Blood Hunter Band 2 – Kapitel 19

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Anna…

 

 

Als auch Hannah und Tor uns endlich erreichen, raunt der Wind langsam mit einem lauten Pfeifen durch die Bäume, die Äste wehen ganze langsam mit, während wir dastehen und das ganze Ausmaß der Zerstörung sehen. Dieser Moment könnte so schön sein, der Wind legt sich auf unsere Haut, spielt mit den Bäumen in der Umgebung, lässt sie im Takt Rascheln, doch dieser Moment ist nicht schön. Nein, er ist alles andere als schön: Er ist grausam.

Will greift sofort hilfesuchend nach meiner Hand, ich kann spüren, dass er zittert. Ally hatte eine Hand an den Baum neben sich gelegt, um sich abzustützen, doch als sie nach vorne blickt, lässt sie ihn los, legt betroffen ihre Hände aufs Gesicht und dreht sich dann zu L um, der sich schützend in den Arm nimmt und selbst vergebens versucht, seine Tränen zurück zu halten. Ich kann nicht anders, als Wills Hand noch fester zu drücken, denn ich befürchte, dem Ganzen hier genau so wenig wie ihm, gewachsen zu sein. Doch kurzerhand lässt er sie los, um einen vorsichtigen Schritt nach vorne zu machen, denn er kann nicht glauben, was er da sieht. Er schiebt dabei die schluchzende Ally langsam zur Seite, um einen besseren Blick zu bekommen. Seine Augen saugen die Umgebung förmlich auf, sie gehen schnell hin und her. Doch es hilft nichts, die riesige Villa, die einst in ihrer vollen Pracht erstrahlte, ist nur noch vereinzelnd zu erkennen.

Als Will die vielen verstümmelten Leichen auf dem Boden sieht, kann er nicht anders, als auf die Knie zu fallen. Wie ein nasser Sack, nein, wie ein Baum, der immer viele Jahre in einem Wald fest verankert war, der immer allen Widrigkeiten standgehalten hat, reißt er jetzt zu Boden, kann sich vor Entsetzen nicht mehr halten. Mit beiden Händen streicht er sich die Haare langsam zurück, während er sich alles ganz genau, mit weit aufgerissenem Mund, ansieht. Das blanke Entsetzen ist in seinem Gesicht zu erkennen, er ist völlig in Gedanken versunken, wahrscheinlich an die vielen Jahrhunderte, die er in diesem Haus verbracht hat.

Tor kommt schnell vor, legt eine Hand auf Wills Schulter und bohrt sie ihm, so fest er kann in seine Schulter, um ihm zu zeigen, er ist bei ihm. Auf den Knien liegend, greift Will nach ihr und sieht dann langsam in Tors Gesicht, dass ebenfalls voller Tränen ist. Kurzerhand hilft er ihm aufzustehen, indem er Will mit der anderen Hand packt und ihn hochzieht. Hannah kommt zu mir, sieht erst jetzt, was auf uns wartet, als auch sie nach meiner Hand greift und nicht fassen kann, was los ist. Schnell kommen auch ihr die Tränen, obwohl sie noch nie an diesem Ort war, spürt auch sie diese trügerische Ruhe, die einen durch Mark und Bein fährt. Hier an diesem Ort, der kein Ort mehr ist, herrscht der Tod. Er ist so greifbar, so, wie ich es noch nie erlebt habe. Sofort weißt du, hälst du dich hier länger als nötig auf, wirst auch du sterben, denn dieser Ort bringt dies scheinbar mit sich, was schade ist, denn ich hatte mich hier sehr wohl gefühlt.

Von unserer Kuppel aus, ist die Rückseite der ehemaligen Villa zu sehen. Die eine Seite, die die einst Will gehörte, ist vollkommen abgebrannt. Nur noch die Grundmauern stehen auf dieser Seite noch und ein paar verbrannte Hölzer liegen dort, sie werden bereits Eins mit der Umgebung. Schnell sind die Erinnerungen wieder da, wie ich Ally rettete. Ich habe sie mit meinen eigenen Kräften aus der Villa geschafft, habe mein Leben fast für sie gegeben, nur um mir jetzt anzuhören, dass ich keine von ihnen bin und dass sie mich am liebsten Tot sehen will. Sofort steigen die Tränen in mir hoch, ich würde sie am liebsten schütteln und sie fragen, was ihr scheiß Problem ist, doch ich befürchte, dazu reicht die Zeit nicht aus. Doch das Gespräch wird so oder so noch stattfinden müssen. Das ist sicher.

