Alles bereitmachen! «, rufe ich ihnen zu, doch sie scheinen enttäuscht. In ihren Gesichtern steht geschrieben, was sie eigentlich gerne getan hätten, doch mir fällt es schwer bei meinem folgenden Satz nicht zu grinsen, denn es ist einfach unsere Natur und das, was sie wollen. »Vierer-teams bilden und jagen! Jagt sie und bringt diese Mistgeburten alle Zur Strecke! Aber außerhalb der Kuppel. Loggt sie weg, bringt sie dazu neue Wege zu gehen und überrascht sie damit! «
Sofort hat sich die Stimmung verändert, die anfängliche Angst ist um geschwungen, denn jetzt strahlen mich zufriedene Gesichter an, die ihre Waffen schwingen.
»Und los! «
Lediglich der Windhauch, der meine Haare noch ein wenig nach wehen lässt erinnert noch daran, dass das Feld vor mir eben noch voller Vampire war.

Anna…
»Anna du musst mich raus lassen! Ich bitte dich…vergiss doch jetzt mal was war und hör mir zu! «, versucht Raven mir seit einer halben Stunde weiß zu machen.
Ich beachte sie nicht, versuche ihre Worte zu überhören, während Ally, Tor und Hannah sie mustern, als wäre sie ein wildes Tier in einem Käfig.
»Was glotzt ihr mich denn alle so an? «, brüllt sie aufgebracht, weil sie nicht bekommt, was sie will.
»Hab ich euch zu viel versprochen? «, frage ich die anderen.
»Hast du nicht «, pflichtet Hannah mir begeistert bei und macht einen langsamen Schritt auf Raven zu, doch Tor hält sie auf.
»Sie ist immer noch gefährlich! Sei Vorsichtig! «, ermahnt er sie.
Hannah scheint das nicht zu stören, oder ihre Neugierde siegt ganz einfach über ihre Angst. Was es auch ist, sie drückt Tor zur Seite und macht einen weiteren Schritt auf sie zu.
»Du! «, brüllt Raven sie an, als wäre sie durchgedreht. Sie streckt ihr die Fesseln durch die Stangen entgegen. »komm her und hol mich hier raus! Ich verspreche dir, du wirst mich nie wiedersehen. Du musst einfach nur… «, sie versucht hastig aufzustehen und geht zur Tür, »…hier einfach aufmachen. Den Rest kann ich alleine. Wirklich nur die Tür dann…Nur die Tür…Ich…Die Tür… « Doch als sie merkt, dass Hannah nur an ihr wegen ihrer Ärztlichen Neugier interessiert ist und nicht, weil sie sie raus lassen will, brüllt sie sie an. »Bist du taub? «
Sie versucht es erneut bei mir. »Anna, wenn wir das Gift nicht aus deinem Blut bekommen, dann können wir sie niemals besiegen. Verstehst du es nicht? All deine Freunde und sogar dein Geliebter Will, sie werden alle sterben. Wegen dir. Willst du das? «
Mit verschränkten Armen steh ich da, bin hin und her gerissen, denn ihre Worte lasten auf mir. Mehr als ich zugeben will.
»Und wie soll ich dir dabei helfen? «, frage ich amüsiert.
Tor scheint währenddessen geistig nicht bei mir zu sein, denn er schwingt nervös sein Schwer in seiner Hand und sieht immer wieder auf seine Uhr.
Er hat mir noch nicht verziehen, was ich getan habe. Hannah einen Freak zu nennen und ihm dafür die Schuld zu geben, war vielleicht nicht der beste Weg, aber der schnellste und den habe ich gebraucht. Das Schlechte Gewissen nagt an mir, denn er würdigt mich keines Blickes mehr seitdem.
»Was du wahrscheinlich nicht weißt, Anna «, setzt sie erneut an, »ist, dass dein Blondes Gift uns alle retten wird. «
»Das weiß ich…ich bin die All Retterin «, winke ich genervt ab.
Jetzt reißt sie ihre Augen weit auf und kommt mit ihrem Gesicht ganz nah an die Gitterstäbe. » Du und das Baby…«, setzt sie an, »…ihr tragt es beide in euch. Man vererbt das Gift, und zusammen… «, sie flüstert die letzten Worte jetzt, »…seid ihr unschlagbar. «
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