Blood Hunter Band 2 – Kapitel 26

—————————————————-

Will…

L und Alex stürmen beide gleichzeitig zur Tür herein, scheinen ebenfalls etwas von Hannahs Schrei abbekommen zu haben, denn sie lehnen schmerzerfüllt im Türrahmen.

»Was…was war das? «, murmelt L und greift sich an die Stirn.

Als er sieht, dass Ally bewusstlos an Annas Bettrand liegt, rennt er schnell auf sie zu. »Ally? Was ist hier passiert? «

Auch Alex tritt näher. »Wer oder was hat die Kraft das hier zu tun? «

Erstaunt sieht er sich um.

»Helft mir Tor aufzuheben! «, raune ich die beiden an und beuge mich über ihn. Kurzerhand packe ich ihn am Arm, um ihn hoch zu ziehen, als er plötzlich seine Augen panisch öffnet.

Kurz schlägt er um sich, versucht mich weg zu schieben.

»Tor! Beruhig dich! Du warst nur kurz bewusstlos! «

Er fängt sich schnell und versucht dann langsam aufzustehen.

»Kommst du klar? «

Er nickt betrübt.

Ich reiche ihm meine Hand und er nimmt sie in Empfang, um ihn hoch zu hieven.

Rasch renne ich um das Bett herum und warte darauf, dass auch Ally und Anna ihre Augen wieder öffnen.

L lässt sich neben Ally fallen und nimmt sie in den Arm, als auch sie langsam ihre Augen öffnet.

»Langsam «, flüstert L ihr zu und streicht ihr liebevoll das Haar aus dem Gesicht.

»Kann mir jetzt bitte einer sagen, was hier los ist? «, bittet Alex erneut und sieht mich dabei an.

Ich zögere einen Moment, als Tor mich fragend ansieht und eine Antwort erwartet, doch ich weiß nicht, ob ich Alex noch trauen kann. Nachdem, was ich mit seiner Schwester abgezogen habe, würde ich es ihm nicht mal wirklich übel nehmen, sollte er mich verraten. Doch das tat er schließlich nicht. Nein, er hat Anna und mich gerettet, weshalb ich mich entscheide zu sprechen.

»Ich hab das bisher auch nur einmal mit erlebt aber ich hab…Es gibt Mythen. «

Auch Anna öffnet plötzlich ihre Augen. Sofort sucht sie meinen Blick.

Schnell strecke ich ihr meine Hand entgegen. »Es ist alles wieder in Ordnung, du heilst schon wieder! «, versichere ich ihr. »Aber bleib noch liegen! «

Ally versucht sich langsam vom Bett hoch zu hieven. »Wie hat sie das gemacht? «

Noch etwas wackelig auf den Beinen entfernt sie sich von uns, geht auf die Theke zu. »Selbst die kleinen Gefässe hat sie zerstört «, stellt sie fassungslos fest und sieht sich weiter um.

Tor würdigt Hannah keines Blickes, hat sich sogar ein wenig von ihr dinstanziert und kommt zu uns auf die andere Seite. »Was für Mythen? «

Jetzt sehen mich alle fragend an, auch Ally kommt zu mir mit verschrenkten Armen zurück.

Kurz überlege ich, was ich sagen soll. Will ihnen die fiesen Einzelheiten eigentlich ersparen, denn ich habe keine Guten Erinnerungen daran.

»In meinen früheren Jahren in England «, setze ich an. »Da gab es noch mehr Wesen wie sie. «

Verdutzt kommt Tor auf mich zu. »Wesen? Was für Wesen? Hannah ist ein Mensch! «

Mit meinen Fingern fahre ich mir über mein Kinn. »Jetzt nicht mehr. Du hast sie mit deiner Aktion zu etwas anderem gemacht! «

»Sie wird keine von uns. Ich habe ihr lediglich einen Tropfen verabreicht! «, stellt Tor aufgebracht klar.

»Ich weiß. Das war es nicht! Sie hätte eigentlich tot sein sollen, Tor. Du hast ihr Annas Blut gegeben, obwohl wir noch nicht genau wissen, was es mit uns anstellt! «, klage ich ihn an.

Mein Ton wird jetzt rauer. »Du hast fahrlässig gehandelt! Außerdem, hast du das nicht mit mir abgesprochen, du hast auf eigene Faust agiert.«

Er strafft seine Schultern. »Ich weiß, was es mit uns macht. Ich habe es mit Ally getestet. Es macht uns schneller und stärker. Ich habe es Tagelang in mir gehabt, Will! Es kann sie nicht verletzen, es heilt dich! «

Wissend sehe ich ihn an. »Und genau das, ist das Problem! «

Ally tritt einen Schritt näher. »Halt! Was soll das heißen? «

Auch Alex nimmt seine Hand in die Höhe. »Also ich verstehe nur Bahnhof. Kann mich Jemand aufklären? «

Schweigen.