Mein Blick schweift weiter nach links, dort, wo der Kampf zwischen Will und Raven stattgefunden hat. Auch hier ist nicht mehr viel von einer Villa zu erkenne, einzelne größere Steinbrocken, die mal eine Hauswand waren, lagern noch übereinander, doch einzelne Räume sind nicht mehr zu erkennen. Das Dach, oder das, was mal ein Dach war, ist schließlich auf den Rest der Villa eingestürzt und überdeckt den Großteil des Eingangs. Aber das schlimmste, das, was hier wirklich jeden zum Zittern bringt, sind die vielen Toten, die immer noch rund herum um die Villa verteilt liegen. Augenscheinlich haben sie vor der Villa gekämpft und verloren, denn dort liegen die meisten verkohlten Leichen. Auch wenn du so einen Anblick gewohnt bist, das hier haut dich trotzdem um. Es gibt niemanden auf dieser Welt, den dieser furchtbare Anblick nicht in die Knie zwingt.

Ich kann meine Augen nicht davon abwenden, doch ich weiß, ich muss. Hannah hat sich bereits von mir abgewendet, kann nicht mehr aufhören zu würgen, ehe sie sich auch schon hinter einem nahen Baum übergibt.

»Ally, pschhhht! Alles ist gut, wir haben es hier raus geschafft. Du bist in Sicherheit «, versucht L sie zu beruhigen, doch sie kann sich nicht zurückhalten. Ihr rinnen die Tränen nur so übers Gesicht, doch sie löst sich kurz von ihm, um mir einen kurzen Blick zu zu werfen. Ich kann ihn nicht deuten, doch habe ich das Gefühl, es lag Dankbarkeit mit darin. Ich nicke ihr kurz zu, denn ich bin darüber überrascht.

Als Will sich zu mir umdreht, streckt er mir seine Hand sehnsüchtig entgegen und schnell nehme ich sie an.

»Es tut mir so leid «, flüstere ich, während ich ihn umschlinge und er seinen Kopf auf meinen Legt. Sofort wird seine Umarmung fester. Tor versucht derweil Hannah zu beruhigen, doch sie schiebt ihn von sich weg, weil sie nicht möchte, dass er sie so sieht. Trotz ihrer Abwehr, streichelt er ihr liebevoll den Rücken.

Als Will mich los lässt legt er eine Hand auf meinen Rücken und sieht sich das Chaos noch einmal an.

»Es nützt nichts Freunde, wir können das nur beenden, wenn wir den Krieg beenden, Ansonsten wird uns das hier für immer verfolgen «, sagt Will euphorisch, er versucht den Rest auszublenden, das kann ich ihm ansehen. Langsam dreht er sich um. »Seid ihr dabei? Helft ihr mir diesen Krieg zu beenden? «

Ally wischt sich schnell mit ihrem Handrücken die Tränen aus dem Gesicht und ballt dann ihre Hand zu einer Faust. Schluchzend sagt sie »Lasst uns den Krieg beenden! «

Auch L nickt ihr zu. »Lass es uns durchziehen! «

Hannah und Tor kommen ebenfalls ein wenig näher. Kurzerhand schnappt er sich Hannah und nimmt sie sich hoch, sodass er sie tragen kann. »Wir sind bereit! «

Sie legt ihren Kopf an seine Brust und schließt die Augen. »Ich werde meine Augen erst wieder öffnen, wenn wir da sind. «

Für einen kurzen Moment könnte ich schwören, lag ein Lächeln auf Allys Lippen. Das kommt mir so selten vertraut vor, am liebsten würde ich sie in den Arm nehme, doch ist immer noch so viel zwischen uns, dass es zu klären gilt.

»Dann lasst uns diesen scheiß Spruch finden! «, sagt will euphorisch und setzt sich in Bewegung.

Wir setzen und in Bewegung und ich folge ihm auf dem Fuße, während wir die kleine Kuppel zusammen runterrutschen und dann am Ende auf die anderen warten, um sie entgegen zu nehmen.

 

Kurzerhand haben wir die Villa erreicht, den Gestank und die vielen Leichen, habe ich so gut es geht ausgeblendet.

