Blood Hunter Band 2 – Kapitel 15

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L…

Sofort springt Ally vom Boden auf und hängt sich mit ihrem Oberkörper über den Tisch hin zum Monitor, doch ich bin trotz meines schlechten Zustandes schneller als sie und halte sie davon ab, den Knopf zu drücken. Sie sieht mich daraufhin wütend an. »Nimm die Hand weg, L! «

Ich schiebe ihre Hand zur Seite. »Lass mich das tun! Es wäre nicht förderlich, wenn du sie anbrüllst.«

Wütend geht sie einen Schritt zur Seite und verschränkt dann die Arme vor der Brust, während sie mich mit einem genervten Blick gelegt. In den letzten Tagen, hat sie sehr viel über Selbstbeherrschung lernen müssen. Tor hatte es ihr nicht leichtgemacht, was sich aber auch auf ihre Stimmung ausgeschlagen hatte. Zusammen als Team hatten wir beschlossen, dass es besser ist, gemeinsam gegen diesen Clan zu kämpfen, es nicht alleine zu versuchen, so wie Ally sich es vorgestellt hatte. Tor hat ihr immer wieder versucht einzureden, dass Anna nicht der Feind ist, warum Ally das dachte, wollte sie mir allerdings nicht sagen. Sie sah mich jedes Mal, wenn ich sie darauf ansprach betrübt an, doch ging ich davon aus, dass das ein Twist zwischen den beiden war.

»Tor? L? Irgendjemand da? «, ertönt es erneut durch die Lautsprecher und ich lege meinen Finger auf den Knopf, bevor ich Ally warnend ansehe.

»Hey Anna hier ist L. Du bist wohlauf, das ist schön. «

Sofort ertönt ihre erfreute Stimme erneut. »L, ich bin so froh, dass es euch gut geht. Es tut mir leid, dass ich damit direkt komme aber du musst mir einen Gefallen tun! «

Ally macht wieder einen Schritt näher zu mir heran, doch ich hebe meine Hand, um ihr zu zeigen, sie soll sich nicht nähern.

»Willst du mir nicht erst mal erzählen, was los ist? «

Ally wedelt wütend mit den Armen, ihre typische „Ich hab‘s dir ja gesagt“- Haltung, doch ich ignoriere sie. Im Moment, ist sie wohl der Meinung, Anna würde uns für ihre Zwecke ausnutzen und nimmt diese Situation als Beweis.

»Als wir bei Alex waren, hat Raven uns überrascht. Sie hat Will angeschossen, doch hat sie dabei wichtige Organe getroffen und ich musste ihm die Kugel auf dem Weg zurück herausholen. «

»Geht es ihm denn wieder gut? «, frage ich überrascht, als Ally aufgeregt meine Hand nimmt. Sie hat Angst um ihn.

»Es geht ihm gut, er ist ja jetzt in ärztlicher Behandlung. Aber wir haben herausgefunden, dass wir den Krieg beenden können, wenn wir das Medaillon haben. Weißt du wo es ist, L? Es ist super wichtig! «

Sofort lässt Ally meine Hand los und ist plötzlich aus dem Raum verschwunden. Ich sehe ihr noch verdutzt hinterher, doch die Tür hinter ihr, hat sich bereits wieder verschlossen.

»Den Krieg beenden? Wieso? Wo es ist, weiß ich nicht aber bist du sicher, dass es hier ist? «

Es dauert einen Moment, ehe ihre Stimme erneut ertönt. »Kannst du es für mich suchen, L?«

Ich fasse mir nachdenklich an den Kopf. »Und wo soll ich damit anfangen? «

Ihre Stimme wird jetzt hastig. »Ich…ich weiß nicht, es könnte überall sein, auf der Krankenstation oder vielleicht in einer der Betten aber wir müssen es finden, bevor es in falsche Hände gerät! «

»Ich kümmere mich darum. « Langsam lasse ich mich in den Stuhl, der neben dem Tisch steht, absinken. Das Mittel, dass Ally wir gespritzt hat, wirkt längst wieder und nur deshalb, kann ich wieder klar denken.

