Blood Hunter Band 2 – Kapitel 27

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Will…

Es vergehen unendlich scheinende Sekunden in denen mein Herzschlag bereits mehr mal ausgesetzt hat, ehe sie sich überhaupt wieder rührt. Ihre Augen hat sie weit aufgerissen, ihre kleinen Spitzen der Eckzähne sind bereits zu sehen, blitzen auf, während ihre Augen wild umhergehen. Sie suchen meine aber auch wieder nicht. Sie greift nach der Decke, zieht sie näher zu sich heran, ich habe Angst, sie verschwindet unter ihr und kommt nicht wieder hervor.

Sie sieht mich an, als hätte ich ihr offenbart, dass ich eine perverse Neigung habe. Oder dass ich eine Vision habe, die da lautet, alle Katzen Babys dieser Welt zu finden, sie zu vereinen, um ihnen auf die bestialischste Art und Weise die Kehle aufzuschlitzen.

Nein stopp, das ist es nicht. Nein, ihr Blick schreit schlimmeres. Dieser Blick, mit dem sie mich belegt, versetzt mir erneut einen Schlag.

Niemals hätte ich damit gerechnet, würde ich eines Tages tatsächlich einen Heiratsantrag ernst meinen und dann die entscheidende Frage stelle, eine solche Antwort zu bekommen.

Wenn sie antworten würde und mich nicht so ansehen würde, wie sie es im Moment tut.

Ich will sie fragen was sie hat, was in ihr vorgeht, doch kann ich mich nicht von ihrem Blick lösen. Er ist so intensiv, dass mir die Luft weg bleibt. Sie atmet nicht. Würde ich ihr wild schlagendes Herz nicht hören, könnte ich denken, sie ist vor Schreck in eine Ohnmacht gefallen.

Das hier läuft alles andere als gut. So hab ich mir das nicht vorgestellt, ich muss die Situation auflösen, sonst befürchte ich das Schlimmste.

Am liebsten würde sie aus dem Fenster springen, ich sehe es genau, denn jetzt fängt sie an zu zittern und schluckt erstmalig wieder. Als hätte man sie aus ihrer Trance befreit, neigt sie ihren Kopf einmal kurz zur Seite. Zu gerne wüsste ich jetzt, was sie denkt. Doch es scheint nichts Gutes zu sein, denn jede Faser ihres Körpers schreit nach Furcht. Ich kann den Geruch an ihr riechen. Er umgibt sie plötzlich.

Ich schließe meine Augen für einen Moment, konzentriere mich auf sie.

Sie fürchtet sich tatsächlich. Aber wie kann das sein?

Bin ich denn wirklich so fürchterlich? So furchteinflößend? Ist es nicht möglich eine vernünftige Beziehung zu führen? Bin ich tatsächlich das Problem?

Ich öffne meine Augen wieder und sehe sie an. Sie scheint nach Worten zu suchen, denn ihren Mund öffnet sie jetzt immer wieder, um anzusetzen. Doch es kommt kein Ton aus ihrem Mund.

Langsam steigt die Wut in mir hoch, ich presse meine Lippen aufeinander und warte auf eine Antwort, die ich wohl nie zu erhalten vermag.

Was ist nur mit ihr los? Wieso sieht sie mich so an? Vielleicht ist sie das Problem. So muss es sein, denn es gibt viele Frauen, die glücklich wären mich zu haben. Viele und nicht selten, habe ich dies in meiner Vergangenheit ausgenutzt, um sie zu verführen.

»Ich… «, krächzt sie und schluckt sofort wieder, als fielen ihr die folgenden Worte besonders schwer. »Du…«

Das süffisante Lächeln ist längst aus meinem Gesicht verschwunden, ist dem schmerzvollen Gesichtsausdruck eines alten, geschundenen Mannes gewichen.

Auch sie sieht es mir an.

Ich balle meine Hände zu Fäusten und trete einen Schritt zurück.

»Keine Antwort ist eine sehr deutliche Antwort «, flüstere ich resignierend.

Kurzerhand drehe ich mich um, beschließe, dass ich hier raus muss. Also renne ich auf die Tür zu und lege meine Hand auf den Türknauf.