Wir gehen auf das kleine Gemäuer zu, das einst den Hintereingang bildete, durch den wir seiner Zeit gestürmt waren. Als wir den Eingang, der eingestürzt war, als ich Ally hier raus geschafft habe erreichen, biegen wir nach links ab, bis hin zu dem großen Eingang von dem ebenfalls nicht mehr viel da ist. Nicht die ganze Villa ist abgebrannt, doch bis auf die Grundmauern ist alles weg. Hier und da liegen schon mal ein paar Teile, die vorher an den Wänden hingen oder als Dekoration dienten, doch im Großen und Ganzen ist alles verbrannt. All die Fotos, die von Will und seiner Familie an den Wänden hingen, sind verbrannt. Der Metallrand eines Bildes ist geschmolzen.

Will versucht daran vorbei zu gehen, schenkt der Erinnerung keine Beachtung, doch ich sehe ihm an, wie schlimm das hier für ihn sein muss. Es zerreißt ihn.

Vor ein paar gestapelten Holzbretter, die augenscheinlich mal ein Teil der Decke waren, bleibt er schließlich stehen. Daneben befand sich mal der große Eingang.

»Tor, L könnt ihr mir kurz mal helfen? «

Sofort sind sie bei ihm, verteilen sich um das Holz herum und auf „Drei“ heben sie es an.

Zum Vorschein kommt der Keller, er scheint nicht eingestürzt zu sein, doch er liegt noch voller Geröll. Schnell bin ich bei Will und als sie die Hölzer weggeräumt haben, bilden wir eine Kette, um die einzelnen großen Steine aus dem Gang heraus zu tragen. Hannah bildet dabei das Ende, sie hat ihre Schuhe dazu extra ausgezogen.

 

Es dauert nicht lange, da ist der Weg in den Keller wieder frei.

»Super Leute. Lasst uns voranmachen! «, motiviert uns Will erneut und wir steigen mit ihm nach einander in den Keller hinab.

»Ist das denn auch sicher? «, fragt Hannah, bevor Tor ihr eine Hand reicht.

»Ich beschütze dich «, versichert er ihr, ehe sie uns folgen.

 

Mit schnellen Schritten durchstreifen wir den Keller. Es dauert nicht lange, da haben wir ein paar Türen passiert, doch Will macht bei keiner eben dieser Anstalten anzuhalten. Ich versuche mit ihm Schritt zu halten, während er euphorisch nach der richtigen Tür sucht, ehe er plötzlich doch vor einer großen Tür Halt macht. Ich versuche an ihm vorbei zu lugen, als ich sehe, was das für eine Tür ist: Sie ist golden, ihr Rahmen ist mit kleinen Figuren verziert und hat keine Klinke.

»Ist sie das? Wie kommen wir da rein, wenn sie keine Klinke hat, Will? «

Er gibt mir keine Antwort, scheint plötzlich ganz ruhig. Er hebt lediglich seine Hand in die Höhe und nähert sich dann ganz langsam der Tür.

Wills Blick ist angespannt und seine Hand zittert, als sich jetzt auch endlich die anderen um uns scharen.

Als Will die Tür schließlich mit seiner Hand berührt, ist es, als würde sie für einen kurzen Moment einen kleinen Impuls ausstoßen, der mein innerstes leicht vibrieren lässt. Sie leuchtet sogar kurz auf, bevor plötzlich ein kleines Klicken ertönt.

Sofort entspannt sich Wills Körper wieder. »Oh Gott, danke Dad «, flüstert er erleichtert und wirft den Kopf vor Freude in den Nacken. »Ich wusste nicht, wonach ich suchen muss aber das ist sie. «

»Geht sie auf? «, fragt Tor und schiebt sich aufgeregt an mir vorbei.

Will hebt seine Hand erneut und legt sie dann langsam auf die Tür, um sie aufzudrücken, was sie schließlich mit einem kleinen Schubser tut.

Ein begeistertes Raunen fährt durch den Trupp, als Will die Tür ganz aufschlägt.

Neugierig stehen wir hinter ihm, versuchen an ihm vorbei zu lugen, doch kommt lediglich ein weiterer schmaler Ganz zum Vorschein, an dem sich wieder einmal ein paar Türen befinden.

Schnell tritt Will hinein und Tor folgt ihm gleich, doch an der ersten Tür von zweien, bleiben sie stehen. Wir versammeln uns bei ihm, Hannah folgt mir dicht und dahinter befindet sich Ally und L.