»Wenn du es gefunden hast, sag mir sofort Bescheid, wir kommen dann sofort zurück. «

Ich springe erneut auf.

»Was? Heißt das, ihr wollt dableiben? «

»Von wollen kann keine Rede sein, Meredith ist hier. « Ihre Stimme klingt abschätzig, sie scheint sie bereits kennen gelernt zu haben. Sofort macht sich ein Lächeln auf meinen Lippen breit. »Du scheinst sie zu mögen «, scherze ich.

Ein lautes Seufzen ist durch die Lautsprecher zu hören. »Ja, total. Wenn du das Medaillon gefunden hast, können wir endlich von hier weg. «

Für einen Moment starre ich den Bildschirm an. Das können sie eigentlich nicht aber das hat Will ihr wahrscheinlich nicht gesagt, um sie nicht zu verunsichern.

Der Brauch sieht es nämlich vor, den Clan neu aufzubauen, alte Traditionen müssen gewahrt werden, alle Mitglieder müssen in Sicherheit sein. Erst dann, tritt wieder der Normalzustand ein. Da Will nun unser König ist, wird weit mehr auf ihn zu kommen, als Krieg zu führen und das wird der Grund sein, wieso Meredith zurückgekommen ist. Sie ist damals gegangen, weil sie ihren Mann nicht mehr ertrug aber ein Clan Mitglied ist sie immer geblieben.

»Ich suche für dich danach und wenn ich es gefunden habe, sag ich dir bescheid «, Versicherer ich ihr.

»Vielleicht können wir diesen Krieg für immer beenden, L «, sagt sie mit Nachdruck erneut und ich weiß, was sie damit meint.

»Ich weiß «, murmele ich. » Ich suche sofort danach. L Ende. «

Ich lasse den Knopf sofort los und warte nicht mehr auf eine Antwort, denn plötzlich wird mir klar, wieso Ally so schnell den Raum verlassen hat.

Als auch hinter mir sich die Türe schließt renne ich den Flur entlang und dann hoch zur Krankenstation. Als ich sie erreiche, öffne ich die Tür und es bietet sich mir genau die Situation, die ich erwartet habe: Ally hat bereits alle Schubladen und alle betten auseinander gepflügt und sucht das Medaillon.

»Schatz, was machst du da? «

Hastig schmeißt sie auch die Decke und das Kissen von dem dritten Bett.

»Sie darf es nicht finden, sie ist der Feind! Wenn sie es in die Finger bekommt, löscht sie uns alle aus! «

 

 

 

Anna…

»Anna Ende «, sage ich noch, während ich auf den Knopf drücke und lasse mich dann zurück in den Stuhl sinken.

»Was meinst du? Wird er es finden? «

Will lehnt mit verschränkten Armen am Fenster und sieht hinaus. »Und du bist dir sicher, dass das Medaillon der Schlüssel ist? «

Schnell springe ich auf und gehe auf ihn zu. »Wenn wir Adam trauen können, dann ja. «

Er schenkt mir einen verächtlichen Blick.

»Ich würde also sagen nein aber, wenn er wirklich zu dir in seinen Erinnerungen spricht, dann muss da ja was dran sein. «

Ich mache einen weiteren Schritt nach vorne und sehe ebenfalls durch das Fenster. »Er sagte, dass er nach seinem Tod wolle, dass der Krieg ein Ende hat. «

Sofort unterbricht er mich.

»Siehst du? Da liegt der Fehler! Ich kenne keinen Einzigen von diesem scheiß Dent-Clan, der will, dass der Krieg vorbei ist. Niemanden! « Sofort versetzt es mir einen Schlag, der mich nachdenklich werden lässt.

»Anna, so war das nicht gemeint! «, stellt er mit wedelnden Armen klar. »Du bist keine von denen! Du gehörst zu mir! «

Er nimmt meine Hand vorsichtig in seinen und hebt dann mein Kinn mit der anderen Hand in die Höhe, doch ich sehe ihm nicht in die Augen.

