Schicksal der Welten – Kapitel 2

Meine Lider ließen sich nur schwer öffnen, als ich meine Besinnung langsam wiederfand.

Um mich herum war es so still, dass es mir unheimlich vorkam.

»Ahh!«, stöhnte ich, als ich plötzlich großen Druck auf meinen Kopf verspürte. Sofort fiel mir wieder ein was passiert war: Der Mann. Der Kampf, doch vor allem: Nora.

»Wo…bin…ich..? «, krächzte ich, während ich mich auf dem weichen Untergrund herum rollte.

Langsam stemmte ich meine rechte Hand unter meinen Rücken, während ich mir mit der anderen Hand die Schläfe vorsichtig rieb. »Gott, mein Schädel.«

Nur schwerlich konnte ich meine Lider dazu bringen für länger als einen Moment geöffnet zu bleiben, doch da bemerkte ich eine Bewegung direkt in meiner Nähe.

Ich erschrak.

»Wer ist da? «, krächzte ich, doch ich konnte lediglich in eine dunkle Ecke eines Raumes blicken.

Eines Raumes? Erst jetzt bemerkte ich, dass ich scheinbar den Ort gewechselt hatte.

»Was zur Hölle… «, entfuhr es mir, als ich mich umblickte.

Ich schrak zusammen und fuhr hoch, als genau vor mir plötzlich eine große Hand mit einem Glas darin aus der dunklen Ecke hervorkam.

Diese Hand gehört definitiv zu einem starken Mann, so viel konnte ich erkennen, doch wusste ich nicht, ob er Freund oder Feind war.

Verwirrt versuchte ich aus dem Schatten einen Körper zu basteln, doch es gelang mir nicht.

»Wer…wer bist du? «, fragte ich und blinzelte erneut. Ich rechnete eigentlich nicht damit, dass er antworten würde, doch als ich wirklich keine Reaktion auf meine Frage an ihm sah, ließ ich meine Schultern enttäuscht sinken.

Ich beschloss es erneut zu versuchen. »Hast du mich…hast du mich gerettet?«

Mit einem schnellen Ruck schoss er plötzlich aus dem Schatten hervor und knallte das noch volle Glas – Der Inhalt sah aus wie Whiskey – vor mir auf den Tisch, sodass ich erneut zusammen schrak und der Inhalt über den Rand des Glases auf den Tisch schwappte. Mit meinen Fingern tastete ich hastig hinter mich, versuchte im gleichen Moment noch weiter panisch von ihm weg zu kommen, doch dort war die Bank – ja, ich befand mich scheinbar auf einer Bank – bereits zu Ende und hinter mir spürte ich schon die Wand in meinem Rücken. Ich hatte mich so erschreckt, dass ich sie bereits hinaufgeklettert war und jetzt aufrecht vor ihm stand. Mein Atem ging schnell und mein Herz pulsierte.

Hatte ich ihn etwa mit meiner Frage verärgert?

»Es…es tut mir leid «, entfuhr es der Gestalt unbeholfen nach ein paar Sekunden, die immer noch zu Hälfte im Schatten lag. Lediglich seine Vorderseite war zu sehen, doch sein Gesicht blieb verdeckt.

Über seine Worte überrascht, fiel ich wieder in die Hocke.

Ich wählte meine nächsten Worte weise, denn ich wollte nicht, dass er mich erneut in Angst versetzt. »Du hast mich gerettet oder? «, fragte ich vorsichtig und schlang die Arme um meinen Brustkorb. Während ich auf seine Antwort wartete, sah ich mich weiter in dem kleinen Raum um, versuchte es mir aber nicht anmerken zu lassen. Lediglich ein kleines Fenster ließ einen kleinen Spalt Licht hinein.

Hätte er mich töten wollen, dann hätte er es doch bereits getan oder? Das sagen sie doch schließlich immer in allen Serien.

»Das habe ich «, sagte der Mann erstaunlich ruhig.

Kauernd sah ich an ihm hinab.  Seine langen Haare fielen ihm bis zur Brust über die Schultern, doch waren sie immer noch aufwändig geflochten. So, wie ich es zuletzt in einem Wikinger Film gesehen hatte. Nicht auf eine Kitschige Art und Weise, sondern auf die eines stolzen Kriegers und so verhielt er sich auch. Seine Arme waren durchtrainiert, das konnte ich durch das scheinbar viel zu enge Oberteil erkennen. Seine Hose war aus Leder und die Schuhe sahen aus, als würden sie hunderte Kilo wiegen denn es waren Springerstiefel.

