Blood Hunter Band 2 – Kapitel 2

Hannah…

 

»Linus komm schnell! «, brülle ich so laut ich kann, wärend ich hinter Ally sitze und sie stütze. Sie schwitzt sehr und hat die Augen weit aufgerissen, als wäre sie auf Drogen. Sofort reißt Linus die Tür zur Krankenstation auf.

»Sie ist wach «, haucht er sehnsüchtig, als er sie sieht und tritt ein. Wärend ich aufstehe, nimmt er sie schützend in seine Arme. »Ally, meine Ally. Du bist endlich wach. « Seine Hand streichelt liebevoll ihre Stirn, doch sie reagiert darauf nur widerwillig.

Aufgeregt renne ich um ihr Bett herum und leuchte ihr von der anderen Seite des Bettes mit meiner Lampe ins Auge.

Ihre Iris ist tief rot gefärbt und sie reagiert empfindlicher als normal auf das Licht, denn sie dreht ihren Kopf sofort davon weg.

»Nein, Ally. Sieh hier rein! « Ich drehe ihren Kopf erneut zu mir und versuche sie dabei zu beruhigen, wärend sie sich wie ein kleines Kind dagegen wehrt, doch es fällt mir schwer, da ich selber am ganzen Leib zittere.

»Was ist mit ihr Dok? « Erschrocken sieht er mich an, wärend er ihre Arme festhält. Sie liegt jetzt vollkommen in seinen Armen und scheint sich erst jetzt richtig entspannen zu können.

»Sieh auf meinen Finger Ally! «, sage ich und halte ihn ihr ein wenig von ihr entfernt hin. Langsam dreht sie ihren Kopf und schaut meinem Finger, wärend ich ihn hin und her bewegen, nach. »Soweit scheint alles mit ihr zu stimmen. «

Fragend sieht Linus mich daraufhin an. »Ich habe dich was gefragt! «

Ich sehe nicht in seine Richtung, ich habe auch so schon ein schlechtes Gewissen, doch Will sagte mir ich soll sie um jeden Preis retten. Weil ich nicht antworte versucht er es erneut. »Sag mir was mit ihr los ist! «

Für einen kurzen Moment schließe ich die Augen und hole einmal tief Luft und will gerade zur Erklärung ansetzen, als die Tür aufgeht. Tor kommt herein.

»Endlich James «, keuche ich sofort aufgeregt. »Anna…Hast du gehört was… Anna sie ist in die Schlucht gesprungen und … «, meine Stimme versagt plötzlich.

»Was ist sie? «

»Will und Anna haben sich angebrüllt und dann ist sie die Schlucht runter und … « Noch ehe ich den Satz beenden kann, hat er den Raum verlassen und ich atme erleichtert auf. Er wird sie finden und herbringen, also kann ich mich erst einmal um Ally kümmern.

»Hey bist du anwesend? «

Rasch drehe ich mich wieder zu Linus um. »Ich habe ihr Annas Blut verabreicht. «

Sofort reißt er seine Augen auf und ist nun ziemlich wütend. »Du hast was? Weißt du, was das mit ihr machen wird? Sie wird das nicht überleben! «

»Ich habe ihr eine kleine Dosis verpasst, welche ihr letztendlich das Leben gerettet hat «, entgegne ich, doch er will meine Argumente gar nicht hören.

»Das war keines Wegs mit mir abgesprochen, also wie kommst du dazu das einfach zu tun? «

»Also ich erwarte keine Dankbarkeit oder so etwas «, fahre ich ihn an. »Aber ich habe deiner Freundin gerade das Leben gerettet und das ist der Dank dafür? Vielleicht war das mit dir nicht abgesprochen aber hier leben noch mehr Leute, die ebenfalls um sie besorgt waren und wollten, dass ich sie rette! «

Wärend er mich wütend anstarrt, schlägt er seinen Kopf etwas zur Seite, sodass er knackt. Er beabsichtigt wohl mit dieser Geste nicht mich einzuschüchtern, doch tut er es trotzdem. Ungewollt trete ich einen Schritt zurück, ehe seine Körperhaltung wieder etwas lockerer wird.