»Hey «, flüstert er, »sieh mich an! «

Betrübt hebe ich meinen Kopf dann doch an.

»Du warst nie eine von denen und das wirst du auch nie Sein! «

Ich schließe für einen Moment meine Augen. »Ich…Ich habe Angst, Will. «

Er streicht mir liebevoll eine kleine Haarsträhne hinters Ohr. »Solange ich lebe, wird dir kein Leid geschehen. «

Ich kann mir ein kleines erleichtertes Lächeln nicht verkneifen und auch die Anspannung in meinem Körper lässt langsam etwas nach.

Ich beuge mich ein wenig zu ihm nach vorne und er tut es mir gleich, ehe er seine weichen Lippen auf meine presst.

Als meine Lippen seine berühren, versetzt es mir erneut einen Schlag in die Magengegend, denn es spielt sich erneut ein Film in meinem Kopf ab.

Ich befinde mich abermals in einer anderen Welt, genauer gesagt, in einem riesigen Haus, vor sehr langer Zeit.

Vor mir befindet sich Dargo, der Anführer des Dent-Clans direkt daneben befindet sich Christopher Hunt und beide Knien vor einem weitaus größeren und mächtigeren Mann. Seine Aura ist einschüchternd und beängstigend. Sein Gesicht ist übersäht mit Narben und seine Haltung lässt auf Grausamkeiten schließen. Seine weißen langen Haare, hängen ihm bis über die Schultern und er sitzt vergnüglich in seinem Thron, wartend darauf, dass sein verlangtes Schwert hereingebracht wird. Als Ein junges Mädchen, dass lediglich ein paar Lumpen trägt dann endlich ängstlich herein tritt, trägt sie es auf zwei Händen, bevor sie sich ebenfalls vor ihn Kniet und es ihm dann ehrfürchtig auf den Fußballen sitzend entgegenstreckt.

»Mein König. «

Er sieht sie nicht mal an, reißt es ihr lediglich aus der Hand und läuft dann vor ihr auf und ab, doch sie bewegt sich nicht.

»Aufstehen! «, befiehlt er dem Mädchen und sie tut es. Rasch ist er bei ihr, sieht Dargo und Christopher an und zieht dann sein Schwert. »Aus einem großen Clan werden zwei und das nur, weil ihr zu töricht seid, meinen Nachfolger zu wählen. Es wird Krieg geben, das ist Gewiss, doch das alles nehmt ihr auf euch, um zu beweisen, wer der stärkere ist. «

Keiner der Beiden antwortet, sie sehen sich lediglich kampfeslustig an.

»Christopher Hunt, mein Sohn und Dargo Dent, mein Zögling, eines Sohnes gleich. Steht auf! «

Sie tun, was er befiehlt, doch scheinen sie sich nicht wohl besonnen.

»Mein König «, setzt Christopher an, doch der König unterbricht ihn sofort.

»Stopp! « Er mustert ihn argwöhnisch, bevor er erneut spricht. »Christopher der Diplomat. Mit Worten kann er besser als mit seinem Schwert. So, wirst du Dargo nie besiegen und Dargo der Schlächter, so, mit purer Gewalt, wirst du Christopher niemals schlagen. Ich werde das Medaillon mit einem Spruch versehen, der Jenige, der ihn herausfindet, wird den Krieg eines Tages für sich entscheiden. «

Er nimmt sein Schwert in die Höhe und sieht die beiden dann an. »Hinweise, die ihr gebrauchen könntet sind… «, flüstert er und rammt dem Mädchen dann plötzlich mit voller Wucht das Messer durch den Bauch. Sofort keucht sie auf, das Blut rinnt ihr durch die Zähne, während sie mit aufgerissenen Augen an sich heruntersieht und geistesgegenwärtig versucht, das Blut aufzuhalten. Als sie sieht, dass es keine Wirkung hat, fällt sie zu Boden.
Sofort verblasst die Erinnerung in meinem Kopf, als würde sie davon schwimmen, verzerrt sich das Bild. Immer mehr von ihr scheint sich in Luft aufzulösen, als ich bemerke, dass mein Herz wie wild rast, Will vor mir kniet und mich liebevoll in den Armen hält.

