Blood Hunter Band 2 – Kapitel 24

 

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Anna…

 

»Was machst du hier? Ich meine…was mache ich hier? « Ich strecke Alex meine gefesselten Arme entgegen. »Und wieso bin ich gefesselt? «

Er sieht mich für einen Moment eindringlich an. »Kannst du dich nicht erinnern? «

Erst jetzt kommen meine Erinnerungen zurück. »Ich…die Explosion. Oh Gott wie bin ich nur hier her gekommen? Hast du mich hier her getragen? «, frage ich hektisch und versuche meine Arme aus der Schlinge zu ziehen.

Schnell ist er bei mir und legt seine Hand auf meine. »Lass die dran! «

Verwirrt sehe ich ihn an. »Was? Wieso? «

»Bitte! «, sagt er eindringlich. »Vertrau mir einfach, ok? «

Meine Augen gehen schnell hin und her, während ich ihm fragend in die Augen sehen. Warum hat er mich gefesselt und wo wollte er mich hin bringen? Ist er etwa nicht der Gute?

»Ich…ich will zu Will zurück «, flüstere ich misstrauisch und warte auf seine Reaktion.

Er atmet ein mal tief ein. »Und ich werde dich zurück bringen aber da ist etwas, dass … «

Ich will seine Ausreden nicht hören, will es selbst in die Hand nehmen, bevor er mir die Chance dazu nimmt. Wieso ich ihm plötzlich misstraue, weiß ich selbst nicht. Von Will weiß ich, dass er ebenfalls eine Elite Ausbildung abgeschlossen hat, wie sollte ich mich nur gegen die wehren, sollte er mich verschleppen wollen? Nein, solange ich noch kann, muss ich Will zeigen, dass es mir gut geht und vor allem: Wo ich bin.

Schnell kneife ich meine Augen zusammen und lasse meine Gedanken kreisen.

»Anna? Was wird das? «, fragt er verwirrt und legt seine Arme an meine Schultern, doch ich ignoriere ihn. Lasse mich nicht von ihm ablenken.

Meine Gedanken kreisen um den intensiven Sex hinter der Tür, als Miranda darauf wartetet, dass Will sie wieder öffnet. Ja, wie passend, denn wir waren bei Alex, was mich unwillkürlich grinsen lässt.

Die leidenschaftlichen Küsse, Will stieß immer wieder hart in mich hinein, sodass ich mit dem Kopf jedes mal wieder gegen die Tür stieß und dabei laut stöhnte, beflügeln mich. Es kribbelt angenehm auf meiner Haut und lässt mich förmlich nach seinem Geist suchen.

»…Ich weiß nicht, was er mit dir gemacht hat aber… «, sind Alex weitere Worte, doch ich lasse sie nicht in meinen Geist dringen. Nicht, solange Will nicht weiß, dass es mir gut geht.

Als Mich erneut ein kleiner Stromschlag durchfährt, zucke ich kurz zusammen, doch ich habe mein Ziel erreicht: Ich kann durch seine Augen sehen.

Ally steht vor mir, ich umarme sie und streichele ihren Kopf, als ich plötzlich zu Boden sinke. Wildrufend wirft sie sich vor mich, rüttelt an mir, ruft mir Dinge zu,, doch ich kann sie nicht verstehen.

»Mir geht es gut «, schreie ich immer wieder in Gedanken und denke an Alex und die Umgebung und hoffe, dass Will mich versteht.

Kurz öffne ich meine Augen, mache einen Schritt zurück und sehe mich um.

»Anna hörst du mir zu? «

Schnell schließe ich meine Augen wieder und denke an die Umgebung. Mein Herz rast, meine Atmung geht schneller und plötzlich rinnt mir der Schweiß von der Stirn.

»Was machst du denn da? «, brüllt Alex mich an und rüttelt an meinen Schultern. »Anna! Wach auf! Sieh nur, was mit dir los ist! «

Keuchend schlage ich meine Augen auf und lasse mich auf meine Knie sinken. Mein Körper scheint plötzlich schlapp, mir fällt es schwer mich aufrecht zu halten und meine Augen scheinen müde. Mit Meinen Händen greife ich mühevoll in mein Gesicht, als ich selbst bemerke, was los ist: Aus meiner Nase rinnt nur so das Blut. Schwarzes Blut.

Auch Alex kniet sich vor mich. »Es ist schlimmer als ich dachte, ich muss dich sofort zurück bringen! «

»Was…was ist mit mir? «, frage ich und kann meine Augen kaum noch aufhalten, während mir das Blut über meine Hände rinnt. »Will…bring mich zurück…bitte! «

 

 

 

 

 

Will…

 

Keuchend greife ich mir an meine Stirn. Ich scheine wieder ich selbst zu sein.