»Du hast Recht! Es tut mir leid…Ich… «

»Ist schon gut «, lüge ich. »Du hast sicher auch viel durchgemacht und naja…«

 

 

 

 

Anna…

 

Der Schmerz durchfährt meinen Körper noch immer, doch ich schaffe es immer mehr, mich gegen ihn zu stellen. Längst haben meine Körperzelle angefangen sich zu regenerieren, längst wäre es mir möglich einen klaren Gedanken zu fassen, doch ich will es einfach nicht. Nachdem wir unsanft auf einem Felsvorsprung gelandet sind, hat er mich feste an sich gedrückt und meine Instinkte haben schließlich das übliche getan: Ich habe sein Blut aus seiner Halsschlagader getrunken. Nein, ich habe es nicht nur getrunken, ich habe es verschlungen. Ich habe es regelrecht in mich aufgesogen, wie ein vertrockneter Schwamm das heißersehnte Wasser. Für einen Moment waren wir uns wieder so seltsam vertraut, wie wir es eigentlich die ganze Zeit über waren. Irgendwie wusste ich die ganze Zeit, dass ich zu ihm gehöre und er zu mir. Wie ein Gesetz, dass nicht gebrochen werden kann, haben wir es für selbstverständlich genommen, dass wir uns haben. Ich habe seine Erinnerungen gespürt, sie haben mich förmlich durchflutet. Ich habe mich nicht an sie erinnert, nein, ich habe sie gespürt, als wäre ich wirklich da, als würde ich jeden einzelnen Schlag seines Vaters, wenn er ihm wieder mal eine Lektion erteilen wollte und jeden einzelnen Schlag in jeglichen Schlachten, die er bereits für sich entschieden hat, oder eben nicht, gespürt und verarbeitet. Aber letztendlich, war alles an das er dachte, seit dem Tag an dem er mich gerettet hatte, nur einer: Meine Sicherheit. Unsere Sicherheit und die des Teams. Ich sah, dass sein Leben vorher anders war, ich sah, dass er früher viele Frauen hatte und sie ausnutzte solange bis sie ihm überdrüssig wurden und er seines normalen, einsamen Kriegs leben weiterleben konnte. Er wollte es so, kannte es nicht anders, als sie für seine Zwecke zu benutzen, doch ich habe ihn seltsamerweise davon überzeugt, dass es noch andere Dinge im Leben gibt. Doch er hasste es so sehr, dass ich ein Mensch war, dass er am liebsten auf der anderen Seite des Erdballs gewesen wäre, nur um sich nicht seinen Gefühlen stellen zu müssen. Doch er hat es am Ende doch getan, er hat sich getraut und ist über seinen Schatten gesprungen. Ich würde das nicht schaffen. Ich würde weglaufen, wie ich es die ganze Zeit getan habe. Er war für mich da, an Tagen, wo ich Unterstützung bitter nötig hatte und alles was ich tat, war ihn im Stich zu lassen. Wieder und wieder.

Wärend wir mit ausgestreckten Armen in den dunklen Himmel blicken und der Schnee langsam auf uns herab segelt, schäme ich mich so sehr für, dass was ich getan habe, dass ich nicht sprechen kann. Wir liegen einfach nur da, reden nicht und wissen dennoch beide, was der jeweils andere denkt. Nachdem ich mich von ihm genährt hatte, hat er mich sanft auf den Boden abgelegt und tat es dann neben mir gleich.

Eine Weile liegen wir schon hier, als ich meinen Arm schließlich langsam in die Höhe strecke, um eine Schneeflocke zu fangen. Sie landet weich auf meiner Hand und ich halte sie an mich. Ich erwarte keine Reaktion von Will, ich kann mir vorstellen, nein ich weiß, dass er sauer auf mich ist, was umso verständlicher ist, also schaue ich weiterhin zu, wie der Schnell vom Himmel fällt, als er plötzlich wieder erwartend ebenfalls seine Hand ausstreckt, um nach einer Schneeflocke zu greifen. Erschrocken schnelle ich hoch, doch ich traue mich nicht, ihn anzusehen. Meine Unsicherheit lässt mich sofort zittern, doch ich lasse mich wieder zurücksinken.

