Blood Hunter Band 2 – Kapitel 10

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Anna…

Zitternd halte ich das Feuerzeug unter das Messer und erhitze es damit, bis es schließlich rot aufleuchtet. »Beiß die Zähne zusammen! «, keuche ich und lass den Zipper des Feuerzeuges los, um das Messer an seine Wunde zu führe, doch er greift nach meiner Hand, um mich aufzuhalten. Seine Haare liegen ihm bereits nass auf der Stirn und sein ganzer Körper ist voller Blut.

»Ruhig und gelassen, Baby! Bitte! «, ermahnt er mich eingehend und ich sehe ihn prüfend an. Ich nicke verständnisvoll, bevor er dann seine Hand wieder zurückzieht. Langsam und vorsichtig führe ich das Messer diesmal an die Wunde und als ich endlich ausmachen kann, wo die Kugel sitzt, nicke ihm ein letztes Mal zu, dass es losgeht. Er schließt seine Augen und greift mit beiden Händen, vorne und hinten, an die Lehnen der sitze, um sich fest zu halten. Kurzerhand drücke ich das Messer auf die Einschussstelle, als auf seiner Haut ein zischender Laut entsteht. Sofort Bäumt Will sich unter der Berührung des Messers schmerzvoll auf und keucht, während er, so fest es eben geht, auf das Handtuch beißt. »Ahhhhh, Fuck! Maaaaaan! Fuck! «

»Halt still, Will! «, ermahne ich ihn und versuche seine Beine herunter zu drücken, weil er sie anziehen will, doch er ist stärker als ich. Es dauert ein paar Sekunden, da erschlafft sein Körper schließlich wieder und ich mache mich bereit, die Kugel mit der Spitze des Messers heraus zu puhlen.

»Mach schon! «, brüllt er schmerzerfüllt durch das Handtuch, während ich noch zögere. Der Ekel steigt in mir hoch, ich kann es nicht kontrollieren, ich will das hier nicht tun, doch stecke ich die Spitze des Messers und den Zeigefinger samt Daumen dann in das kleine blutende Loch, um sie zu fassen zu kriegen. Mit dem Messer umfahre ich das kleine Schwarze Ding und hebe es dann ein wenig an, während Will seine Krallen in die Lehnen presst. Lange werden die das nicht aushalten, denn er hat sie bereits mit seinen Klauen durchbohrt.

Mit den zwei zusätzlichen Fingern nehme ich das kleine Ding dann schließlich in Empfang und ziehe sie langsam heraus. Sofort schmeiße ich sie erleichtert weg und greife nach eins der Handtücher. Sofort presse ich es auf die Wunde und sehe ihn wieder an, während er seinen Körper ein wenig entspannt.

»Sie ist raus, Will! «, brülle ich euphorisch, doch geschafft hat er es noch nicht. Die Blutung muss so schnell es geht gestoppt werden, weshalb wir uns beeilen müssen, ein geeignetes Fahrzeug zu finden.

Ich nehme seine linke Hand von der Lehne und lege sie ihm auf das Handtuch der blutenden Wunde.

»Drück das ganz fest, während ich ein Auto hole! «, keuche ich und steige von ihm herunter. Ohne etwas zu sagen, sieht er mich plötzlich erschöpft an, doch komischerweise bedarf es keiner Worte, ich weiß, was er mir sagen will. Ich sehe es in seinen Augen. »Ich bin sofort wieder da! «, versichere ich ihm, lege ihm die Waffe auf den Schoß und schlage dann die Tür zu. Sofort renne ich die Auffahrt entlang und biege dann nach links ab in die Straße. Auf das erste Auto, dass ich stoße, renne ich zu und schlage dann die Scheibe auf der Fahrerseite ein. Es dauert nicht lange, da habe ich es kurzgeschlossen und lege den Rückwärtsgang ein, um es zurück auf die Auffahrt zu manövrieren.

Ich parke das Auto so, dass es ein wenig versetzt zu dem Van steht, sodass ich es hoffentlich leichter haben werde Will herüber zu schaffen.

