Blood Hunter Band 2 Kapitel 23

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Will…

 

»Nein! «, flehe ich Ally an und streife meine Haare mit meinen Fingern fest zurück und lasse mich dabei auf meine Knie fallen. »Das ist…Das ist meine Schuld…Er wird sie töten.«

Ally ist schnell bei mir, greift nach meinen Händen und drückt sie aufmunternd.

»Er braucht sie lebend hast du das schon vergessen? Wir holen sie da raus. Egal wie! «, versucht sie mich zu beruhigen, doch es klappt nicht.

Fassungslos starre ich sie an, denn ich weiß nicht, was ich jetzt sonst noch tun soll.

Sollte ich ihm hinterher rennen? Sollte ich einen Plan schmieden, um sie da raus zu holen?

Sicher wäre es dazu längst zu spät, doch ich kann niemand Anderes dafür verantwortlich machen, als mich selbst. Ich hab mich linken lassen und bin einer List aufgesessen. Ich habe sie in den Tot getrieben.

Ich kann und will nicht länger darüber nachdenken, was er ihr gerade in diesem Moment alles antun könnte.

Tony, das Schoßhündchen Dargo Dents, das größte Monster, dass ich selbst je gesehen habe, bis auf seinen Meister, der noch so viel grausamer ist.

Tony ist der perfekte Schüler: Als Dargo ihn vor vielen Jahren zum Vampir machte, tötete dieser seine eigene Familie, um ihm zu beweisen, wie loyal und Dankbar dieser dafür ist. Es rankten sich nach all den Jahrhunderten viele Geschichten um ihn, doch das schlimmste an all eben diesen war, dass Tony nur in ganz speziellen Momente auf den Plan trat. Und zwar dann, wenn etwas auf jeden Fall erledigt werden musste. Es gab noch nie einen Auftrag, den er nicht erledigt hatte. Egal wie er lautete, er zog durch was zu tun war und kam immer wieder erfolgreich zu seinem Meister zurück. Kaltblütig wie er war, tötete er alles, was ihm in den Weg kam, doch das schlimme sind seine kleinen Psycho Spielchen. Er spielt mit seinen Opfern.

Ich wusste, dass er bei dem Angriff auf die Villa nicht dabei sein würde, denn das war allein Ravens Plan.

Von Alex wissen wir, dass Dargo zu dem Zeitpunkt bei ihm war und somit auch Tony. Deshalb war es so leicht ein Teil des Dent-Clans zu vernichten.

Der Rest war mit Dargo und Viktoria bei Alex, so wie es üblich für einen Clan ist: Man reist zusammen.

»Was ist mit ihr? «

Tors umsorgende Stimme über Hannahs leblosen Körper holt mich aus meinen Gedanken.

Er hängt über Hannahs und streicht ihr sanft über das Gesicht. »Was ist nur mit ihr passiert? «

Ally sieht mir tief in die Augen und verschränkt dann die Arme vor der Brust. »Wir überlegen uns einen Plan, wir lassen sie nicht sterben. «

Sie wendet sich von mir ab und kniet sich neben Tor.

»Tu doch was! «, fordert er Ally auf, doch diese sieht ihn lediglich betrübt an.

»Sie ist ein Mensch, Tor! Eigentlich dürfte sie das nicht überlebt haben. Was hast du nur mit ihr gemacht? «, schnauzt sie ihn an.

Ungeduldig schiebt er einen Arm unter ihren Kopf und einen unter ihre Beine, um sie hoch zu nehmen, doch eine Antwort erhellt sie nicht. »Wir müssen erst einmal nach Hause. Wir müssen sie versorgen! «

Sofort trete ich näher. »Nein, das muss warten! Wir müssen erst Anna zurück holen! «

Er sieht mir ein paar Sekunden starr in die Augen, dann dreht er sich um und legt sie in L’s Arme und kommt auf mich zu.

»Wir gehen erst zurück! «, entgegnet er harsch.

Wütend mache ich ebenfalls einen Schritt auf ihn zu.

»Stellst du den Menschen jetzt über Anna? «, keife ich ihn an und lege eine Hand auf seine Brust.