»Alles in Ordnung? «, fragt Ally, während sie vor mir Kniet.

Langsam hilft sie mir aufzustehen. Erst jetzt begreife ich, was hier los ist.

»Das war…das war Anna. Ihr geht es gut, sie ist bei Alex «, flüstere ich schmerzerfüllt.

»Bei Alex? «, fragt Ally irritiert und stützt mich.

»Bist du sicher, dass du Tony und Alex nicht verwechselt hast? «, frage ich, während ich noch taumele und in meinem Kopf das gesehene verarbeite. Ally hat doch Tony gesehen und nicht Alex.

Sofort lässt sie mich los und belegt mich mit einem finsteren Blick. Schnell tritt sie einen Schritt zurück und zieht ihr Oberteil vorne ein wenig herunter.

Ihre Nasenlöcher beben, sie ist stinkt sauer. »Sieht das hier vielleicht aus, als würde ich Tony nicht wieder erkennen? «, faucht sie mich an.

Zum Vorschein kommt die Narbe, die er ihr von ein paar Jahren mit einem Skalpell zugefügt hat. Immer wieder hatte er ihr seinen Namen in die Brust geritzt. Sie heilte immer wieder, doch dies tat er daraufhin solange in seinem perversen Wahn, bis irgendwann eine Narbe entstand, die nicht mehr heilte. Erst dann ließ es sie gehen.

L war außer sich, er schwor ihm irgendwann einen Dolch direkt durch das Herz zu rammen, sollte er die Chance dazu bekommen.

Beschämt sehe ich zu Boden. »Ich…Ich wollte nur sicher gehen. «

Wütend geht sie an mir vorbei.

»Ally bitte! «

»Wenn sie bei Alex ist, wird er sie zurück bringen, also lass uns zurück fahren! «

Sie bleibt nicht stehen, sie geht wütend weiter. Ich weiß ich hätte sie nicht darauf ansprechen sollen, doch ich muss nun mal auf Nummer sicher gehen. Wenn es um Anna geht, mache ich keinen Spaß.

 

 

Am Van angekommen schiebt Ally aufgeregt die Seitentür auf und steigt ein. Schnell nimmt sie die immer noch ohnmächtige Hannah in Empfang und legt sie auf die hinterste Bank. Auch Tor steigt ein, ist in voller Sorge um sie, weil sie immer noch nicht wach ist und hält ihre Hand. Den ganzen Weg zurück hatte er sie getragen und ihr immer wieder zugeflüstert, dass alles gut wird, doch was er mit ihr gemacht hat, hat er uns bisher nicht erzählt.
Auch L steigt ein, scheint aber völlig in Gedanken und startet den Motor.

Bevor ich einsteige, sehe ich mich noch einmal prüfend um und lasse mir noch einmal durch den Kopf gehen, was in den letzten zwei Stunden passiert ist. Dass ich Anna schon wieder in Gefahr gebracht habe, obwohl sie stets an meiner Seite war, versetzt mir einen Schlag und lässt mich schwer schlucken.

Langsam hieve ich mich in den Van und nehme auf der mittleren Bank hinten am Fenster platz nachdem ich die Tür geschlossen habe.

Der Van setzt sich in Bewegung und es passiert das, was immer passiert, was seit je her passiert, wenn sie nicht bei mir ist: Ich zweifle an allem und am meisten an mir.

Was ist, wenn ich es nicht schaffe, meinen Clan zu beschützen? Was ist, wenn ich alle in den Tod führe, weil ich sie dazu zwinge mir zu folgen?

Langsam drehe ich mich um. »Tor? «

»Hm? «

»Du hast gelernt es zu kontrollieren «, stelle ich fest.

Ally sieht Tor warnend an.

»Ist schon gut, Ally. Wir…wir wollten es dir sagen «, gesteht er.

