Blood Hunter Band 2 – Kapitel 25

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Will..

 

»Gebt ihr mein Blut! «, befehle ich harsch und ziehe meine Ärmel hinauf, um ihn Ally entgegen zu strecken. »Mach schon Ally! «

Schwer schluckend steht sie da, sieht über Annas geschundenen Körper, der leblos in eines der Betten auf der Krankenstation liegt.

Hilfesuchend schaut sie in die Runde. Erst sieht sie L an, dann Tor, bevor sie sich schließlich zögernd in Bewegung setzt.

Rasch ist sie bei der Theke, nimmt eine kleine Spritze aus dem Behälter und kommt dann langsam zu mir zurück.

Die ungeöffnete Spritze hält sie mir entgegen. »Ich sag es dir gleich: Wenn das stimmt, was Alex sagt, dann wird ihr das nicht helfen! «

Entschlossen sehe ich ihr in die Augen. »Tu es einfach! «

Sofort tritt Alex näher. »Ich sagte, dass ich lediglich gesehen habe, dass er ihr etwas gespritzt hat «, stellt er klar und nimmt deine seine Hände in die Höhe.

»Tu es Ally «, dränge ich sie erneut und versuche nicht auf Alex Worte einzugehen.

»Was ist wenn…wenn es sie nicht heilt? «

Ich schließe ungeduldig meine Augen. »Wenn du nicht endlich anfängst wird sie so oder so sterben Ally. Verstehst du das nicht?«

Kurzerhand habe ich ihr die Spritze aus der Hand gerissen und reiße sie auf. Die Schachtel lasse ich auf den Boden fallen und nehme das eine Ende der Spritze zwischen meine Zähne, um an der anderen Seite den Verschluss mit einer winzigen Drehung zu lösen. Auch diesen lasse ich sofort zu Boden fallen.

»Will! Nicht! «, brüllt Ally mich an, versucht mir die Spritze aus der Hand zu reißen, doch ich drehe mich ruckartig um und ziehe sie auf.

Im Handumdrehen steckt sie in meinem Arm.

Resignierend steht sie vor mir, schnaubt wütend, doch das ist mit scheiß egal. Ich will Anna retten. Und sie würde das gleiche für L tun, wäre er in dieser Lage.

Als die kleine Ampulle endlich voll ist, ziehe ich sie langsam wieder heraus und setze mich dann in Bewegung.

»Alles wird gut, Anna! Hörst du mich? «, flüstere ich an Annas kalte Stirn und streichele mit meiner Hand zärtlich über ihre Wange.

»William, ich weiß, sie wird es überleben. Wenn er sie hätte töten wollen, dann wäre sie bereits tot! «, versucht Alex mir zu versichern.

Ihren so scheinbar zerbrechlichen Arm ziehe ich vorsichtig zu mir heran, setze die Spritze an ihrer Vene an und flöße ihr mein Blut langsam ein. »Nie wieder lasse ich dich allein. «

»Könntet…könntet ihr uns vielleicht einen Moment allein lassen? «, fragt Ally so freundlich wie sie kann in die Runde.

»Ich bleibe hier! « Tors Entschluss steht fest.

»Ok, du kannst hier bleiben aber … L würdest du unseren Gast für einen kurzen Moment entführen? «

Er nickt lediglich.

Irgendwas scheint ihn seit der Villa zu beschäftigen, ich kenne diesen Ausdruck. Und er bedeutet nichts Gutes. L war immer das Genie in unsere Einheit, machte die Einsatzpläne und in Brenzligen Situation kannte er immer einen Ausweg, doch heute. Heute scheint er, als hätte er diese Gabe verloren.

Als Alex und L das Zimmer verlassen haben, kommt Ally mit verschränkten Armen näher.

»Kannst du mir sagen, was dein Gott verdammtes Problem ist? «

Ich sehe sie nicht an, stecke lediglich meine Finger mit Annas zusammen und präge mir jeden einzelnen Millimeter ihrer Haut ein.