»Kommt mal her! «, sagt Will. »Wir teilen uns auf, dann geht es schneller. «

Sofort mischt L sich ein. »Also ich fände es gut, wenn Anna und Ally sich in diesem Raum umsehen. « Er zeigt nach links auf den Raum. Kurzerhand stockt mein Atem. Hat er das gerade wirklich gesagt? Schnell sehe ich Will an, der davon ebenso überzeugt ist, wie ich, nämlich gar nicht.

»Ich finde das ist eine gute Idee «, sagt Ally plötzlich unerwartet.

Ich drehe mich skeptisch zu ihr um. »Meinst du das wirklich? «, zicke ich sie an.

Das hier ist der erste Moment seit langem, dass wir wirklich miteinander reden.

Sie nickt Will lediglich zu, schenkt mir keine Beachtung und dieser sieht angespannt zwischen uns hin und her.

Für ein paar Sekunden sagt er nichts, hat seine Lippen argwöhnisch aufeinandergepresst, er scheint wirklich darüber nachzudenken.

»Also gut «, sagt er schließlich. »Hannah begleitet euch aber. «

Ich sehe ihn vorwurfsvoll an, will ihm sagen, dass das eine ganz blöde Idee ist, doch lässt er mir dazu keine Chance mehr. Er drückt mir lediglich einen kurzen Kuss auf die Stirn und verschwindet dann in den anderen Raum, der direkt gegenüberliegt.

Völlig überrumpelt stehe ich da, will ihm noch etwas hinterherrufen, doch auch L und Tor sind ihm bereits gefolgt.

»Dann lasst uns mal reingehen «, flüstert Hannah verlegen. Auch sie spürt, dass die Stimmung zwischen uns nicht die beste ist, dennoch macht sie den Anfang. Sie betritt das Zimmer.

Ally folgt ihr dicht, doch ich kann ihre Haltung nicht deuten. Ich mache mich für jede Menge Zickenkrieg bereit, bevor ich schließlich ebenfalls eintrete.

 

Was auch immer ich erwartet hatte hier zu finden, das hier war es definitiv nicht. Lediglich ein paar Kerzen, die Ally gerade angezündet hat, spenden dem kahlen Raum etwas Licht. Er ist kalt und nass, weil der etwas größere Raum nur aus Gemäuer besteht, doch an den Wänden verteilt stehen Tische, auf denen sehr viel Papier herumliegt. In der Mitte des Raumes steht ein kleiner Tisch, der wie ein Architekten Tisch etwas angewinkelt ist. An seiner Oberen Seite wurden viele kleine Kerzen befestigt, die jedoch schon fast alle mit der Zeit heruntergebrannt sind, denn das Kerzenwachs rinnt an machen eben diesen fast bis auf den Boden herunter. Es scheint, als hätte Jemand hier schon sehr viel Zeit verbracht.

Langsam gehe ich auf den Tisch zu, währen Hannah sich bereits links von mir an einen Karton gewagt hat und Ally sich noch umsieht. Sie weiß wohl nicht, wo sie anfangen soll. Langsam stolziert sie durch das Zimmer, wirft in alle Richtungen mal einen Blick.

»Mein Gott, ich habe nie geahnt, was er hier unten alles versteckt. «

»Was sind das hier alles für Auszeichnungen? «, murmelt Hannah, doch es kling eher nach einer Frage an sich selbst, als an uns. Rasch nimmt sie ein paar der Papiere auf und sieht sie durch. »Das müssen unzählige Aufschriften sein, wonach suchen wir denn überhaupt? «, fragt sie, während sie sich zu mir umdreht.

Ich verschränke die Arme vor der Brust.

»Ich weiß nicht so genau «, gestehe ich, während ich einen Blick auf die Kisten werfe, die bis an die Decke an den Wänden gestapelt wurden.

