Blood Hunter Band 2 – Kapitel 34

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Dent Anwesen…

Gegenwart…

Anna…

Ein lautes Klacken hoher Schuhe nähert sich uns endlich schnell, dicht gefolgt von weiteren Schritten.

Als die kleine schwarze Tür aufgeschoben wird, tritt ein großer bewaffneter Vampir herein. Mit seiner linken Hand zeigt er in unsere Kammern, ehe auch schon eine weibliche Person schwungvoll den Raum betritt. Raven.

Schnell schließe ich meine Augen, versuche meine Atmung zu verlangsamen und verharre in der Position, mit der sie mich in diese winzige Zelle warfen. Hannah sitzt ebenfalls wieder dort, wo sie sie zuletzt gesehen hatten.

Sechs weitere Male ertönt das Klacken ihrer Schuhe, ehe ich ihren durchdringenden Blick auf meinem Körper spüren kann. Sofort sinkt die Temperatur in diesem Raum um gefühlte zehn Grad, denn sie scheint nicht erfreut.

»Bitte! Bitte lassen sie mich gehen! Ich hab mit all dem nichts zu tun, die haben mich nur entführt «, ertönt Hannahs ängstliche Stimme von rechts.

Ein paar Sekunden vergehen, in denen ich nicht einschätzen kann, was los ist, denn ich darf meine Augen nicht öffnen. Es fällt mir schwer ruhig zu bleiben, doch ich muss mich an den Plan halten.

»Ist das so? « Zwei weitere Male klacken ihre Schuhe.

»Ich schwöre ihnen, dass ich mit diesen Leute nichts zu tun habe! «

Hannah rutscht auf den Knien weiter zu ihr nach vorne an die Eisenstangen. Das schleifen ihrer Hose ist deutlich zu hören. Immer noch trägt sie die Hose, in der sie die Explosion eigentlich nicht hätte überleben sollen.

Zwei weitere Wachen betreten den Raum, ihre Schritte sind ebenfalls deutlich zu hören.

»Mylady «, flüstert der eine und tritt näher.

»Was ist los? «, sind ihre Worte, die sie so leise wie möglich ausspricht. Sie glaubt wohl nicht, dass ich noch nicht wach bin.

Der Mann kommt noch näher an sie heran. »Ich denke, er ist da. «

»Das ging ja schnell «, stellt sie augenscheinlich zufrieden fest. »Holt sie raus! «

Die Männer setzen sich in Bewegung, als auch schon die Scharniere der Zellentüren knarren. Ich versuche nicht über ihre Worte nach zu denken, doch bin ich mir ziemlich sicher, dass sie weiß, dass Tor sich mittlerweile in dem Gebäude aufhält. Das jedoch, ging schneller als gedacht, weshalb ich mir schnell etwas einfallen lassen muss, um die ganze Sache zu verzögern.

Offensichtlich verwirrt fragt Hannah: »Was meint ihr? W-wer ist…da? «

Sie kennt den Plan ebenfalls und weiß, dass wir zu früh dran sind.

Als mich auf beiden Seiten jeweils zwei Arme umschließen und ich aufgerichtet werde, lasse ich so gut es eben geht meinen Körper schlapp wirken. Meinen Kopf liegt tief auf meiner Brust und meine Füße hängen nah über dem Boden. Weil meine Haare wild über meinen Augen nach unten hängen riskiere ich es einen, Blick zu Hannah zu werfen, als die Männer mich aus der Zelle tragen. Sie sieht mich ebenfalls an, nickt mir kurz zu, dass sie verstanden hat.

»Bitte lassen sie mich gehen «, fleht sie erneut.

Mit verschränkten Armen steht Raven vor ihrer Zelle, ist sichtlich hin und her gerissen, denn sie scheint nicht zu glauben, dass sie entführt wurde. Doch genau weiß sie es nicht, denn als ich so darüber nachdenke, wird mir klar, dass sie Hannah nie persönlich in unserer Mitte gesehen hatte.

Bei der Explosion war sie selbst nicht anwesend.