Schwer atmend steht er vor mir. »Du bist doch derjenige, der das wohl seiner Geliebten hier über das der anderen stellt! Wir wären alle so oft schon wegen Anna drauf gegangen und du wagst es, so etwas an zu nehmen? «

Jetzt kann er sich nicht mehr zurück halten. Er bleckt seine Zähne. »Du hast als Anführer versagt, Will. Ich war dir immer treu ergeben aber seit Anna da ist, denkst du nicht mehr wie ein Anführer, sondern wie ein verliebter Idiot. «

Das hat gesessen.

»Was hast du da gesagt? «, frage ich wütend, um ihm die Chance zu geben, das gesagte zurück zu nehmen.

Er starrt mich weiterhin an.

»Ja, du hast ganz richtig gehört! «

Ich strecke meine Hand wütend aus und lasse meine Krallen alle einzeln ausfahren, ehe ich meine Hand in die Höhe nehme, doch Ally ist sofort mit erhobenen Händen zwischen uns.

»Jungs, Jungs! «, brüllt sie energisch. »jetzt kommen wir alle erst mal wieder runter! Es ist viel passiert aber je länger wir jetzt warten, desto mehr können sie Anna antun! «

Sie sieht zu Tor und starrt ihn wütend an, während dieser mich immer noch mit seinen Augen fixiert.

»Verpiss dich einfach Tor! Ich brauche dich nicht! «, presse ich wütend durch die Zähne und fahre meine Krallen wieder ein, ehe ich nach meiner Waffe greife. »Du wirfst mir vor, was du selbst nicht abstellen kannst. Du stellst ihr wohl über das von Anna. Aber gut, so Jemanden brauche ich nicht in meinem Team. «

»Will… «, flüstert Ally und will mich aufhalten, doch ich trete einen Schritt zurück.

»Kommst du mit oder nicht? «, frage ich und reiche ihr meine Hand herüber, als es plötzlich erneut knallt.

Ein erneuter Kugelhagel bricht plötzlich über uns herein. Wir sprinten blitzschnell gemeinsam in Deckung: Tor versteckt sich hinter einem Teil einer noch übrig gebliebenen Mauer, während Ally und ich hinter einem abgehakten, halbhohen Baumstamm in Deckung gehen.

»L, versteck dich! «, brüllt Ally ihm verzweifelt zu, während sie sich die Ohren zu hält.
Ein Meer aus Kugel jagt immer weiter durch die Bäume, schlägt dort ein, wo wir uns noch vor wenigen Sekunden aufgehalten haben, während ich Tors Augen plötzlich aufblitzen sehe. Seine Zähne gebleckt, fährt er kampflustig seine Krallen aus, ehe sich seine Augen plötzlich verändern. Sie leuchten plötzlich nicht mehr rot, sondern golden, ehe er aus seinem Versteck hervor kommt und entschlossen einen Schritt vor den anderen macht.

Was hat das nur alles zu bedeuten? Die Kugeln werden ihn doch treffen.

»Was zum Teufel macht er da? «, brülle ich Ally entsetzt an und setze zum Sprung an, um den Idioten aufzuhalten, ehe ihn die Kugeln wirklich noch treffen.

»Nein, Lass ihn! « Ally hält mich auf, indem sie mich am Arm packt. »Sie können ihm nichts anhaben! «

Verwirrt sehe ich sie an. »Was soll das heißen? «

Durch den Schuss hagel sind ihre darauf folgenden Worte nur schwer zu verstehen, weshalb ich mit  den Achseln zucke.

»Ich..Ich kann dich nicht verstehen. Wir müssen ihn aufhalten! «

Ihr griff wird plötzlich fester, sie zieht mich ein Stück zurück, als sie plötzlich ihre Körperhaltung ändert: Ihre Augen leuchten plötzlich ebenfalls golden, Ihre Zähne haben sich augenscheinlich um ein Stück verlängert, ehe sie animalisch ihren Kopf in den Nacken wirft.

Schwer atmend starre ich sie an. »Was läuft denn hier? «

Langsam schreitet sie an mir vorbei, setzt dabei elegant einen Fuß vor den anderen und scheint keine Angst zu spüren. Galant schwingt ihr Körper ruhig mit ihrer Bewegung, während sie ebenfalls ihre Krallen ausfährt. Schnell ist sie bei Tor, der ihr kurz zunickt. Sie werden bald den Kugeln nicht mehr ausweichen können, doch machen sie keine Anstalten, ihnen in irgendeiner Weise ausweiche zu wollen.

Als Ally einen Schritt davor ist, eine eben dieser Kugeln zu kassieren schreie ich auf.