Als ich das Auto geparkt habe, werfe ich noch mal einen prüfenden Blick in alle Spiegel, um sicher zu sein, dass ich perfekt stehe. Schließlich steige ich aus und renne zurück zum Van. Hastig ziehe ich am Griff der Tür und öffne sie, als Will sofort aufschreckt und mir seine Waffe panisch entgegenstreckt.

Sofort hebe ich die Hände in die Höhe. »Ich bin’s. Nimm die Waffe runter, Will! Beug dich nach vorne, wir müssen uns beeilen! « Sofort lässt er sie wieder ab und streckt sie mir dann gesichert entgegen. Ich lege sie erst einmal neben mir auf dem Boden ab und versuche Will aufzuhelfen, der immer noch schmerzvoll keucht.

»Setz dich ein wenig auf, ich nehme dich dann unter den Armen «, sage ich und merke gar nicht, dass er mich plötzlich argwöhnisch ansieht. Weil er sich nicht in Bewegung setzt, sehe ich ihn an.

»Was ist? Kannst du nicht?«, frage ich ihn irritiert und bemerke erst jetzt, dass ich völlig unter Strom stehe und nur noch funktioniere. »Tut mir leid, Will. Ich will nur weg von hier «, gestehe ich, als ich es bemerke. Er macht sich mehr Sorgen um mich, als um sich, das ist ja wieder klar.

Er richtet sich ein wenig auf und versucht dann wortlos bis zum Ende des Sitzes heran zu rutschen, sodass er seine Füße aus dem Auto strecken kann, doch sofort sehe ich ihm an, dass er sich so nicht lange halten kann. Ich greife vorsichtig nach seinem Arm. »Eins, zwei, drei! «

Bei Drei hilft er mir, sich selbst aus dem Auto zu hieven, indem er mir Schwung mitgibt und dann kurz zum Stehen kommt und dabei mit der anderen Hand immer noch das Handtuch auf die Wunde drückt. Wir machen zwei langsame Schritte zusammen nach vorne, ehe er sich auf den Rücksitz des anderen weißen Autos vorsichtig fallen lässt. Sofort nimmt er wieder Schmerzerfüllt seine gewohnte Haltung auf dem Rücksitz ein, indem er nach hinten durchrutscht. Nachdem er seine Beine eingezogen hat, die er in diesem Auto leider auch einziehen muss, weil er so ein Hüne ist, schlage ich rasch die Tür zu und nehme mir noch schnell meine Waffe, die ich eben noch abgelegt habe. Ich umrunde das Auto hastig und steige dann auf der Fahrerseite ein. Die Drähte unter dem Lenkrad verbinde ich erneut und als der Motor des Wagens aufheult, lasse ich die Kupplung kommen und fahre zügig die Auffahrt herunter. Weil rechts und links kein anderes Auto zu sehen ist, biege ich nach links ab.

»Will du musst wach bleiben ok? «, ermahne ich ihn. »Hast du gehört? Du musst mich nach Hause leiten. «

Weil er nichts sagt, richte ich den Rückspiegel so, dass ich ihn darin erspähen kann. Er hat seine Augen geschlossen.

»Will! «, brülle ich ihn an. Sofort öffnet er sie wieder.

»Könntest du bitte nicht so laut sein? «, keucht er plötzlich und ich traue meine Ohren nicht.

»Ist das dein Scheiß Ernst? «, frage ich mehr mich selbst als ihn und kenne die Antwort. Eigentlich hätte ich es wissen müssen.

»Durch die Stadt « Er ringt nach Luft. »Dann auf die Route 55 zurück nach New Orleans.«

Ich nicke, während ich auf eine Kreuzung zu fahre und die Ampel gerade auf Rot umschlägt. Ich bremse das Auto, auch wenn es mir nicht recht ist.

»Nach rechts! «

»Gut «, sage ich knapp und umklammere das Lenkrad, bis die Ampel endlich wieder umschlägt. Ich biege nach rechts ab, so, wie Will es mir gesagt hat und fahre dann auf einen dunklen Tunnel zu.