»Du weißt es nicht? Was soll das heißen? Wir müssen doch einen Anhaltspunkt haben. «

Langsam gehe ich auf den Tisch in der Mitte zu. »Das einzige, was ich weiß ist, dass es ein Spruch ist, um etwas ans Laufen zu bekommen. «

Hannah stützt sich mit einem Arm am Tisch ab und setzt sich dann auf ihn drauf. Danach schiebt sie ihre Brille erneut mit dem Zeigefinger wieder hoch. »Wie ein Gerät? «

Ally schenkt ihr ein verächtliches Schnauben. »Nein nicht wie ein Gerät, sondern wie DAS Gerät. «

Irritiert sieht sie mich an. »Also suchen wir nach einer Betriebsanleitung?«

Genervt sehe ich sie an. »Nein Hannah wir wollen damit das Medaillon in den Gang setzen. «

Beschämt sieht sie zu Boden. »Ja ich habe gehört, dass ihr euch darüber unterhalten habt. «

Ich erreiche den Tisch und greife nach den Unterlagen, die sich darauf befinden. Unzählige Worte sind darauf zu finden, immer wieder wurden welche eingekreist und durchgestrichen. Abertausende Worte auf viele verschiedenen Stücken Papier liegen hier, der König hatte wohl vermutet, dass es nur ein Wort sei.

Ally kommt auf mich zu, bleibt neben mir stehen und sieht auf die Unterlagen. Erschrocken sehe ich auf, doch sehe ich sie nicht an.

»Ich nehme mal an, dass er jedes Wort der Welt bereits verwendet hat «, stellt sie fest.

Genervt lasse ich die Blätter absinken, sodass sie nicht mehr auf sie drauf sehen kann. »Hätte er das getan, würden wir heute nicht mehr danach suchen! «

Ein Schweigen, dass die Wände näherkommen lässt.

Sie nimmt die Hände abwehrend in die Höhe und macht einen Schritt zurück.

»Entschuldige Prinzessin, ich hatte vergessen, dass du immer Recht hast «, sagt sie provozierend.

Schnell drehe ich mich zu ihr um. »Hast du nicht was zu tun? «

Ohne was zu sagen, dreht sie sich um und nimmt sich einen Karton vom Tisch. »Austeilen kannst du aber Einstecken nicht. «

Als Hannah leichtfüßig vom Tisch springt, stellt sie sich zwischen uns. »Mädels, gibt es da was zu klären zwischen euch? «

Es herrscht erneutes Schweigen.

»Ich kann euch nur sagen, dass das ewig zwischen euch stehen wird, wenn ihr nicht darüber redet. « Ihr Ton ist schneidend, doch gehe ich nicht auf sie ein, denn ich werde ganz sicher nicht den ersten Schritt machen. Ally hat mich mehrfach attackiert, hat dafür gesorgt, dass es mir schlecht ging und immer noch geht.

»Weißt du Hannah «, setzt Ally an. Ihr Ton ist provozierend. »Soll ich dir mal sagen, was die gute Anna mit dem Spruch vorhat? «

Ich sehe nicht auf, ich weiß was sie vorhat. Die Notizen lassen derweil auf nichts schließen. Er hat von A bis Z jedes Wort auf jede erdenklich Weise ausprobiert, dass belegen diese Notizen.

Erst jetzt denke ich darüber nach, wieso der König all die Zeit so kalt und abweisend war. Immer wieder, wenn Will ihm vorwarf nichts für seinen Clan zu tun oder gar ihn im Stich zu lassen, dachte der König bereits darüber nach, was es noch sein kann, dass dieses Medaillon aktivieren könnte. Wahrscheinlich hatte er längst aufgegeben, wollte das Will deshalb Raven heiratet, weil er nicht mehr damit rechnete, dass er jemals rausfinden würde, was ihn erlöste.

Ich schlucke schwer, als ich so darüber nachdenke und fasse mir an den Kopf.

»Ja augenscheinlich will sie euch damit alle retten «, presst Hannah genervt durch die Zähne.

Sofort dreht Ally sich zu ihr um. »Bist du dir da sicher? Bist du sicher, dass sie auf der richtigen Seite ist? «

Sie legt ihr jetzt einen Finger auf die Brust und sieht sie durchdringlich an.

Hannah greift sofort danach und schiebt sie von sich weg. »Aber natürlich. «

Sie geht kurzerhand wieder zurück an ihren Tisch und wühlt weiter in dem Karton herum. »Ich nicht mehr. «

Genervt trete ich von dem Tisch zurück. »Kannst du mir sagen, was dein Scheiß Problem ist Ally? «

Meine Arme werfe ich dabei wild in die Luft. »Ich habe dir verdammt noch mal nichts getan! «

Sie dreht sich langsam zu mir um. Ihre Augen verengen sich. »Du nicht aber deine beschissene Mutter «, keift sie jetzt. Sie gestikuliert wild mit den Armen. »Und du bist auf ihrer Seite, ich hab’s gesehen! Am Ende wirst du uns alle verraten, weil Blut eben doch dicker ist, als Wasser.«

