Blood Hunter Band 2 – Kapitel 1

5 Stunden zuvor…

 

Will…

 

Als Torell mit dem weißen Van um die Ecke angerauscht kommt und noch so grade vor der Türe bremsen kann, vergeht für mich alles wie in Zeitlupe. Sofort reiße ich die Schiebetür zur Seite, denn ich weiß irgendwie, dass etwas Schlimmes mit Anna passiert sein muss. Sofort strecke ich ein Bein durch die halb geöffnete Tür und drücke mich dann hektisch mit meinem restlichen Körper durch die Öffnung. Meine Haare fliege stürmisch im Wind nach hinten, wärend ich immer schneller werde. Wie ein Läufer, der tatsächlich um sein Leben läuft, winkele ich meine Arme an und renne auf das bremsende Auto zu. Die Strecke bis zu ihm hin, erscheint mir plötzlich so unendlich weit, dass ich den Gedanken nicht ertrage, nicht zu wissen, was mit ihr geschehen ist. Wärend Torell mit voller Wucht auf die Bremse drückt, sieht er mich durch die Windschutzscheibe hindurch an und ich ihn. Sein Blick ist besorgt und gleichzeitig traurig. Ich kenne diesen Blick, wie schon viele Male davor, heißt er nichts Gutes. Als das Auto endlich zum Stehen kommt, renne ich immer noch auf ihn zu und als ich ihn dann endlich erreiche, öffnet er die Tür und springt heraus, um schließlich die hintere Tür des Vans hektisch zu öffnen. Als er sie erreicht, erreiche auch ihn und schiebe ihn zur Seite. Hastig öffne ich die Türen und traue meinen Augen nicht. Als ich sie erblicke, kann ich nicht anders, als mir die Hände vors Gesicht zu schlagen und in die Hocke zu fallen. Verzweifelt fahre ich mir mit meinen Fingern durch die Haare. Was ist nur mit ihr geschehen? Wer hat ihr das angetan? Ich hätte sie niemals alleine lassen dürfen, das ist alles meine Schuld.

Ich muss mich zusammenreißen, ich muss einfach. Sofort stehe ich keuchend auf und springe in den Van, um sie hoch zu heben. Tor ist sofort zur Stelle und packt sie an den Beinen, wärend ich ihren Oberkörper hochhalte. Vorsichtig tragen wir sie zum Haus, ehe ich sofort los brülle, als wir drin sind.

»Hannah? Hannah, wo bist du? Wir brauchen dich! Komm schnell! Anna ist verletzt! «

Es dauert nicht lange, da kommt sie völlig verschlafen aus einem der Zimmer und sieht aus dem Türrahmen, wärend sie sich an ihm festhält. Wärend wir die Treppe schließlich hinauflaufen, sieht sie uns nach und zieht ihr Oberteil an der Seite hoch, dass ihr im Schlaf von der Schulter gerutscht ist. »Was ist denn…Oh Gott…«, keucht sie, als sie sie sieht und ist sofort wieder klar. »Hoch mit ihr! Ich kümmere mich um sie! «

Wärend wir die Tür erreichen, kommen mir plötzlich so viele Gedanken, die ich nicht haben sollte, in den Kopf. Ich kann mir eine Träne nicht verkneifen, denn sie sieht wirklich schlimm aus. Hannah überholt uns schließlich und reißt die Tür auf. Sofort springt L aus seinem Bett und zieht die Bettdecke von dem Bett in der Mitte ab, sodass wir sie sofort da rauf legen können. Ich lege ihren Oberkörper vorsichtig auf das Bett und Tor tut es mir gleich mit ihren Beinen. Sofort rennt er zu der Ärztin, um ihr mit den Blutbeuteln zu helfen.

Wärend ich sie ansehe, kann ich nicht anders, als mir immer wieder durch die Haare zu fahren. Das ist meine Art damit umzugehen, wenn ich nicht mehr weiterweiß. Schnell lasse ich mich zu ihr absinken und küsse immer wieder ihre Stirn. Ihr ganzer Hals ist angeschwollen, man kann hier nicht mehr von einer normalen Größe reden. Einfach alles an ihr ist Blau und ihr ohnehin schon angeschwollenes Pfeilchen, ist Blutunterlaufen. Sie hat ebenfalls eine gebrochene Nase, das kann man ihr ansehen und eine Platzwunde an der Stirn hat sie auch noch.