»Schlau «, stelle ich fest und sehe durch den Spiegel nach hinten. Er schenkt mir ein arrogantes Lächeln.

»So haben wir eine größere Chance, nicht gesehen zu werden. «
Ich schenke ihm ein verständnisvolles Lächeln.

Das Auto rappelt immer wieder, während wir über die kaputten Straßen von Jackson fahren, hier wurde wohl schon lange kein Geld mehr in die Sanierung der Straßen investiert. Am Rand der Straße, auf die ich, nachdem wir aus dem Tunnel herausgefahren sind, auffahre, stehen überall alte und kaputte Bäume, die nicht mehr schön sind, doch es scheint, sie gehören wohl schon einfach dazu.

Da es bereits Nacht geworden ist, sind nur noch wenige Autos auf den Straßen und ich habe die Zeit, mir die Stadt genauer anzusehen. Die Lichter erhellen die Stadt und ein paar wenige Läden sind noch geöffnet, ihre Neon-Lampen, die jeweils anzeigen, um was für einen Laden es sich handelt, blinken im Takt. Während ich die Route 55 entlang fahre, entspannt sich mein Körper langsam und ich nehme eine angenehmere Sitzposition ein. Immer wieder schaue ich in den Rückspiegel, um zu sehen, wie es Will geht, doch er verliert immer mehr Farbe im Gesicht.

Plötzlich durchfährt mich ein stechender Schmerz in meinem Kopf. Sofort fasse ich mir an die Stirn und schließe für einen kleinen Moment die Augen, bevor sich dann wieder unerwartet vor meinem geistigen Auge Adams Erinnerungen melden.

»Nein, bitte nicht! «, wimmere ich und versuche die Gedanken an ihn abzuschütteln. Warum gerade jetzt? Haben wir nicht schon genug Probleme?

Es ist eine Erinnerung, die mich schon wieder plagt, nach alle der Zeit. Ich hatte sie fast schon wieder vergessen.

Er steht vor einem Spiegel und redet augenscheinlich mit sich selbst, doch ich höre auch dieses Mal nicht, was er sich selbst zu sagen versucht, ich versuche seine Erinnerung weg zu schieben, denn sie schmerzt mich so sehr.

Ich presse meine Augen erneut für einen kurzen Moment zusammen, als mich erneut eine weitere Erinnerung einholt.

Viktoria Dent sitzt nachdenklich in ihrem Thron, grübelt über etwas nach, als Adam hereinkommt. Es ist, als könnte ich durch seine Augen sehen. Er geht näher an sie heran, doch zögert er dann, sich ihr die letzten vier Meter auch noch zu nähern. Er kniet vor ihr nieder, doch sie schenkt ihm keine Beachtung. Als die Tür plötzlich aufgerissen wird, tritt ein wütender Mann herein und nimmt sich die erste Statur, die an der Wand steht. Mit voller Wucht wirft er sie gegen die Wand und fasst sich wütend an den Kopf, als sie in tausend Teile zerspringt. Dass er plötzlich einen wütenden, animalischen Schrei loslässt, den jeden anderen erzittern lässt, stört Viktoria dabei nicht. Sie dreht ganz langsam ihr Gesicht in seine Richtung, ihr Blick ist ausdruckslos.

»Hast du es? «

Wütend dreht der Mann sich daraufhin in ihre Richtung. »Sieht das so aus, als hätte ich es? «, brüllt er voller Wut und kommt dann mit großen Schritten auf sie zu. Sofort steht sie auf, doch ist ihre Miene gleichbleibend.

Der Mann schwingt seinen schwarzen Umhang, der obenrum mit Tier Fell bedeckt ist zurück und legt dabei unelegantere Klamotten frei: Er trägt eine sehr enge Hose, die für den Kampf gemacht ist und ein ebenfalls dunkles Muskelshirt worunter man seinen durchtrainierten Körper erkennen kann. Seine Arme sind mächtig, das sieht man sofort. Er trägt einen Vollbart, der dem unseres Königs sehr ähnelt, doch da ist noch etwas Anderes: zwei größere Narben zieren sein Gesicht, sie gehen quer über die Lippen.