»Ally! Nicht! Sie werden dich töten! «

Sie reagiert nicht, fixiert etwas hinten im Wald, während sie beiden weiter darauf zu steuern und Ally schließlich eine Kugel am Arm trifft.

Aufgeregt trete ich von einem Fuß auf den anderen, will sie schützen, doch irgendwas an ihr hat sich verändert und ich will heraus finden was es ist.

Als die Kugel sie trifft, schwingt ihr Arm ein wenig zurück, doch schreit sie nicht auf oder krümmt sich vor Schmerz. Nein, sie schenkt ihrem Arm keine Beachtung, sie geht einfach weiter, bis sie ihre Schritte plötzlich verschnellert. Tor und Ally winkeln ihre Arme an, machen sich bereit los zu rennen, augenscheinlich zu dem Punkt, den sie die ganze Zeit mit ihren Augen fixieren.

Mit einem Sprung sind sie angekommen, springen in eine Baumkrone, ehe der Schuss hagel sich sofort verändert. Jetzt schießen sie nicht mehr in unsere Richtung, sondern auf sie.

Sofort komme ich aus meiner Deckung hervor und setze meine Waffe an. Hinter einem Baum mache ich den ersten schießenden Soldaten aus und ziele im Laufschritt auf ihn. Der Schuss löst sich und ich treffe ihn direkt zwischen die Augen, ehe er zusammen sackt.

Hinter einem weiteren Baum gehe ich in Deckung, als ich Ally und Tor wieder erblicken kann.

Die Gänsehaut auf meiner Haut kann ich nicht leugnen. So etwas habe ich selbst in meinem Leben noch nie gesehen, aber schon davon gehört. Es gibt eine Saga um das blonde Gift, es soll bisher nur einem Vampir jemals gelungen sein, sich in eine Art Kampfmodus zu verwandeln, indem er allem trotzdem kann. Es heißt, man ist stärker, schneller und unverwundbar. Und wenn ich mir die Zwei so ansehe, dann stimmt das wohl.

Ally nimmt blitzschnell ihre Krallen in die Höhe und schlägt sie einem weiteren Soldaten kurzerhand und ohne mit der Wimper zu zucken in den Leib. Dieser geht sofort krächzend zu Boden.

Nur noch zwei weitere Vampire sind zu erledigen, doch ehe ich meine Waffe gezogen habe, nimmt Tor erneut Anlauf und stürzt sich auf sie. Kurzerhand hat er sie in der Luft zerfetzt.

 

Keuchend stehen sie da, ihre Brust hebt und senkt sich schnell, während sie ihre Köpfe in den Nacken geschmissen haben und das Blut von ihren Krallen langsam und stetig auf den Boden tropft.

Noch haben sich ihre Körper nicht zurück verwandelt, was mir ein wenig Sorge bereitet.

Es weht ein komischer Wind durch die Bäume, den ich noch nicht richtig ausmachen kann aber Tot und Verderben ist auf jeden Fall dabei.

 

»Ally? «, rufe ich leise und vorsichtig, als ich mich ihr langsam und mit erhobenen Händen nähere.

Sofort fixiert sie mich mit ihren Augen und hebt ihre Krallen erneut in die Luft, als sie einen Schritt auf mich zu macht.

»Fuck! «, flüstere ich und bleibe abrupt stehen.

Drohend kommt sie ein paar Schritte näher und sieht mir dabei tief in die Augen, als würde sie mich fressen wollen. Als ein Knurren aus ihrer Kehle fährt, mache ich einen Schritt zurück.

»Ally«, ertönt Tors schwer atmende Stimme. »Hör auf! «

Sofort bleibt sie stehen, ihre Atmung wird langsamer, als sie ihre Krallen einfährt und sich ihre Augen wieder rot färben. Verwirrt sieht sie mich an.

»Ich…Will ich wollte das nicht «, keucht sie und kommt auf mich zu.

Schnell nehme ich sie in die Arme und streichele ihren Kopf. »Ist schon gut. Aber erklär mir das bitte! «

»Wir…müssen…hier…weg «, keucht Tor jedes einzelne Wort und setzt sich dann langsam wieder in Bewegung.

Er geht Wortlos an mir vorbei und ich könnte schwören, es lag Triumph in seinem Blick.