Niemals wieder werde ich so dumm sein und auf so einen beschissenen Trick rein fallen. Dass Tony sie vergiftet hat, ist meine Schuld und ich werde zusehen, dass sie wieder auf die Beine kommt. Sie wird das überstehen. So, wie wir alles überstehen.

»Lass ihn! Das bringt so wie so nichts! «, mischt Tor sich abschätzig ein.

Er hält immer noch Hannahs Hand.

Auch ihr scheint es nicht gut zu gehen, so viel ist sicher. Doch ist es komisch, dass ihr Herzschlag wieder eingesetzt hat, doch ihr Geist noch in weiter Ferne zu sein scheint. Ihr Körper hat sich fast vollkommen erholt, wie ein Wunder hat er sich von selbst geheilt. Was dafür spricht, dass Tor sich eingemischt hat. Sie wird keine von uns, dafür wäre ein Biss nötig. Und auch dann, wäre die Chance gering, dass sie die Transformation überlebt. So wie Anna es einst tat.

Kurzerhand greife ich ihre Hand ein wenig fester.

»Was ist mir dir, Tor? «, fragt Ally wissend und geht auf ihn zu. »Was hast du ihr gegeben? «

Schnell sieht er sie an.

»Ich…Ich hab damit nichts zu tun. «

Er lügt.

Der sonst so smarte Tor, der, den so schnell nichts aus der Ruhe bringen kann, stottert vor sich hin, als hätte man ihn bei einem Diebstahl erwischt. Tor war immer eitel, doch seine sonst so schön geformten Locken, sind einer gleichmäßigen krausen Masse gewichen.

»Was hast du ihr gegeben? , fragt Ally erneut. Sie lässt sich nicht abbringen, das tut sie nie.

Er schürzt seine Lippen. Von hier hinten aus, beobachte ich ihn genau und er weiß es.

Keines Falls wird er zugeben, dass Hannah wegen ihm zwischen Leben und Tot fest hängt, dazu ist er viel zu stolz.

»Du hast ihr unser Blut geben «, presse ich durch die Zähne hindurch und unterbreche damit das tödliche Schweigen.

Ally sieht Tor durchdringlich an. »Was? Stimmt das Tor? «

Sofort belegt er mich mit einem wütenden Blick.

»Was? Warum siehst du mich jetzt an? Ich spreche nur aus, was wir hier alle denken «, winke ich ab.

Rasch springt er auf, ballt seine Fäuste. »Ich hab ihr nicht mein Blut gegeben «, presst er jetzt ebenfalls durch die Zähne.

Mir schwant Böses.

Auch ich springe von meinem Stuhl auf. »Wessen Blut hast du ihr dann gegeben? Du weißt, dass das verboten ist! «

Schwer schluckend lockert er seine Fäuste wieder und sieht in meine Richtung. Nein, er sieht nicht mich an. Er sieht Anna an.

»Was? «, brülle ich ihn an, »was hast du getan? Du hast ihr doch wohl nicht…«

Schnell setzt er sich wieder, umschlingt Hannahs Hand mit seiner. »Es war nur für den Notfall gedacht, wenn…«, setzt er stotternd an, »das sollte nicht passieren. Ich…Ich wollte nur, dass … Ich wollte sie nicht verlieren, falls etwas passiert. Ich wusste nicht, dass das passiert. «

Erschrocken sehe ich ihn an. »Du…du hast ihr…Annas Blut gegeben? «

Er senkt seinen Kopf an ihre Hand und schließt die Augen. »Ich wollte nicht, dass das passiert aber sie ist so…tollpatschig und… «

»Das ist wahr «, bemerkt Ally trocken.

Ich kann mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen und fahre mir mit einer Hand durch die Haare. »Tollpatschig ist gar kein Ausdruck. «

Ich lasse mich wieder auf meinen Stuhl absinken, als sich Annas Hand plötzlich bewegt.

»Anna! «, flüstere ich und bin sofort bei ihr.

Sie öffnet ihre Augen nicht, doch versucht sie etwas zu flüstern.