Als die Männer mich aus der Tür heraus tragen, biegen wir nach links ab in einen langen Gang. Dieser ist deutlich beleuchtet und ich versuche die Schritte zu zählen, die wir von der Zelle aus bereits gemacht haben. Bisher sind es Sechsunddreißig, ehe wir erneut nach links abbiegen und dann plötzlich stehen bleiben. Eine Tür wird geöffnet.

Unsanft zieht der eine Vampir an meinem Arm, als wir eintreten und vor mir ein größeres Möbelstück auftaucht. Weil sie sich nicht abgesprochen haben und in entgegengesetzter Richtung laufen, knalle ich mit meinem Knie voll dagegen.

Der Schmerz durchfährt mich, lässt mich kurz nach Luft schnappen, doch versuche ich jegliche Atmung auf ein Minimum zu unterdrücken. Meine Augen kneife ich dabei so fest zusammen, dass dieser Schmerz schon fast größer scheint.

Die Männer drehen sich mit mir um, um mich auf einen Barre zu legen.

»Nimm du sie «, sagt der eine Vampir abwertend.

»Ich will sie nicht, nimm du sie! «, erwidert der andere und lässt meinen Arm los, sodass er an meinem Körper herunter hängt.

»Bist du bescheuert? «, fragt der erste aufgeregt, »Wenn Raven sieht, dass du ihr geschadet hast, bist du tot! «

Der zweite geht um mich herum, um meine Beine ebenfalls auf die Barre zu legen.

»Mach dir nicht in die Hose, Mann. Sie wird noch sehr viel Schlimmeres mit ihr anstellen. «

»Verpiss dich! «, brummt der erste erneut und legt seinen Arm an das Handgelenk des zweiten.

Ein leises Knurren entsteht in dessen Kehle, eher er sich verärgert umdreht und den Raum mit einem lauten Knall verlässt.

»Was für ein Wixer «, murmelt der Vampir neben mir und verschwindet aus meinem Blickwinkel.

Die Unruhe steigt in mir auf, am liebsten würde ich aufspringen. Würde mich umschauen, um zu wissen wo ich bin. Würde Tor und Will am liebsten sagen, wo ich bin, doch das kann ich nicht. Ich darf den Plan nicht gefährden. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als abzuwarten.

»Dann fangen wir mal an. «

Es dauert nicht lange, da ist der Vampir wieder da und ein kleiner Schmerz ebenso. Ich lasse meine Augen geschlossen, während er mir etwas unsanft in meine Venen drückt, versuche die Spritze über mich ergehen zu lassen und locker zu bleiben.

Als der Mann sich erneut umdreht, nutze ich meine Chance und öffne meine Augen hektisch.

Der Raum ist dunkel, doch kann ich sofort ein paar Dinge erkenne. Der Mann trägt einen Kittel und befinde ich mich augenscheinlich in einem Art Krankenzimmer.

Na toll, schon wieder. Wollen sie mich ein zweites Mal vergiften?

Die Tür geht erneut auf und sofort fahre ich alle Bewegungen wieder runter.

Es ist Raven, ich kann ihren Duft riechen.

»Ich habe bereits angefangen «, stellt der Mann klar, ehe ein paar Geräusche folgen, die ich nicht einordnen kann. Es klingt, als würde er Flüssigkeit verschütten.

Es macht mich wahnsinnig nicht einfach aufzuspringen und sie niederzustrecken, doch Will hat mich davor gewarnt dies zu tun. Alles wäre umsonst, denn ich kann mich Raven noch nicht stellen. Sie würde mich töten, so viel ist sicher. Wenn sie das nicht so wie so noch tut.

Als sie sich mir langsam nähert, zucken meine Finger.

»Sie sieht so friedlich aus «, flüstert sie entgegen all meiner Erwartungen liebevoll und legt eine Hand auf meinen Arm.

Der Mann ist immer noch beschäftigt. »Ich könnte Tony dafür umbringen, was er mit ihrem wundervollen Blut angestellt hat «, flucht der Mann genervt.