Meine Augen reiße ich schwer atmend auf, wedele entsetzt mit meinen Armen. Ich kann das Gesehenen nicht so schnell verarbeiten und versuche deshalb panisch aufzustehen. Will hilft mir hoch, doch mir steigt es plötzlich den Rachen hoch.

»Zum Fenster? «, fragt er hastig, während er mich festhält und mit mir darauf zu steuert.

Als ich es erreiche, öffnet er es schnell, bevor ich würgend meinen Kopf herausstrecke.

Er streichelt meinen Rücken, versucht mich zu beruhigen, doch ich kann die Gedanken einfach nicht loslassen.

Die Präsenz des Mannes im Thron, ich spüre sie noch immer, ich kann sie einfach nicht abschütteln und aus irgendeinem Grund, macht sie mir wahnsinnige Angst. Keuchend fasse ich mir an die Kehle, versuche nicht mehr darüber nach zu denken.

Als mich seine festen Arme umschlinge, beruhigt sich mein Körper nur langsam. Ich drücke meinen Kopf an seine Brust und versuche meine Tränen zurück zu halten.

»Beruhig dich, Anna. Alles wird gut! «, flüstert er in mein Ohr.

Schon wieder hat mich eine Erinnerung so sehr aus der Fassung gebracht, doch ich kann meine Gefühle danach einfach nicht kontrollieren.

»Was hast du gesehen? «

Ich schlucke schwer, ehe ich spreche. »Dein Vater… «

Er lässt mich nicht los, umschlingt mich noch fester. »Was ist mit ihm? Ist er… «

Ich schüttele schluchzend den Kopf.

»Was ist dann mit ihm? «, fragt er erneut.

»Der Krieg, das alles ist ein Spiel. «

Er drückt mich ein wenig von sich weg und sieht mich dann fragend an. »Wie meinst du das? «

»Wir brauchen den Spruch! « presse ich panisch heraus und löse mich von ihm. »Sonst können wir den Krieg nicht…«

Sofort unterbricht er mich und brüllt mich an. »Anna! Sag mir jetzt was los ist! «

Erst jetzt komme ich wieder zur Besinnung. Der Nebel in meinem Kopf lichtet sich.

»Das Medaillon ist mit einem Spruch versehen, den wir herausfinden müssen, sonst können wir es nicht benutzen. «

Kapitulierend nimmt er seine Hände in die Luft. »Da du mir nicht erzählen willst, was los ist «, er fasst sich nachdenklich an den Kopf. »Woher sollen wir wissen, welcher Spruch es sein soll? «

»Ich…ich weiß nicht, da ist die Erinnerung zu Ende ich… Er hat es deinem Vater gegeben aber ich konnte die Hinweise nicht verstehen, da war Schluss und… Das Mädchen, es ist tot und…«

Er kommt auf mich zu und nimmt meine Hände in seine. »Anna! «

Ich sehe ihn fragend an.

»Hör mir zu! Mein Vater hat jahrelang an etwas in meinem geheimen Raum in der Villa gearbeitet. Er hatte immer gesagt, sollte er das Geheimnis lüften, würden bessere Zeiten anbrechen, doch, weil er nach vielen Jahrhunderten nichts gefunden hat, gab er es schließlich mir. Ich habe das nie verstanden aber jetzt, da macht alles Sinn!«

»Was… was hat das zu bedeuten? «

»Dass wir zurückmüssen! Wir müssen zur Villa zurück in den geheimen Raum meines Vaters und die Aufzeichnungen suchen. «

Ich nicke fast unmerklich.

»Aber wir können hier nicht unbemerkt weg. «

Er schluckt schwer, bevor er spricht. »Du rufst den Trupp zusammen, ich kümmere mich um meine Mutter! «

 

 

Ende Kapitel 15

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