»Willst du mir sagen, was los ist? «, ertönt plötzlich seine Stimme und sofort fühle ich mich wieder unbehaglich.

Als er plötzlich meine Hand vorsichtig berühren will, kann ich nicht anders: ich drehe meinen Kopf zu ihm zur Seite, doch kann ich dabei meinen Tränen nicht zurückhalten. »Will ich…«, setze ich an, doch meine Stimme versagt und ich schlucke daraufhin schwer. Sein Blut hat meinen Körper geheilt, was aber nicht heißt, dass es meine Seele getan hat. Nein, diese Wunden sind immer noch offen.

Er drückt meine Hand ganz fest und dreht sich zu mir auf die Seite. »Wenn du wieder in den Tot springen willst, wissend, dass ich dir folge, dann …«, flüstert er und streicht mir eine Strähne aus dem Gesicht. 

Seine Berührungen sind so zärtlich, ich kann sie fast nicht ertragen. Ich schaue ihm tief in die Augen, weiß, dass er mich nie wieder so ansehen wird, doch ich muss es ihm einfach sagen. Er hat es verdient zu wissen, was mit mir los ist, also nehme ich allen Mut zusammen. »Will, ich…Wenn ich es dir gesagt habe, ist es dir natürlich frei zu gehen, nein viel mehr werde ich gehen, wenn du mich nicht mehr in deiner Nähe haben willst aber… «

»Sag es mir schon! Du hast mich schon in so vielen schlimmen Situationen gesehen, Anna. Ich werde dir sicher nicht böse sein. «

Ich schaue mir sein Gesicht noch einmal genau an, er drängt mich nicht, will, dass ich es von alleine sage und deshalb liebe ich ihn. Er ist geduldig mit mir, war er immer, auch, wenn ich Zeit brauchte viele Dinge zu verstehen und letztendlich zu meistern. Immer noch ruht seine weiche Hand auf meiner Wange.

»Ich…also…Meine Mutter ist…also Raven ist meine Schwester «, stottere ich und weiß nicht, wie ich es ihm sagen soll. Es fällt mir so schwer, die Worte auszusprechen, weshalb ich dabei die Augen fest zusammendrücke. »Viktoria Dent ist meine Mutter, wie ich herausgefunden habe. «

Ich öffne meine Augen rasch wieder. Sofort werden seine Augen zu schlitzen und er zieht seine Hand hastig von meiner Wange zurück, bevor er sich ruckartig von mir abwendet. Kurzerhand liegt er wieder neben mir auf dem Rücken und schaut in den Himmel.

»Ich…wusste es schon länger «, flüstert er schuldbewusst und holt mich damit aus meiner Schockstarre. Er scheint ebenfalls nach Worten zu ringen. »Ich wusste, wenn ich es dir sage, würdest du dran zerbrechen, also habe ich es für mich behalten. «

 

 

 

 

 

Raven…

 

»Die Kopfgeldjäger sind nicht zurückgekehrt. Sollen wir den Vater auslöschen? «

»Nein «, wiederhole ich meine Mutter abwertend. »Wir dürfen ihn nicht umbringen. Er hat nichts mit der Sache zu tun. «

Schnell springe ich von meinem Stuhl vor meinem Schminktisch und renne nachdenklich in meinem Zimmer auf und ab.

»Was wollt ihr dann machen, MiLady? «

»Und ihr seid sicher, dass sie sie alleine besiegt hat? «

Christian nickt kurz, doch sieht er nicht auf, wärend er vor mir kniet. »Es muss doch eine Möglichkeit geben dieses dumme Mädchen zu töten! Du weißt jetzt ungefähr, wo ihr Aufenthaltsort ist? «

Er nickt erneut. »Ich weiß, in welcher Stadt sie sind, MiLady. Das verschafft uns einen Vorteil. Es dauert nicht lange, dann habe ich sie gefunden. «

Als es plötzlich an der Tür klopft, schrecke ich auf. Sofort geht die Tür auf und meine Mutter lugt durch sie hindurch.