»Und wann? «, frage ich vorwurfsvoll. »Wir haben die Waffe die wir brauchen, um sie endlich zu vernichten. Ist das nicht das, was wir alle wollen? «

Ally kräuselt die Lippen. »Und deshalb wollten wir warten. Wir kennen dich, Will. « Sie lächelt wissend. »Du wärst heute ohne nach zu denken los gerannt und hättest sie vernichtet. Dabei wärst du wahrscheinlich selbst drauf gegangen. «

Mit meinem Handrücken fahre ich an meiner Nase entlang. »Das könnte sein, ja. «

 

 

Je näher wir uns unserem Versteck nähern, desto mehr kribbelt es auf meiner Haut. Ich kann es kaum erwarten Anna wieder in meine Arme zu nehmen, doch ich kann nicht aufhören darüber nachzudenken, was Tony mit ihr angestellt hat und was Alex damit zu tun hat. Immer wieder muss ich daran denken, dass ich seine Schwester gefickt habe und er mir das nie verziehen hat. Mir ist nicht klar, was er in dem ganzen für eine Rolle spielt. Früher vertraute ich ihm, doch seit ich gesehen habe, wie er Anna ansah, spüre ich, dass er sich mir gegenüber verändert hat. Von Anna weiß ich, dass er ihr geholfen hat zu fliehen, doch für wen hat er das getan?

Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass er sie attraktiv findet, er hat es sogar deutlich gesagt, doch würde Anna darauf eingehen, wenn die beiden alleine sind?

Nein, das würde sie nicht…Oder?

Als mir plötzlich klar wird, was für Gedanken mich beschäftigen, reiße ich die Augen weit auf fahre mir mit meinen Händen langsam durchs Gesicht.

Ich brauche eine Pause. Eine Pause mit Anna. Ich muss sie bei mir haben, nur sie kann mich davon abhalten wieder in die Dunkelheit abzurutschen. Nur sie hat mir gezeigt, dass es noch mehr in einem ewigen Leben gibt, als Krieg und Zerstörung.

Als der Wagen vor unserem Versteck hält, springe ich als erster aus dem Van und übergebe mich würgend am Straßenrand.

 

 

 

 

 

 

Anna…

 

Meine Lider sind schwer. So schwer, dass es mir kaum möglich ist sie auf zu halten.

Die Bäume fliegen nur so an uns vorbei, Alex muss mich mit Vampirischer Schnelligkeit durch den Walt tragen, denn die kühle Luft streift meine an mir herunter hängenden Arme. Mir ist heiß, doch gleichzeitig kühlt es meinen Körper auf eine angenehme Temperatur. Erst jetzt bemerke ich, dass mir kalt und heiß zugleich ist. Erklären kann ich mir das nicht, doch das Blut rinnt jetzt nicht mehr so stark aus meiner Nase. Alex scheint etwas darüber zu wissen, doch wollte er mir nicht sagen was los ist, bevor er nicht mit Will gesprochen hat. Er hatte mir ein t-Shirt in die Hand gedrückt, um die Blutung zu stoppen.

Meine letzten Erinnerungen sind nur Bruchstückhaft.

Ich erinnere mich daran, dass ich einen Streit mit Ally im Keller der Villa hatte und dass dann eine Bombe hoch ging, doch danach ist alles verschwommen.

Ich erinnere mich an Allys Schrei und an Hannah, doch nicht, was mit ihnen passiert ist.

Mein Kopf schmerzt immer noch, doch kann ich es durch die Kühle Luft gut aushalten.

Als wir den Waldrand erreichen, geht es mir schon ein wenig besser, sodass Alex mich absetzen kann, um ein Auto für uns zu besorgen.

Es dauert nicht lange, da ist er zurück.

»Komm her! «, flüstert er und hilft mir aufzustehen. Immer noch fühle ich mich schlapp, würde sogar sagen ich bin müde, wenn ich ein Mensch wäre, doch diese Zeiten sind lange vorbei.

Langsam hievt Alex mich auf den Beifahrersitz eines kleinen Wagens und steigt dann neben mir ein.

Seinem Fahrstil ist anzumerken, dass wir es augenscheinlich eilig haben, es ist wohl ernster als gedacht.

Dennoch weiß ich nicht, warum mich das ganze nicht mehr schockt. Es scheint wohl, ich habe mich bereits an den Krieg gewöhnt.

Während der Fahrt reden wir nicht. Wir sind beide in unseren eigenen Gedanken versunken.

Immer wieder denke ich an Will, hoffe er hat mich verstanden, denn ich kann mir vorstellen, dass er sich große Sorgen macht. Ich hoffe, dass alle unversehrt sind, ich hoffe…dass ich unversehrt bin.

Langsam und stetig steigt  etwas meinen Rachen hinauf, lässt mich plötzlich würgen. Meine Hände lege ich schnell an meine Kehle und fange an zu husten.

»Anna! Alles ok? «, fragt Alex, während er versucht mir zu helfen.

»Geht…schon…wieder «, huste ich, als ich plötzlich erneut eine Flüssigkeit in meinem Mund schmecke: Blut.

Schnell spucke ich sie aus, würge dabei heftig, was meine Glieder zucken lässt.