 

 

 

Anna…

 

Als sich meine Lider langsam öffnen, steht die Welt plötzlich Kopf. Buchstäblich. Als der Schmerz am Hinterkopf mich einholt schließe ich meine Augen schnell wieder und zische durch die Zähne. Mit meiner Hand will ich mir an den Kopf fassen, um zu sehen, wie schlimm es ist, als ich bemerke, dass ich gefesselt bin.

Erst jetzt fällt mir auf, dass ich mich in einem gleichmäßigen Rhythmus bewege. Schnell sehe ich auf: Ich werde getragen, doch dieser Mann ist nicht Will.

Nicht schon wieder! Eben erst sprach ich noch mit Ally, schon befinde ich mich wieder in feindlichen Händen. Doch um sich Sorgen zu machen ist es noch zu früh, denn ich weiß, Will holt mich hier raus.

Mit meiner Fessel greife ich langsam und unauffällig um seinen Kopf, will ihn damit schlagartig würgen, doch der Mann ist schneller. Er hat bemerkt, dass ich wach bin und lässt mich einfach zu Boden plumpsen. Mit voller Wucht fallen ich auf den Bauch und somit auch auf meine zusammen gebundenen Hände und Füße.

Schmerz verzehrt sehe ich nach vorne, als der Mann sich plötzlich vor mir aufbäumt. Von seinen Schuhe an, sehe ich langsam an ihm hoch, ehe ich an seiner dunklen Maske angekommen bin. Sie ist schwarz, genau wie sein Mantel, der seinen Körper ganz umhüllt. Doch was die Maske besonders macht, ist der Schnabel. Sie umhüllt sein Gesicht nicht ganz, nein sie wirkt wie eine Säuchen Maske, so wie man sie aus den Alten Sagen kennt: Eine Rabenmaske, in denen Früher die Ärzte ein paar Kräuter versteckten, weil sie dachte es helfe gegen die Pest.

Seine Augen sind dahinter nicht zu erkennen.

Schwer schluckend liege ich vor ihm, nicht wissend, was er mit mir vorhat, doch ich hätte gefesselt eh nichts, was ich ihm entgegen bringen könnte. Außer meine Krallen.

»Was willst du? «, zische ich ihn an und drehe mich dabei kurzerhand auf den Rücken. Schnell versuche ich auf zu stehen, hoffe auf einen dummen Vampir oder einen mit Mitleid und mache einen Schritt zurück, doch sehe ich ihn dabei an. Er rührt sich nicht.

Verwirrt sehe ich ihn an. Ist das ein Test? Sollte ich wirklich abhauen können? Aber wieso sollte er mich bis hierhin getragen haben, wenn es umsonst war?

Ich überlege nicht lange, ich renne einfach los. Kaum habe ich ein paar Meter hinter mich gebracht ertönt seine raue Stimme.

»Halt! Wir müssen in die andere Richtung! «

Ich gebe keine Acht auf seine Worte und renne einfach weiter. Nur so, habe ich eine Chance von hier weg zu kommen.

»Du willst doch zu Will oder? «

Sofort bleibe ich stehen.

Ist das ein Trick?

Langsam dreh ich mich zu um, sehe ihn mir noch einmal ganz genau an.

»Wer bist du? «

Er macht einen Schritt auf mich zu. »Nein! Bleib da stehen! «

Der Mann tut was ich sage, er hält inne.

»Du erkennst mich also nicht? «, fragt er und es liegt Enttäuschung mit in seiner Stimme.

Prüfend sehe ich ihn an, während ich einen weiteren Schritt zurück mache.

»Sag mir wer du bist und was du von mir willst! «, brülle ich ihn an und mache mich bereit erneut los zu rennen.

Seine Schultern straffen sich, er setzt sich in Bewegung und kommt auf mich zu, als mir wieder klar wird, dass ich ihm nichts entgegen zu setzen habe. Panisch sehe ich mich um, versuche mir nichts anmerken zu lassen, doch als er nur noch einen schritt von mir entfernt ist, bleibt er stehen.

Mit seiner rechten Hand greift er an seine Maske und nimmt sie ab, gleichzeitig zieht er seine Kapuze runter.

»Schön dich wieder zu sehen, Anna «, sagt er mit einem aufrichtigen Lächeln auf den Lippen. Ich bin sichtlich erleichtert, dass er es ist und falle ihm in die Arme. »Oh Alex. Gott sei Dank bist du da! «

 

 

Ende Kapitel 23

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