»Wie sollte das gehen? Ich meine, das Blut hat sie doch gerettet! «, setzt Tor erneut an und unterbricht damit das Schweigen und übergeht Alex‘ Frage.

Das Bett knarrt ein wenig, als Anna versucht sich aufzusetzen.

»Ich sage es noch mal: Sie sollte eigentlich tot sein! Kein Mensch überlebt eine solche Explosion. Aber zurück zur Geschichte: Früher, da gab es mal eine Madame Theora. Sie war dafür bekannt, Nun ja, sie wusste mehr Dinge als andere Menschen. Sie war eine meiner Dienerinnen. Sie lebte länger als andere Mensch, es war schon fast unverschämt «, ich lächele kurz, denn eigentlich hatte ich nur schöne Erinnerungen an sie. »Nun ja sie wurde damit beauftragt, auf mich aufzupassen und mich zu beschützen.«

»Ein Mensch. Auf einen Vampir «, sagt L ironisch und verschränkt ebenfalls die Arme vor der Brust. Als Ally ihn warnend ansieht, zuckt er mit den Schultern.

»Ich sagte doch, sie war nur äußerlich ein Mensch. Das war der Grund, warum mein Vater sie für mich engagierte: Sie hatte eine mächtige Waffe, die sie immer bei sich trug, die Jeden Feind in der nähe in die Flucht schlug. «

Langsam dreht Ally sich um, schaut erst über die Fensterrahmen, dann zu Hannah und dann zurück zur Theke, ehe sie mich wieder ansieht. »Der Schrei «, flüstert sie, als fällt es ihr wie Schuppen von den Augen.

Ich nicke.

»Was war sie? «, flüstert sie erneut neugierig.

»Eine Banshee. Sie setzen den Schrei als Waffe ein. Sie sprengen damit dein Nervensystem, doch bei uns Vampiren ist es nicht tödlich, da wir wieder heilen. So wie ihr es getan habt, nachdem der Schrei vorbei war«, erkläre ich, »sie schwebt wahrscheinlich zwischen den Welten und für einen kurzen Moment war sie wieder in der unseren.«

»Was? «, flüstert Tor erschrocken. »Heißt das, sie wird nie wieder die Alte? «

»Ich weiß es nicht «, gestehe ich und sehe Anna dabei an. »Wie geht es dir? «

Bevor sie antworten kann, unterbricht Tor sie. »Sie wäre bei der Explosion also ums Leben gekommen und ich habe sie… «, er stockt kurz und schluckt schwer, »Ich habe sie mit Annas Blut aufgehalten, weshalb sie jetzt irgendwo dazwischen hängt? «

Ally sieht ihn an. »Aber was machen wir, wenn sie wieder aufwacht? «

Schlagartig lässt Tor sich in die Hocke fallen, fährt sich erschöpft durch das Gesicht, streicht seine Haare zurück und verharrt in dieser Position. »Ich wollte, dass sie ein Mensch bleibt «, flüstert er nachdenklich.

»Wie ging die Geschichte weiter? «, fragt Alex nach einer Weile ebenfalls nachdenklich und es klingt, als wäre sie plötzlich nebensächlich.

»Nun ja, die Menschen damals waren auf Vampire nicht so gut zu sprechen, wie ihr wisst. Es gab eine Zeit da wussten sie von uns und«, Ich massiere meine Nasenwurzel, denn es fällt mir nach all den Jahren immer noch schwer, darüber zu sprechen.

»Sie haben euch angegriffen «, flüstert Ally erschrocken.

»Naja, da war etwas, das schneller und stärker war als sie «, presse ich sarkastisch durch die Zähne. »Das muss man als Mensch vernichten wollen. Das liegt in ihrer scheiß Natur. «

»Und sie hat dich beschützt? «

Ich nicke. »Sie hat gegen ihren Natur gekämpft. Eines Abends kamen sie mit Fackeln. Mein Vater schickte mich nun eben nach England, um dort alles zu erlernen, was man als König können sollte. Nicht nur das: Dort lernte ich, was einen Kämpfer ausmachte aber das kam erst später. In dieser Nacht kamen sie und wollten mich vernichten. Sie erschlugen alles und Jeden auf dem Anwesen und als sie in mein zimmer eindrangen, war sie bei mir. Ich wollte kämpfen «, ich starre in die Ferne, versuche mich genau daran zu erinnern. »Mit Schwert und Schild, doch sie kam mir zuvor: Sie stieß mich zurück, sodass ich gegen die Wand flog und setzt dann gegen die herein stürmenden Männer ihre mächtigste Waffe ein, um mich zu beschützen. Viel weiß ich davon nicht mehr, denn ich wurde, wie ihr, ohnmächtig. Erst später lernte ich damit umzugehen und trainierte. Sie zeigt mir ein paar Tricks und ich könnte schwören, diese Frau «, ich kann mir ein kleines Lächeln erneut nicht verkneifen, »war die fucking furchteinflössendste Person, die ich bisher in meinem Leben getroffen habe.«

Anna…

In Wills Blick liegt plötzlich so viel Schmerz, dass ich mir gar nicht ausmalen mag, wie sehr er in seinem Leben darunter litt, dass die Menschen ihn jagten.