»Will ich liebe dich aber… «, ertönt plötzlich ihre Stimme, doch beendet sie den Satz nicht.

Ich bleibe stehen, doch drehe ich mich nicht zu ihr um. Ich straffe meine Schultern, will mir nicht anmerken lassen, dass sie mir gerade einen Schlag in die Fresse verpasst hat.

»Wie kannst du mich lieben, wenn du mich nicht heiraten willst? «, flüstere ich betroffen und ziehe die Tür auf. Ich warte nicht auf eine Antwort, ich verlasse das Zimmer, ohne ihr die Chance zu geben, mich ganz zu zerstören.

Anna…

Mein ganzer Körper zittert. Als Will zur Tür stürmt, will ich ihn aufhalten, rufe ihm hinterher, doch er scheint bereits fort.

Schnell schlage ich die Decke zur Seite, versuche aus dem Bett heraus zu klettern, doch es gelingt mir nicht sofort. Schmerzvoll komme ich auf die Beine, stütze mich an Rahmen ab, um es zu umrunden, als ich das Gleichgewicht verliere und nach vorne Kippe. Kurzerhand lande ich in der Hocke und schließe schmerzerfüllt meine Augen.

»Will! Komm zurück! Bitte! «, rufe ich ihm hinterher, kann meine Tränen nicht mehr zurück halten und versuche wieder aufzustehen. »Ich habe Angst! Ich habe eine Scheiß Angst! «

Als ich meine Augen wieder öffne blicke ich vor mich, bevor ich plötzlich vor mir eine kleine Person ausmachen kann. Sofort halte ich die Luft an, versuche mich zu beruhigen, als ich sehe wer es ist. Erst jetzt erkenne ich, dass es ein Spiegel ist. Langsam gehe ich auf ihn zu, doch beachte ich seine Form oder Größe nicht, da ich auf sein Inneres fixiert bin. Verwirrt hebe ich meine Hand, als auch die Person im Spiegel zeitgleich die Hand hebt. Doch die Person, die dort zu sehen ist, bin nicht ich. Ich sehe Adam.

Verwundert reiße ich meine Augen weit auf, kann nicht glauben, was ich sehe.

»Was zur Hölle…«, flüstere ich und die Person im Spiegel tut es mir gleich, doch als ich näher mit meiner Hand an den Spiegel heran gehe, löst er sich von mir und starrt mir in die Augen. Mit seinen Lippen formt er einen Satz, den er stetig wiederholt.

Ich sehe auf seine Lippen, verstehe sofort, dass er mir etwas sagen will, doch ich erkenne nicht was.

»Was versuchst du mir zu sagen? «, frage ich ungeduldig und sehe auf seine Lippen.

Erst formt er seine Lippen spitz, legt dann seine Zähne auf sie und spricht.

»F…in…de? «, versuche ich zu entschlüsseln.

Er nickt.

»Ok, ok neues Wort! «

Das nächste Wort scheint ein „Das“ zu sein.

»Finde das «, fasse ich aufgeregt zusammen und ermutige ihn weiter zu reden.
Er presst erneut seine Lippen aufeinander, dann geht sein Mund komisch auseinander, ehe eine Reihe Vokale folgen. »M..e…daillon? Finde das Medaillon? «, rufe ich aufgeregt.

Er nickt ungeduldig und sieht mich dann durchdringlich an.

»Das Medailon. Es ist wichtig oder? «

Er nickt erneut.

»Ich suche es! Ich finde es und dann komme ich zurück! «, versichere ich ihm voller Tatendrang und sehe auf meine Hände. Doch bevor ich das Medaillon suche, muss ich noch etwas regeln. Muss mit Will klären, warum er keine Antwort von mir erhalten hat, warum ich so dumm bin, ihm keine Chance zu geben.

Schnell sehe ich auf, will Adam noch einmal versichern, dass ich mich beeile, als ich plötzlich wieder nur noch mein eigenes Spiegelbild sehe.