Weil es kaum hörbar ist, gehe ich mit meinem Ohr noch näher an sie heran. »Was ist los Baby? Kannst du mich hören? «

Sie flüstert weiteres unverständliches Gebrabbel.

»Du musst lauter reden Anna! Ich kann nichts verstehen! «, flüstere ich hektisch und halte dabei ihre Hand.

Als hätten sie meine Worte verärgert schluckt sie schwer und versucht es dann erneut. Unsanft versucht sie mich von sich weg zu drücken, will, dass ich mich ein wenig von ihr entferne.

»Es ist alles gut, wir sind alle hier. Du bist in Sicherheit! «, versichere ich ihr erneut, als sie zu einem neuen Satz ansetzt.

Erwartungsvoll sehen wir sie an, auch Tor hat sich neben ihrem Bett positioniert.

»Es…es tut mir leid «, flüstert sie. Ihre Stimme ist lädiert, sie bekommt den Satz kaum ausgesprochen.

Ich fasse es nicht. Selbst jetzt meint sie noch, sie muss sich entschuldigen.

»Nein nein, das ist nicht deine Schuld, das ist meine Schuld. Das alles…Ich… «, versichere ich ihr, als mein Satz abrupt beendet wird, als plötzlich alles ganz schnell geht: Hannah setzt sich schlagartig panisch auf, reißt die Augen weit auf, als würde sie vom Tod persönlich gejagt, holt aus ganzer Seele Luft und greift sich an die Kehle, als sie plötzlich einen so lauten Schrei frei setzt, dass es mir fast das Trommelfell platzen lässt. Wie eine Sirene brüllt sie aus voller Kehle los, lässt erst das Fenster hinter sich in tausend Einzelteile zerspringen, um dann alle Gefäße in diesem Raum nacheinander zu sprengen. Der schreie ist so laut, dass es mich bis ins Mark trifft und wir einer nach dem anderen schmerzerfüllt zu Boden gehen.

Ally versucht sich die Ohren krampfhaft zuzuhalten und zu mir herüber zu krabbeln, doch der anhaltende Schrei ist so laut, dass nicht mal das Bewegen möglich ist.
Ally streckt mir ihre Hand flehend unter dem Bett entgegen. Ich versuche mit letzter Kraft zu ihr zu gelangen, indem ich mich zu ihr vorwärts über den Boden schiebe, der voller Scherben liegt. Doch auch mir fällt es so schwer meinen Körper zu bewegen, weshalb ich lediglich meine Augen schließe und hoffe, dass es bald vorbei ist.

Keuchend liege ich da, halte mir meine Ohren mit voller Kraft zu, als der Schrei seinen Höhepunkt erreicht und meine Schmerzgrenze ebenfalls.

Der Ton senkt sich plötzlich, bevor Hannahs Stimme schließlich vollkommen erstickt und schlagartig, als hätte man einen Stecker gezogen alles ganz leise um mich herum wird.

Schnell nehme ich meine Hände herunter, krabbele vorfährst zu Ally und nehme ihren Kopf in die Höhe. Sie scheint bewusstlos.

»Ally! «, flüstere ich und ziehe sie mit ihrem ganzen Körper näher zu mir heran. »Fuck! Nein! «

Schnell springe ich auf, ziehe sie mit mir hoch und lege sie neben Anna aufs Bett. Auch sie scheint ohnmächtig, was mich erzittern lässt. Aus ihrer Nase rinnt abermals das Blut.

»Tor! «, brülle ich hilfesuchend, als ich Ally abgelegt habe und renne um das Bett herum. Auch er liegt bewusstlos und kauernd auf dem Boden, sein Körper ist von Scherben bedeckt.

Die Fenster hinter ihm sind völlig zerstört, der Wind pfeift durch sie hindurch, lässt mich erschaudern, als ich Hannah genauer in Augenschein nehme. Sie ist ebenfalls bewusstlos und auch ihr rinnt das Blut nur so aus der Nase.

 

 

 

 

Ende Kapitel 25

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