Sollte ich ihm sagen, dass diese Schuhe bereits seit mehr als fünf Jahren out waren? Wohl kaum, doch konnte ich mir trotzdem ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen.

»Vielen Dank «, fiel mir lediglich zu seiner Antwort ein, denn viel mehr dachte ich darüber nach, ob er mich gefangen hielt, oder ob er mich wirklich gerettet hatte, oder ob er mich auch wieder gehen ließ.

Noch bevor ich meinen Gedanken zu Ende bringen konnte, unterbrach er mich mit einer kleinen Bewegung. Er drehte sich ein wenig zur Seite, sodass ich sein Profil für einen winzigen Moment erkennen konnte und holte einen kleinen Gegenstand aus seiner Hosentasche hervor.

Neugierig wie ich war, streckte ich mich ihm entgegen, um zu sehen, was es war. Ich erkannte es sofort: eine kleine goldene Uhr blitzte mir entgegen, doch als er sah, dass ich sie gesehen hatte, umklammerte er sie schnell mit seiner Hand, um sie dann wieder blitzschnell in seiner Hosentasche zu verstecken.

»Du musst gehen! «, befahl er schroff und ging einen Schritt zurück.

Peinlich berührt stand ich auf, streckte ihm meine Hand unbeholfen entgegen. »Nein ich…ich wollte nicht… «, ich stockte. »Du hast Recht, ich sollte…gehen.«

Mein Blick sank nervös zu Boden, denn ich schämte mich für meine Neugier und stieg von der Bank hinab. »Wo komme ich hier raus?«

Erneut antwortete er mir nicht.

Blinzelnd sah ich in den Schatten. »Soll ich mir den Weg selbst suchen?«

Kommunikation war mit dem Mann wohl nicht möglich, weshalb ich mich nach zehn endlos scheinenden Sekunden einfach dazu entschied, mir den Ausgang selbst zu suchen. Gerade als ich an ihm vorbeiging, ertönte seine Stimme.

»Beth? «, fragte er fast schmerzlich, »erinnerst du dich nicht an mich? «

Es lag so viel Schmerz und Sehnsucht in seiner Stimme, dass mein Herz für einen Moment stockte und ich stehen blieb.

Woher kannte er meinen Namen?

»Entschuldige… «, flüsterte ich verwirrt, »kennen wir uns denn? «

Ich rechnete nicht mit einer Antwort, doch mit einem großen Schritt kam er plötzlich zu mir ins Licht.

Mein Mund stand offen, als er plötzlich vollständig vor mir stand. Seine Haare und der dazu scheinbar perfekt gewachsene Vollbart, alles an ihm schien perfekt. Seine Augen leuchteten Gold als er mich ansah, doch das taten sie nur, weil er ins Licht sah. Seine rot schimmernden Haare passten nun perfekt ins Bild. Er erinnerte mich sofort an Legolas aus Herr der Ringe, doch er sah unheimlich gut aus.

Sein Aussehen beklemmte mich plötzlich, ließ mich blinzeln und für einen Moment den Atem anhalten, wofür ich mir in diesem Moment gerne selbst ins Gesicht geschlagen hätte, doch das hätte sicher bescheuert gewirkt.

»Weißt du wer ich bin? «, fragte er, als wäre es ihm wichtig, dass ich mich an ihn erinnerte.

Doch das tat ich nicht. Ich hatte diesen Mann noch nie in meinem Leben gesehen, doch weil er mich so intensiv ansah, konnte ich es ihm aus irgendeinem Grund nicht sagen. Vielleicht sah ich Jemandem ähnlich, den er kannte.

Jetzt fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Hatte er mich deshalb gerettet?

Aufgeregt sah ich ihn an. »Wie ist denn dein Name? ich meine…vielleicht…wenn du mir sagst, woher du mich kennst, dann könnte ich dir sagen, ob ich dich kenne.«

Sein Blick verwandelte sich von erwartungsvoll zusehend in Trauer, bis sein Blick mir mehr verriet, als ihm scheinbar recht war.