Immer noch kann ich mich kaum bewegen. Meine Knochen fühlen sich schwer an, so, als würde mich Jemand von oben herunter drücken, doch hinzu kommt noch, dass mein Schädel von Hannahs Gebrüll so sehr brummt, als hätte ich einen drei tägige Party gefeiert.

Dass Will in England aufgewachsen ist, wusste ich noch gar nicht. Erst jetzt fällt mir auf, wie viele Einzelheiten ich noch gar nicht über ihn weiß. Wie gerne würde ich einfach mit ihm abhauen, den ganze Krieg vergessen und an einem kleinen ruhigen Strand sitzen und Reden. Wir würden uns Anekdoten aus unserem vergangenen Leben erzählen. Würde über Sachen lachen, die uns schon widerfahren sind und vielleicht würde er mir auch ein paar Geheimnisse erzählen.

»…Sie wird irgendwann wieder aufwachen und dann entscheiden wir, was wir mit ihr machen! «, sagt Will mit fester Stimme und sieht mich wieder an. »Aber ich will nicht, dass du in ihrer Nähe bleibst. Du bist zu geschwächt.«

Tor erhebt sich langsam wieder, doch er scheint erschüttert. In Gedanken versunken macht er einen Schritt vor den anderen, ehe er die Krankenstation verlässt.

Mir fällt es immer noch schwer zu sprechen, weshalb ich Will meine Hand entgegen strecke, die er sofort entgegen nimmt.

»Soll ich dich tragen? «

Ich nicke.

Kurzerhand kommt er näher, greift unter meinen Kopf und unter meine Beine und nimmt mich hoch.

»Ich…werde hier aufräumen «, sagt Ally, während sie sich betrübt umsieht.

Ich kann sie verstehen, die Krankenstation war immer die ihre. Hier hat sie sich am liebsten aufgehalten.

»Ich helfe dir «, bietet L sofort an.

Schnell trägt Will mich an Alex vorbei, als seine tiefe Stimme ertönt.

»William, wir müssen später noch mal mit einander sprechen. Es ist wichtig! Es geht auch um Anna. «

»Dann sag es jetzt! «, fordert Will Knapp und bleibt mit mir stehen. Er erscheint ungeduldig.

»Bist du sicher, dass wir das jetzt…«, er setzt seinen Satz nicht fort, doch auch ich weiß, was er meint. Er will nicht, dass ich dabei bin.

»Dann reden wir später, erst muss ich mit Anna reden «, entgegnet er.

Hastig rennt er los, erst durch die Tür des Krankenzimmers, dann die Treppe hinab und dann nach rechts.

Als wir die hinterste Tür des kleinen Schlauches erreichen, schiebt er sie auf und tritt ein.

Langsam und behutsam legt er mich auf dem großen Bett ab und deckt mich dann zu.

»Was ist los?«, krächze ich irritiert.

Er kaut auf seiner Unterlippe herum, während er sich vor mich setzt und meine Hand nimmt.

»Anna ich…Ich kann jetzt nicht mehr warten. Es tut mir wirklich von ganzem Herzen Leid, dass ich dir das immer wieder an tue «, sprudelt es aus ihm heraus. »Ich werde für immer auf dich Acht geben, ich verspreche es. «

Ich sehe ihm tief in die Augen und versuche zu ergründen, was mit ihm los ist.

»Ich weiß, wir führen Krieg und vielleicht ist jetzt nicht die beste Zeit dies zu tun, aber ich bin, wie du weißt, nicht dafür bekannt nach den Regeln zu spielen und was ich haben will, das nehme ich mir.«

Weiterhin starre ich ihn an, versuche zu verarbeiten, was er mir erklären will, doch ich steige nicht dahinter.

Mit den Wimpern klimpernd sehe ich ihn an.

Er scheint zu merken, dass ich nicht verstehe.

»Lass es uns tun, Anna «, flüstert er lediglich liebevoll aber bestimmt und reibt dabei meine Hand.

»Was tun? «, frage ich irritiert.

Kurzerhand steht er auf, geht langsam und mit gestrafften Schultern um das Bett herum und grinst süffisant.

»Jetzt kannst du nicht weg. Also nutze ich die Chance «, er schluckt einmal schwer, bevor er flüstert, als sein Blick dann doch ernst wird. »Willst du mich heiraten, Anna?«

Ende kapitel 26

———————————————————————-

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s