»Soll ich anhalten? «

»Nein…geht…schon «, winke ich schnell ab und spucke erneut in das Shirt. Ich versuche mich zu zügeln, versuche es zurück zu halten. Notfalls halte ich die Luft an.

Langsam beruhigt sich mein Körper wieder. Niemals zuvor habe ich mir Will so sehr herbei gesehnt, wie jetzt. Es schmerzt so sehr jetzt alleine zu sein, auch, wenn ich eigentlich nicht alleine bin.

Ich kann mich nicht gegen meine aufsteigenden Tränen wehren, versuche mich von Alex abzuwenden, damit er nicht sieht, wie ich weine, doch er legt mir sanft eine Hand auf die Schulter.

»Es ist ok, wenn du weinst «, flüstert er mit der anderen Hand noch am Lenkrad. »Wir kriegen das schon wieder hin. «

Das einzige „Wir“, dass ich brauche ist Will und ich, doch das will ich ihm jetzt nicht an den Kopf werfen. Er ist der einzige, der mich zurück bringen kann, also will ich es mir mit ihm nicht verscherzen.

 

Als wir endlich die Stadt erreichen und in die letzte Straße herein fahren, die mich noch vom Versteck trennt, werde ich immer aufgeregter. Das Blut an meiner Nase ist mittlerweile getrocknet und der Husten hat auch aufgehört, weshalb ich das Gefühl habe, dass es mir endlich etwas besser geht.

Mein Körper scheint abgekühlt, fast wieder normal, weshalb ich mich ungeduldig nach vorne beuge.

»Wo genau ist es? «, fragt Alex und fährt langsam an den Häusern vorbei, doch ich höre ihm bereits nicht mehr zu. Längst habe ich eine dunkle Gestalt am Ende der Straße ausgemacht.

Noch während der Fahrt reiße ich die Autotür auf, springe aus dem Auto heraus und renne auf die Straße.

»Will «, keuche ich aufgeregt und renne los.

Sofort bleibt Alex stehen, macht den Motor aus und ruft mir nach, doch ich renne einfach los.

Als sich die Gestalt plötzlich nach mir umdreht, weiß ich genau, dass er es ist und dass er mich gehört hat.

Auch Will setzt sich in Bewegung, rennt sofort los, als er mich erkennt, er hat auf mich gewartet.

Er tritt aus dem Schatten des Hauses, sein besorgtes Gesicht wandelt sich im Licht einer Laterne, in das eines ungeduldigen Mannes.

»Anna! «, keucht er ebenfalls sehnsüchtig, während ich immer weiter auf ihn zu renne. Ich kann mich jetzt nicht mehr zurück halten, der Wind pfeift in meinen Ohren, die Tränen rinnen an meinem heißen Gesicht herab, doch fliegen sie direkt davon. Meine Haare schlagen wild in mein Gesicht, als ich immer schneller werde. Mein Herz rast, mein ganzer Körper ist angespannt, ich kann nicht erwarten, ihn zu sehen.

Die Strecke zu ihm hin erscheint mit plötzlich so unendlich weit, das Verlangen zerreisst mich fast von innen, ich kann nicht länger ertragen, nicht in seinen Armen zu sein und ihm kann ich ansehen, dass es ihm ganz genau so sieht.

Nur noch wenige Meter trennen uns, es ist, als würden wir uns magisch anziehen, als würden wir zusammen gehören. Wie zwei Magnete, die man mit Gewalt versucht auseinander zu reißen, doch sie ziehen sich immer wieder weiter an.

Will öffnet seine breiten Arme, ich bin bereit in sie hinein zu fallen, mich ihm hinzugeben und ihn endlich wieder zu spüren, als das schreckliche Gefühl plötzlich zurück kehrt. Sofort drossele ich mein Tempo, halte schließlich an, greife an meine Kehle und würge die Flüssigkeit hoch, um sie auszuspucken. Keuchend nehme ich meine Hand in die Höhe, strecke sie Will flehend entgegen.

Er erreicht mich schließlich zitternd.

»Anna! «, keucht er erschüttert und schließt mich in seine Arme, bevor ich zusammenbreche, doch ich bekomme keine Luft mehr.

»Nein..nein…was ist mit dir?« panisch sieht er mir in die Augen und dann auf das Blut in meinem Gesicht, als ich erneut würge.

»Will..ich…ich liebe dich «, keuche ich und schließe meine Augen vor Erschöpfung.

Alex stimme begleitet mich in die Ohnmacht. Er nähert sich uns mit langsamen Schritten.

»Er hat sie vergiftet. Ich habe es gesehen. «

 

 

 

Ende Kapitel 24

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