»Das wäre dann alles, Christian! Danke «, winke ich ab und er versteht sofort. Rasch verlässt er den Raum.

»Mutter, wie kann ich dir behilflich sein?«, frage ich, obwohl es mich eigentlich überhaupt nicht interessiert, was sie von mir will. Sie war schon immer so eiskalt, doch ich habe es immer bewundert, dass sie nicht nachtragend war. Ihr Motto war: Baust du scheiße, musst du dafür büßen. Aber hast du gebüßt, ist es vom Tisch. Wobei es noch nicht vom Tisch ist, dass ich in ihrer Abwesenheit den Hunter Clan in zwei gerissen habe.

»Wo ist Christopher Dent? «, fragt sie lediglich, als würde sie mir unterstellen ich wisse es.

Langsam, gehe ich auf meinen Schminktisch zu und nehme mir meine Bürste aus der Schublade. »Hm, also ich habe ihn das letzte Mal gesehen, da war er in dem brennenden Haus, wieso? «, frage ich durchtrieben, wärend ich mit der Büste durch meine langen schwarzen Haare bürste. Sofort verengen sich ihre Augen und sie schenkt mir ein verächtliches Schnauben, bevor sie dann plötzlich vor mir steht.

»Ich habe dir das dein Leben lang erklärt, oder nicht? Wenn wir herrschen wollen, müssen wir die Clans von innen vernichten und nicht einfach in zwei reißen. Wenn Alexander und Miranda davon erfahren, nur mal um einen Clan als Beispiel zu nennen, meinst du wir haben eine Chance gegen sie? «

Ich schlucke schwer, wärend sie mir tief in die Augen sieht. »Ich…Ich weiß nicht wo er ist, Mutter. Ich schwöre es! «

Langsam versuche ich sie von mir weg zu drücken, doch es fällt mir schwer. Plötzlich macht sie einen Schritt zurück und verschränkt die Arme hinter dem Rücken. »Wenn er nicht bald auftaucht, meine Liebe, dann wird Jemand dafür zur Verantwortung gezogen werden. Dein Vater ist noch bei Alexander aber, wenn er zurück ist… « Sie beendet ihre Satz nicht, das muss sie auch nicht. Ich weiß auch so, dass er seine Methoden hat, heraus zu finden, was er will.

Er ist der König der Folter und meine Mutter, ist nur ein kleines, seiner Werke.

»Ich weiß nicht wo er ist! «, wiederhole ich mit Nachdruck und versuche mir meine Unsicherheit nicht anmerken zu lassen. Natürlich weiß ich wo er ist, ich habe ihn wärend des Brandes wegbringen lassen. Er liegt in einem Kerker, immer noch betäubt und wenn es nach mir ginge, würde er nie wieder aufwachen.

»Nun gut «, flüstert sie nachdenklich und nickt kurz. Kurzerhand ist sie aus meinem Zimmer verschwunden.

 

 

 

 

Anna …

 

Kurzerhand habe ich mich aufgesetzt und starre ihn fassungslos an. »Seit wann? «

Weil er mir nicht antwortet, werde ich plötzlich nervös und versuche aufzustehen, doch es gelingt mir nicht sofort.

»Will «, presse ich durch die Zähne. »Seit wann? «

»Als ich dich sah, habe ich es gespürt «, flüstert er, doch er schaut, als wäre er plötzlich ganz mit sich im Reinen. Ich kann ihm ansehen, dass er gerade daran zurückdenkt.

»Wieso hast du mich dann gerettet? «

Sofort blickt er mich an, es liegt Scharm in seinem Blick. »Ich wusste, dass sie dich als Waffe missbrauchen wollen und das wollte ich verhindern. Ich wollte, dass du uns hilfst, sie zu vernichten. Egal, was es kostet.«

Sofort reiße ich die Augen auf. »Was? «

»Ich wollte, dass du bei uns bleibst. Ich wollte, dass du mit allen Mitteln bei uns bleibst. Ich habe es sogar in Kauf genommen, dass ich dir vielleicht das Herz breche. «

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