»Hast du sie noch alle Ally? Das würde ich euch nie antun! «, brülle ich sie ebenfalls an. »Wie kommst du auf so einen Blödsinn. Hör auf mich für alles Übel dieser Welt verantwortlich zu machen! Ich weiß du kommst an den Dent-Clan nicht ran und benutzt mich als Ventil. «

Sofort ist sie still, verschränkt die Arme vor der Brust. »Ich habe es gesehen. «

Ich reiße meine Augen provozierend auf. »Wow Ally hat was gesehen, ich bin begeistert «, provoziere ich sie und sie geht voll drauf ein. Sofort streckt sie ihre Arme aus und will auf mich losgehen. Ihre Zähne presst sie dabei fest zusammen, doch ich bin schneller als sie, ich kann ihr ausweichen, während sie auf mich zu rennt. Sie fliegt quer über den Tisch mit den Kerzen und wirbelt dabei noch jede Menge Papier mit auf. Wütend steht sie auf, bleckt die Zähne.

»Ich habe deine Erinnerungen gesehen, wie du mit deiner Mutter telefoniert hast und ihr sagtest, dass du sobald du das Medaillon und den Spruch gefunden hast, zu ihr nach Hause kehrst. «

Ihre Augen hat sie dabei vor Wut weit aufgerissen.

Hannah sieht dem Treiben erschrocken zu, doch bewegt sie sich nicht.

»Ally «, brülle ich sie an. »Das war ich nicht. «

Sie macht sich für einen erneuten Angriff bereit und rennt dann auf mich los, doch als sie mich erreicht, kann ich sie mühelos an ihren Armen packen und sie festhalten. Das muss immer noch Wills Blut sein, dass durch meine Adern fließt.

Erst jetzt wird mir klar, was sie gesehen haben könnte: Adams Erinnerungen.

Keuchend drücke ich sie wieder einen Schritt zurück. »Überlegst du auch mal, bevor du sprichst? Das waren nicht meine Erinnerungen, sondern Adams! «, brülle ich sie an.

Schweratmend steht sie vor mir, sie glaubt mit nicht, doch trotzdem scheint sie darüber nach zu denken.

 

 

 

Will…

 

Als ein dumpfes Geräusch aus dem anderen Raum zu hören ist, greife ich nach meiner Waffe und sehe auf. Sofort will ich mich aufmachen, um zu sehen, was das war, als Tor mich aufhält.

»Nein, nicht! Sie müssen das unter sich klären! «, ertönt seine Stimme hinter mir. An der Tür bleibe ich stehen.

»Meinst du wirklich? «

Er lächelt. »Wenn sie es jetzt nicht tun, machen sie es nie. Was soll schon passieren? « Er zuckt mit der Schulter.

Seine Gelassenheit hätte ich gerne. Was passieren soll? Nun, zunächst einmal hat Anna mein Blut getrunken, weshalb sie sehr viel stärker sein wird als Ally. Das wiederum bedeutet, dass sie sich die Köpfe einschlagen, wenn es Anna zu bunt wird und das wiederum wäre für die gesamte Situation nicht förderlich. Ich kenne sie, wenn Ally ihr vorwirft, was sie die ganze Zeit dachte, wird sie sich nicht mehr zurückhalten können.

Ich trete langsam zurück an meinen Schreibtisch und blättere das Papier durch, das hier in unzähligen Massen herumliegt.

»Die Toten gehen auf dich, Tor! «, scherze ich.

Auf seinem Gesicht ist ein breites Grinsen zu sehen. »Was soll schon passieren? «

Als ein rotes Licht plötzlich an meinem Kommunikator blickt, sehe ich auf und werde sofort nervös. Sofort greife ich nach meiner Waffe. »Fuck! Greift euch eure Waffen! Sie kommen! «, brülle ich und schmeiße den Tisch vor mir kurzerhand um, um durch zu kommen, als auch L und Tor das große rote Blinken an meiner Uhr sehen. Es beinhaltet nur ein Wort und stammt von Brisk. Es blinkt immer wieder, es ist eine Warnung. Dieses eine Wort kann über Leben und Tot entscheiden und ich nehme es verdammt ernst. » RUN! «

 

 

 

Ende Kapitel 19

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