Erschrocken trete ich einen Schritt zurück, will nicht glauben, dass diese Frau, die mich so entsetzt ansieht, tatsächlich ich selbst bin. Mit meiner Hand greife ich an meine Stirn, fahre über die blutige Stelle, die wohl mal eine Platzwunde war, doch bereits verheilt ist. Das Blut klebt immer noch an meiner Nase, ich sehe schrecklich aus. Das eingefallene Gesicht, lässt mich zusätzlich erzittern. Meine Klamotten sind voller Löcher, mein Gesicht ist voller Dreck und das Blut klebt noch überall an meinem Körper.

Ein schöner Anblick ist das nicht, doch will hat mich trotzdem gefragt, ob ich ihn heiraten will. Und was habe ich getan? Ich habe an meine eigene Familie gedacht, wie sie zerbrach. Es war keine Ehe nötig um sie zu zerstören, das hat meine Mutter ganz allein geschafft. Sie verließ meinen Vater, so oder so und ließ mich dabei zurück. Uns zurück.

letztendlich war es das beste, das mir passieren konnte, doch konnte ich bei seiner Frage plötzlich an nichts anderes mehr denken. Ich sah den Schmerz in seinen Augen, doch ich konnte und wollte sie ihm nicht nehmen. Ich will ihm nicht aufbürden ein Leben lang an mir zu hängen. Ich will, dass er glücklich ist und eine Ehe bringt die Leute nur dazu zusammen zu bleiben, obwohl sie es sich manchmal vielleicht anders wünschten.

Ally…

In Gedanken versunken schiebt L das Glas immer wieder mit dem Besen auf das Kehrblech, doch hat er dabei immer noch nicht bemerkt, dass längst alles auf der Schaufel gelandet ist.

Kurz sehe ich ihn an, kehre ebenfalls einen eigenen Haufen auf die Schaufel.

»Ist alles in Ordnung? «, frage ich so beiläufig wie möglich und stehe auf, um die Schaufel in einem Müllsack zu leeren.
Schnell sieht er auf, bemerkt, was er tut und schüttet die Schaufel dann ebenfalls neben mir aus.

»Ja, also ich…ich hab vielleicht was heraus gefunden. «

Er kratzt sich am Kopf, was ich so gar nicht von ihm kenne. Sonst ist er immer sehr adrett und achtet auf seine Haltung.

»Und was? «, frage ich neugierig.

Alex hat sich währenddessen zu Hannah ans Bett gesetzt und hält ihre Hand.

Schnell sieht er mich an und wirft einen flüchtigen Blick zu Alex, um mir zu zeigen, dass er nicht sprechen will, solange er da ist.

Ich nicke ihm zu, da ich verstehe.

Als L’s Uhr plötzlich blinkt, sehen wir beide auf sie drauf.

»Eine Nachricht von Charles «, flüstert er und kneift die Brauen fragend zusammen.

Ich zucke mit den Schultern. »Was will er? «

Er überfliegt die Nachricht und sieht mich wieder an. »Er ist gleich hier. «

Anna…

Schnell trete ich aus der Tür und renne den Flur entlang. »Will? Wo bist du? Lass uns reden! «, brülle ich, während ich mich umsehe.

Als Ally und L die Treppe herunter kommen, sehe ich zu ihnen auf. »Habt ihr Will gesehen? «

Schnell ist Ally bei mir. »Nein, was ist los? «

Ich starre sie verwirrt an, bin völlig ausser Atem.

»Anna was ist mit dir los? Du bist ja völlig fertig «, stellt sie fest und greift an meine Schultern. »Wir bekommen Besuch, du solltest dich waschen und dann umziehen! «

»Ich…Ich «, stammele ich, während meine Augen weiter im Raum kreisen. Mein Herz rast, ich muss Will finden, um das mit ihm zu klären.

L und Ally wechseln einen flüchtigen Blick, ehe sie mich zu sich zieht. »Komm her! Ich helfe dir! «

Schnell packt sie mich am Arm und zieht mich mit sich in Richtung Badezimmer, doch ich währe mich.

»Nein Ally. Ich muss erst mit Will reden, ich muss…Ich will ihn doch heiraten aber…«, stammele ich.

Sofort bleibt sie stehen. »Heiraten? Hat er dich etwa gefragt? «

Ich nicke beklommen.