»Was ist nur mit dir passiert? «, wimmere ich und fahre ihr mit meinem Daumen vorsichtig über den Hals, als ich bemerke, dass das Würgemale sind. »Hannah? «, brülle ich und sie ist sofort bei mir. »Das sind Würgemale. Tor, wer war das? «

Auch er ist sofort bei mir und sieht mir in die Augen. »Kopfgeldjäger. Sie hat mit einem gekämpft und den anderen habe ich schließlich in zwei gerissen, wärend er sie gewürgt hat.«

Ich sehe ihn fassungslos an. »Hast du…hast du… «

Er nickt mir zu. »In Fetzen! «

Sofort entspannen sich meine Schulter und ich atme erst einmal tief durch, wärend ich mir das Gesicht reibe. »Fuck man! «

»Will, es ist alles gut! Vertrau mir! «, versucht Hannah mich zu beruhigen. »Ich mach das schon! «

 

 

 

 

 

Anna…

 

Ich höre seine schnellen Schritte bereits hinter mir, wärend ich gerade auf den Abhang zu renne und für mich bereits einen Entschluss gefasst habe. Er soll leben! Er soll seine Familie vor dem Krieg bewahren und mich eines Tages vergessen können. Er soll nicht erfahren wieso, er soll nur wissen, dass ich ihn liebe, ihm aber nicht die Bürde auferlegen möchte, seinen schlimmsten Feind zur Frau zu nehmen. Ich denke an nichts anderes, als den Satz, den er zu mir sagte, als wir vor dem Eingang standen, der zum König führte: Er fragte mich, ob ich ihn tatsächlich heiraten würde, wenn all dies überstanden wäre.

Ich verschnaufe verächtlich und meine Haare wehen mit dem Wind. Wie kann er nur so dumm sein und Jemanden heiraten wollen, der sein Leben so viel schlimmer macht? Ich denke, dass es besser für ihn ist, wenn ich diese Entscheidung für uns gemeinsam fälle. Auf dieser Welt würde mich so oder so niemand mehr vermissen, so viel ist sicher. Also wieso dem ganzen nicht gleich ein Ende setzen?

Wimmernd schließe ich meine Augen und hebe das Skalpell schließlich immer weiter in die Höhe, bevor Will mich schließlich erreicht. Ich bin wütend auf ihn. Bin wütend, weil er immer die falschen Entscheidungen trifft und jetzt hier vor mir steht. Er weiß es noch nicht, doch würde er seine Fehler sehen, wäre seine erste gute Tat diese, dass er mich fortschickt oder mich verlässt, also nehme ich ihm diese Entscheidung und drehe mich zu ihm um.

»Ich…Du wirst mich so oder so verlassen, dann kann ich mich auch gleich umbringen! «, keife ich ihn wütend an.

Verdutzt sieht er mich an und fährt sich durch die Haare, so wie er es immer tut, wenn er wieder einmal nicht weiß, wie er mit einer brenzligen Situation umgehen soll. Ich kann in seinen Augen lesen, dass er mich nicht versteht. Ich meine, wie sollte er? Ich habe ihm nicht gesagt, was in mir vorgeht.

»Anna, warum sollte ich dich verlassen? «, fragt er sanft, doch ich kann seine Nähe einfach nicht ertragen.

»Du führst dich auf, wie eine Verrückte. Ich weiß nicht worum es geht! «, brüllt er weiter. Es schwingt Verzweiflung mit in seiner Stimme, doch ich versuche sie zu überhören.