Sie dreht sich langsam zu ihm um, bevor sie langsam ihre goldenen langen Ohrringe einen nach dem anderen abnimmt und neben dem Mann auf der kleinen Theke postiert.

»Keine Sorge «, versichert sie ihm ebenfalls genervt, »Ich werde mich schon noch um ihn kümmern. Er wird nicht für immer den Schutz meines Vaters genießen.«

»Und wie wollt ihr das tun? Wollt ihr vorher euren Vater töten? Und vielleicht auch eure Mutter? Oder wollt ihr einen Komplott starten «, fragt der Mann ungläubig. Der Sarkasmus ist deutlich heraus zu hören.

»Ich arbeite daran! «, erwidert sie giftig. »Wann wird sie aufwachen? «

Für ein paar Sekunden sagt niemand etwas doch dann verfällt der Mann in eine Art Rausch.

»Was zum…. «, flüstert dieser aufgeregt, »seht euch das nur an! Das ist…vorzüglich. «

»Was ist? «

»Das Blut dieses Mädchens, es ist… so etwas habe ich noch nie gesehen «, staunt er, »Aber was ist das?«

»Sagt mir was los ist! «, blafft sie, als sie merkt, dass er sie ignoriert.

»Seht selbst «, bietet er sie an.

Ein paar Sekunden später klopft ihr Herz so schnell, dass es gleich aus ihrem Körper heraus springen könnte. »Nein, das ist nicht wahr oder? «

Hunt Anwesen…

4 Stunden zuvor…

Anna…

»Also, wie lautet der Plan? «, fragt Ally immer noch sichtlich ergriffen. Ihr Pony hängt ihr nass in den Haaren und sie wicht sich mit den Fingern die Schminke von den Wangen.

Tor wendet sich ein wenig von uns ab. »Sie wird wissen, dass Will Anna befreien wird. Er wird also als Erster auf den Plan treten. «

»Wenn sie mich sieht, wird sie uns beide töten. Anna und mich! «, setzt Will sofort dagegen.

Kurz denkt er darüber nach, fährt sich durch die Haare. »Du wirst nicht da sein.«

»Was? «, frage ich verwirrt. »Du hast doch gerade gesagt, dass… «

»Ich werde seine Sachen tragen. «

Will tritt vor. »Ja gut, aber sie wird Anna dann immer noch sofort töten. «

In Tors Augen blitzt plötzlich etwas auf. »Sie wird sie nicht töten. Wenn sie das gewollt hätte, dann hätte sie das schon längst getan, meint ihr nicht? «

Es herrscht plötzlich betretenes Schweigen.

»Bist du nicht meiner Meinung Ally? «

Als wäre sie ertappt worden zuckt sie kurz zusammen. »Ich…Sehe ich das richtig? Ich tausche sie gegen L ein? Aber was ist dann mit Hannah? Ich kann Raven Anna doch nicht einfach so übergeben, was ist, wenn sie ihr was antut? Sollen wir uns darauf verlassen, dass sie sie bisher nicht getötet hat? «

Sie sieht mich jetzt direkt an. »Ich könnte das nie Anna. Du bist meine beste Freundin! «

Ich schlucke schwer und gehe auf sie zu. »Ich weiß, Ally. Aber wenn das der Plan ist… «

Ich kann meine Tränen nicht zurück halten.

»Und weiter? «, fragt Will genervt. Ich sehe ihm an, dass er nicht erfreut ist. Seine Körpersprache zeigt deutlich, dass er eigentlich lieber etwas anderes sagen würde, doch weiß ich, dass er Ally nicht verletzen will.

»Wenn Ally dann L befreit hat muss dieser schnell auf die Beine kommen. Zusammen kommen sie zurück. «

Will sieht Tor von oben herab an. »Und dann? Wie kommen wir an die Wachen heran und wie kommen wir alle wieder lebend aus der Sache heraus? «, fragt Will energisch.

»Ist ja gut «, rudert Tor zurück. »es gibt Niemanden, der sich besser dort auskennt, als du oder? «

Will schließt die Augen, als wüsste er, was jetzt folgt.

»Ich hasse dich Tor! «

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Ende Kapitel 34

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