Erschrocken sieht sie mich an und greift an ihre Stirn. »Ich werde diesen Kerl nie verstehen.«

»Was soll das denn heißen? « Ich reiße mich von ihr los, indem ich ihren Arm zur Seite schlage.

Sofort nimmt sie ihre Hände in die Höhe. »Nicht wegen dir, Anna. Ich…ich kenne ihn nur schon etwas länger und… Naja er hat das noch nie Ernst gemeint. Jetzt meint er es ernst und verliebt sich in ein Mädchen, dass gegen die Ehe ist. «

»Ich bin nicht dagegen «, entgegne ich strickt und kann selbst kaum glauben, dass ich das gerade gesagt habe.

»Hast du etwa „Ja“ gesagt? «, fragt sie erstaunt.

Schnell sehe ich zu Boden, massiere meine Stirn. »Nein.«

Erschrocken reißt sie die Augen auf. »Du hast „Nein“ gesagt? «

Nervös fahre ich durch meine Haare. »Ich habe gar nichts gesagt «, gestehe ich.

Auch L streift langsam die Treppe hinab und als er unten angekommen ist, bleibt er stehen.

»Na das hat uns jetzt noch gefehlt. Wir leben ab jetzt mit einem Berserker unter einem Dach und dann noch mit einer Banshee «, sagt er ironisch. »Das wird ein Spaß. Ich kann mir vorstellen, wie er reagiert hat. Dass das Haus noch steht… Ally bring sie in Ordnung, ich glaube, dass wir noch ganz andere Probleme bekommen werden. «

Ich drehe mich wieder zu ihr um, als ich sehe, dass sie mich mit offenem Mund anstarrt.

»Du hast William Hunt, dem König des Hunter Clans eine Abfuhr verpasst, als er dir die größte Ehre erwiesen hat, indem er dich gefragt hat, ob du ihn heiraten willst «, stellt sie mit einem ungläubigen Lächeln fest und kann es augenscheinlich nicht glauben. »Du hast Eier! «

Für einen Moment schließe ich meine Augen. »ich habe nicht „Nein“ Gesagt «, stelle ich klar.

»Du hast nichts gesagt, was dem gleich kommt «, mischt sich L erneut ein. »Aber jetzt beeilt euch bitte. «

Ohne einen weiteren Ton zieht Ally mich wieder hinter sich her, bis wir im Badezimmer ankommen.

Schnell greift sie in den Schrank, holt ein Handtuch aus dem Schrank, während ich vor dem Spiegel stehe und meinen geschundenen Körper begutachte.

Sie macht das Handtuch ordentlich nass und kommt zu mir. »Du siehst ziemlich beschissen aus. «

»Ich weiß «, flüstere ich betrübt ohne sie anzusehen. »Meinst du…Meinst du er verzeiht mir das? «

»Dreh dich zu mir! «, befiehlt sie knapp und ich tue was sie sagt. Langsam streift sie mit dem lauwarmen Handtuch über meine Stirn, während ich meine Augen schließe. Ihre Berührung ist sanft, schon fast fürsorglich.

»Er wird eine Weile brauchen aber ich denke schon. «

Als sie über mein rechtes Auge fährt, zucke ich schmerzvoll zusammen und zische durch die Zähne.

»Entschuldige! «, winkt sie direkt ab und versucht es erneut etwas vorsichtiger.

»Ich habe Angst Ally «, gestehe ich, ohne die Augen zu öffnen. Langsam fährt sie an meinem Hals entlang und reibt das Blut von mir ab.

»Ich weiß Anna aber er meint es wirklich Ernst. Das sieht man ihm doch an «, versichert sie mir, während sie das Handtuch erneut befeuchtet.

»Ist das so? « ungläubig ziehe ich eine Augenbraue hoch und öffne jetzt doch meine Augen.

Sie grinst lediglich hämisch.

»Was? «, frage ich und kann mir ein Lächeln ebenfalls nicht verkneifen.

Sie greift vorsichtig nach meinem Arm und wischt das Blut daran ab. »Es ist nur… naja vor dir war er so anders.«

»Ja, er ist durch alle Betten gesprungen «, flüstere ich genervt.