»Wenn du mir sagst wie du hei… «, setzte ich erneut an, um ihn nicht zu enttäuschen, doch er unterbrach mich schroff.

»Nein! Ist schon gut! ich habe mich geirrt, du bist nicht die, für die ich dich hielt. Du musst gehen «, sagte er und ging entschlossen an mir vorbei, zu einer Tür, die ich noch nicht als diese identifiziert hatte. direkt daneben hing ein Regal.

Routiniert griff er hinein und nahm einen größeren Gegenstand hinaus, bevor er die Tür einen kleinen spalt öffnete und durch ihn hindurch lugte. Erst als er sich sicher war, dass dort scheinbar Niemand war, winkte er mich zu sich, doch ließ er das Treiben vor der Tür dabei nicht aus den Augen.

Ich kam seiner Bitte nach, sah mich noch einmal seufzend um, ehe ich schließlich bei ihm war.

Erst jetzt sah ich, was dieser kleine Gegenstand in seiner Hand war: Eine Waffe.

»Bist du wahnsinnig? «, flüsterte ich entsetzt. Warum ich flüsterte, wusste ich selbst nicht, doch ich tat es.

Unbeeindruckt machte er die Tür wieder zu und nahm sie hoch. »Das ist nur eine kleine. Was willst du überhaupt?«

In was war ich hier nur hineingeraten?

Ich massierte meine Schläfen und trat von einem Fuß auf den anderen. »Heißt das…heißt das, dass ich noch in Gefahr bin? «, fragte ich intensiver als geplant.

»Das sind wir alle «, sagte er, als wäre es das normalste der Welt und schenkte mir ein verächtliches Schnauben.

Seine plötzliche Gelassenheit gefiel mir gar nicht. Ich kannte diesen Mann nicht, doch schien er mich irgendwoher zu kennen.

»Ich muss hier raus! «, stöhnte ich und machte einen Schritt auf ihn zu. »Mach die Tür bitte auf! «

Er hatte meine Lage wohl erkannt, denn sofort nahm er die Waffe wieder herunter. »Hey es…es tut mir leid, ich weiß, dass du den Umgang damit nicht kennst, aber … «

Er Stockte und sah mich wieder auf die Weise an, die mir unangenehm war.

Für einen Moment sah ich ihm genau in die Augen und er mir. Sie leuchteten förmlich, zogen mich in einen Bann, dem ich widerstehen musste. Er bringt Ärger, das spürte ich einfach.

Ich konnte mich gerade noch so von seinem Blick lösen und riss die Türe auf. Schnurstracks und ohne nach links und rechts zu sehen, rannte ich aus der Tür, die mich in einen kleinen Hausflur führte.

Plötzlich kamen mir die Tränen, ich konnte sie nicht zurückhalten, doch wieso?

Ich nahm erst nur eine Stufe nach der anderen, doch als ich bereits zwei Stockwerke eines alten Hauses passiert hatte, waren es bereits drei, die ich nahm.

Als ich unten angekommen war, drehte ich mich ein letztes Mal und rannte auf die große Eingangstür zu, die mein Herz höher schlagen ließ. Ich ersehnte sie wie einen alten Freund, wollte sie umarmen, denn ich musste von diesem Ort hier einfach weg.

Als ich nur noch wenige Meter von ihr entfernt war, erhöhte ich mein Tempo und sprang ihr förmlich voller Freude entgegen und als ich die Klinke endlich in meinen Händen spürte, drückte ich sie mit voller Wucht auf, sodass ich mit ihr nach außen für ein paar Zentimeter mit schwang.

Und plötzlich in einem Meer von Menschen stand, die mich anmotzten, weil ich sie angestoßen hatte. Der normale Wahnsinn ging hier weiter. Die Hälfte der Menschen drängelte sich auf diesem Bürgersteig nach rechts, der andere nach Links.

Mit Erschrecken stellte ich fest, dass sich für diese Menschen nichts geändert hatte, das normale Leben ging für sie weiter. Sicher waren viele auf dem Weg zur Arbeit.

Doch für mich hatte sich etwas geändert.

So stand ich da, mitten unter ihnen und war allein.

Allein unter so vielen Menschen, die nicht das erlebt hatte, was ich erlebt hatte.

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