Als er Viktoria erreicht, bleibt er wütend vor ihr stehen. Sie sehen sich ein paar Sekunden in die Augen, ehe sie sich wieder von ihm abwendet. Dass Adam immer noch im Raum ist, scheint sie nicht zu stören.

»Wir brauchen dieses Medaillon «, presst Viktoria wütend durch die Zähne und gibt ihm zu verstehen, dass er versagt hat. »Wem hat er es gegeben? «

Wütend sieht der Mann zu Boden.

»Dargo! Sag es mir! «

Er schenkt ihr ein verächtliches Schnauben. »Christopher. «

Sofort reißt sie die Augen auf. »Dann haben sie den Schlüssel. Sie dürfen das Gift niemals in ihre Hände bekommen! «

An dieser Stelle endet die Erinnerung plötzlich und ich atme erst einmal schwer ein, bevor ich plötzlich panisch werde. Als Will bemerkt, dass irgendwas nicht stimmt, setzt er sich langsam auf. »Anna? Was ist los?«

»Oh Gott. « Erst jetzt fällt es mir wieder ein, der Grund, warum Will mich weggeschickt hat: Das Medaillon, ich sollte es holen, weil es für ihn wertvoll war. Doch wo ist es hingekommen? Fieberhaft versuche ich mich daran zu erinnern, wo es nach dem Brand gelandet ist, denn ich hatte es bis zu diesem Zeitpunkt bei mir. Schnell versuche ich alles noch einmal Revue passieren zu lassen.

»Als du aus dem Haus gesprungen bist hatte ich das Medaillon da noch? «, frage ich panisch und sehe ihn durch den Spiegel eindringlich ein. Er merkt sofort, dass es mir ernst ist. Er lehnt sich wieder zurück und schließt die Augen. »Ich kann mich erst wieder erinnern, als ich aufgewacht bin und das war im Krankenzimmer mit Hannah. «

»Ich meine davor! Wo habe ich es hingelegt? «

Er öffnet seine Augen. »Warum ist dir das plötzlich so wichtig? «

Nervös klopfe ich mit meinen Fingern auf das Lenkrad. Sollte ich es ihm sagen?

Er setzt sich langsam auf. »Sagst du mir jetzt was los ist? «

Keine Geheimnisse mehr.

»Ich…da war… Ich habe eine Erinnerung von Adam gesehen «, stottere ich.

Sein Blick wird plötzlich ernst. »Und was hast du gesehen? Was ist mit dem Medaillon? «

Mit meiner Hand fahre ich mir durchs Gesicht und schiebe dann meine Haare zur Seite.

»Wenn wir es nicht finden, sind wir am Arsch «, gestehe ich.

»Wir sind am…Anna, was redest du denn da? «, entgegnet er ahnungslos und schließt die Augen wegen des Schmerzes für eine Sekunde.

»Ich habe gesehen, dass Viktoria und ein Mann, mit zwei Narben über den Lippen ein Gespräch geführt haben. Adam war anwesend. «

»Und? «

»Es hat etwas mit dem Gift zu tun, Will. Sie sagte, dass sie das Medaillon brauchen oder wir das Gift niemals in die Hände bekommen dürfen. «

Sofort scheint er in seine eigenen Gedanken zu versinken, als ich auf einmal im Rückspiegel bemerke, dass uns ein kleiner Van verfolgt.

»Mein Vater hat es mir gegeben damals mit den Worten, dass es ein Familien Erbstück ist und dass ich vielleicht eines Tages glücklich bin, dass ich es habe, um einen Krieg zu beenden «, flüstert er, als ihm plötzlich etwas klar zu werden scheint.

Als die Autotür des Van plötzlich während der Fahrt aufgeht, streckt Jemand einen Arm heraus, genau in unsere Richtung.

»Oh Gott, Will runter! «, brülle ich, als ich sehe, dass es Raven ist, die auf uns zielt.

Sofort duckt er sich und ich drücke das Gas sofort ganz durch, während ich das Lenkrad wie wild umklammere.

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