»Und seit du da bist, hat er damit aufgehört! «, entgegnet sie energisch. »Du solltest solche Dinge zu schätzen lernen. Besonders bei Will. «

Ich senke meinen Kopf und sehe sie mit hochgezogenen Augenbrauen ungläubig an. »Waren es viele? «

Sie greift nach meiner anderen Hand und wischt auch hier das Blut von meinen Knöcheln ab.

»Ein paar aber das ist doch jetzt auch gar nicht mehr wichtig, Anna. Er liebt dich und du ihn, was gibt es da noch zu überlegen? «

Mit diesen Worten legt sie das Handtuch weg und verlässt den Raum. An der Tür bleibt sie noch mal stehen.

»Zieh dich um, wir bekommen Besuch! «

Ich nicke, doch kann ich nicht aufhören, über ihre Worte nachzudenken.

Zehn Minuten später bin ich fertig umgezogen und habe mir meine Haare etwas zu Recht gemacht, als ich das Badezimmer verlasse und bereits aufgeregte Stimmen höre. Hinter mir schließe ich die Tür und luge aufmerksam um die Treppe herum.

Vor der Eingangstür tummelt sich der Trupp und noch ein paar weitere Vampire. Sie unterhalten sich unruhig.

Leise nähere ich mich ihnen, will sie nicht unterbrechen und bleibe dann schließlich hinter Ally, die neben Tor steht, stehen. Will steht neben Tor und horcht dem Mann vor ihm, der noch zwei weitere Vampire im Schlepptau hat. Sie tragen dunkle Mäntel, die dem Trupp sehr ähneln. Nein, ich könnte schwören, es sind die selben.

»…So wie du es mir aufgetragen hast, mein König. Sie kann jetzt besichtigt werd… «, sagt der Mann, doch als ich Ally erreiche, verstummt er plötzlich. Schnell sehe ich zu Boden, ich bin mir sicher, er hat mich bemerkt.

»Und das ist die Frau, von der ich bereits so viel gehört habe. «

Ich verschränke meine Arme vor der Brust und versuche in Allys Schatten zu bleiben und mich so nicht am Gespräch zu beteiligen, doch mein Plan geht vollkommen nach hinten los, als Ally plötzlich zur Seite tritt und damit meine Sicht auf ihn frei gibt.

Schwer schluckend stehe ich da, fühle mich irgendwie ertappt und weiß nicht was ich sagen soll. Wer ist der Kerl überhaupt?

Fragend sehe ich in die Runde. Sehe zuerst L an, der mir aufmunternd zunickt, um dann schließlich den erschöpften Tor zu sehen, der mir kurz zuzwinkert. Will sehe ich nicht an, denn ich höre sein Herz plötzlich schneller schlagen. Er starrt mich an.

»Hat euch meine Schönheit die Sprache verschlagen? «, schertz der Mann und streckt mir seine Hand entgegen.

Bevor ich näher trete, sehe ich ihn mir ganz genau an. Seine Augen sind feuerrot, sein Haar, das schneeweiß ist, reicht ihm bis zu den Schultern. Er ist durchtrainiert, so wie der restliche Trupp. Nur ich nicht. Er ist so groß wie Will, doch sieht er längst nicht so gefährlich aus. Er wirkt sogar…nett.

Ein süffisanten Lächeln umspielt seine Mundwinkel, als er einen Schritt auf mich zu macht.

Ich löse meine Arme und mache ebenfalls einen Schritt zurück. »Wer…wer sind sie? «

Ally schenkt ihm ebenfalls ein kleines Lächeln. »Sie musste lernen den richtigen Leuten zu vertrauen, verzeih ihr Charles. «

»Charles? «, frage ich. »Wieso hab ich noch nie was von ihnen gehört? «

Er sieht mich eindringlich an, so wie der Rest der hier anwesenden, doch dann wird sein Blick plötzlich weicher.

»Die kleine hat Eier «, schertz er und sieht dann Will an, während er seine Hand auf seine Schulter legt und zudrückt. »Ich verstehe dich! «

Genervt sieht er mich an, ich spüre seinen tödlichen Blick auf mir. »Sei vorsichtig Charles, sie kann dir lediglich mit ihren Worten sämtliche Teile deines Körpers in fetzen reißen «, presst er wütend durch die Zähne. »Aber ja, ich will sie sehen. Ist sie fertig? So wie ich sie mir vorgestellt habe? «

Charles nickt amüsiert. »Dann würde ich sagen, fahren wir los! « er nimmt seine Hand wieder runter.

Die Runde löst sich schnell auf, Ally und L schlendern mit Tor und Alex die Treppe hinauf, während die drei Männer an der Tür warten.

Schnell sehe ich mich um, bevor ich entscheide was ich tue, denn ich habe keine Ahnung wohin sie wollen. Als Will auf mich zu kommt, greife ich nach seinem Arm, will ihn aufhalten.

»Können wir kurz red…«, setze ich an, doch er schlägt meine Hand zur Seite und geht wortlos an mir vorbei.

Entsetzt sehe ich ihm nach und kaue bedrückt auf meiner Lippe herum.

Es dauert nicht lange, da sind wir fast alle wieder versammelt, doch L fehlt.

»Ally was ist los? Wo fahrt ihr hin? «, frage ich sie irritiert.

Schnell ist sie bei mir. »Du kommst mit. «

»Und wohin? «

»Das ist eine Überraschung! «, versichert sie mir und zwinkert mir zu.

Das gefällt mir gar nicht, versetzt mir einen Schlag in die Magengrube und lässt mich das Schlimmste befürchten. Dieser Charles unterhält sich weiter mit Tor. Sie bedatieren über etwas, das ich nicht verstehe und Ally steht einfach nur da.

»Wo ist L? «, frage ich.

»Er bleibt mit Hannah und Alex hier, er kommt später nach. «

Verblüfft sehe ich sie an. »Kommen wir denn nicht zurück? «

Als Will plötzlich hinter mir steht, straffe ich meine Schultern.

»Seid ihr alle bereit? «

Der Trupp und die drei Vampire setzen sich in Bewegung, treten aus der Tür, als nur noch Will und ich übrig sind. Ich bleibe an Ort und Stelle stehen, will dass er mir erklärt wo wir hin fahren und das erreiche ich, wenn ich einfach stehen bleibe. Dann muss er mit mir reden.

Als er merkt, dass ich ihm nicht folge bleibt er kurz im Türrahmen stehen, doch dreht er sich nicht um.

Mein Herz fängt an zu rasen, gleich muss er etwas sagen und darauf warte ich.

Doch entgegen meiner Erwartung geht er plötzlich einfach weiter.

Verwirrt stehe ich da, sehe ihm erschrocken nach und kann meinen Ärger nicht zurück halten.
Ist der jetzt wirklich einfach weiter gegangen? Ist ihm egal, dass ich ihm nicht folge? Will er mich nicht dabei haben? Das kann doch jetzt wirklich nicht sein Ernst sein!

Ich beschließe ihm nicht nach zu rennen, eher schmeiße ich mich erneut die Schlucht hinab. Also stapfe ich wütend die Treppe hinauf, setze trotzig einen Fuß vor den anderen und als ich in der Mitte angekommen bin, geht die Tür erneut auf.

Erleichtert drehe ich mich um.

»Kommst du Anna? «, ertönt Allys Stimme hinter mir und sofort erschlafft mein Körper wieder.

»Das kann doch nicht wahr sein! «, murmele ich, während ich die Treppe wieder herunter stapfe und sie erreiche.

»Lass uns gehen. «

Am Auto angekommen sind bereits alle in den weißen Van eingestiegen. Nur noch der erste Platz an der Tür ist frei. Aufgeregt werfe ich einen Blick in die Runde und sehe, dass Will den Van fährt.

Na das wird eine Fahrt.

Ich steige ein und schließe die Tür neben mir, in dem ich sie zuschiebe, als Will auch schon das Pedal voll durch drückt.

Durch den Ruck werden wir alle in den Sitz gedrückt, doch das scheint niemanden zu stören.

Als ich noch mal einen Blick zurück werfe, kann ich plötzlich eine schwarze Silhouette vor dem Haus erkennen. Sie sieht uns nach, scheint entspannt, doch ist sie weiblich.

Ende Kapitel 27

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