Es bricht mir fast das Herz, wie er so dasteht und darauf wartet, dass ich ihm endlich sage was los ist, doch ich kann es einfach nicht. Er würde mich einfach nicht mehr auf die Weise ansehen, wie er es immer getan hat. Halt, das hier ist das letzte Mal, dass er mich ansieht. Vielleicht wäre es doch besser, mich ihm zu öffnen. »Ich werde dem Ganzen ein Ende setzen und ich werde es gleichtun. Du sollst dein Leben leben, Will. Ich liebe dich aber ich kann nicht bei dir sein! «, ich sehe für einen kurzen Moment nach oben und ziehe die Nase wie ein kleines Kind hoch, bin völlig außer mir.  »Ich will nicht zu denen gehören, das sind Monster! «

All das, was sie mir angetan haben. Sie haben mich zu eiskalten Killerin gemacht und nicht nur das. Nein, Sie haben mir mein Leben genommen, meiner Freundin eine Gehirnwäsche verpasst und sie schließlich auf mich angesetzt. Sie haben mich gefoltert und meine neue Familie so lange gejagt und getötet, bis nur noch ein paar Wenige von uns übrig waren. Sie haben uns unser Zuhause genommen. Das Zuhause, was für Will und die anderen schon seit mehr als fünfhundert Jahren der Ort war, an den man gerne zurückkehrt, nach einem anstrengenden Kampf indem es vielleicht um Leben und Tot ging. In ein Zuhause, wo man lacht, weil man seine Familie um sich hat. All das, haben diese Leute, meine Familie, wie sich herausgestellt hat, genommen und das, ohne auch nur einmal mit der Wimper zu zucken.

Lieber gehe ich so von dieser Welt, als von Will mit einem Blick belegt zu werden, dem ich kaum standhalten könnte. Ich würde daran zerbrechen und nicht nur ich würde das tun: Ally würde mich hassen. Sie hat mir erzählt, dass Viktoria Dent, meine Mutter, ihre damals getötet hat. Dass sie sie eines Tages auslöschen will. Ich kann einfach nicht weiter mit diesem Wissen leben. Ich muss dem jetzt ein Ende setzen!

Ich nehme das Messer hoch an meinen Hals und kneife dann die Augen ganz fest zu. Mit einem festen Ruck, stoße ich zu, bevor mich auch schon der stechende Schmerz durchflutet. Sofort rinnt mir das noch warme Blut über meine Finger und ich fange augenblicklich an zu keuchen, wärend ich erschrocken meine Augen aufreiße. Will streckt noch seine Hand zu mir aus, doch setze ich mich bereits in Bewegung: Sofort mache ich zwei Schritte zurück, lasse das Skalpell zu Boden fallen und öffne meine Arme zu beiden Seiten, bevor alles wie in Zeitlupe geschieht: Bevor ich springe, öffne ich meine Augen und sehe ihn dabei ein, wärend ich mich rückwärts einfach fallen lasse.

Sofort verliere ich den Halt und die Eisige Luft des Sturzes, streift an mir vorbei. Meine Haare wehen sofort nach vorne, wärend Wills Gesicht noch einmal vor mir entsetzt auftaucht und ich in die Nacht hineinfalle.

 

 

 

 

Hannah…

 

Wärend ich meinen Kittel langsam und noch etwas verschlafen anziehe, denn ich hatte mich nach Annas Behandlung noch mal kurz hingelegt, kann ich William plötzlich draußen schreien hören. Was da wohl los ist? Ich nehme mir mein Klemmbrett vom Tisch und gehe auf meine Patientin zu. Immer noch liegt sie reglos da, doch irgendwas an ihr, hat sich verändert. Ich notiere die kleinen Veränderungen auf meinem Notizbrett, bevor ich plötzlich einen lauten Schrei höre. Sofort renne ich zum Fenster, als zu sehen ist, dass Anna sich etwas wimmernd an den Hals hält. Ihr Blick ist verzweifelt. Die Beiden brüllen sich gegenseitig etwas zu, doch ich kann nicht verstehen, was sie sagen, doch als sich das Mädchen plötzlich das kleine Ding in den Hals rammt, schreie auch ich panisch auf und schlage mir die Hände vors Gesicht. Ich lasse dabei das Klemmbrett auf den Boden fallen. Plötzlich breitet sie ihre Arme aus und springt den Abhang, ohne auch nur zu zögern, herunter.

»Neeeeeeeeiiiin! «, brülle ich so laut ich kann, doch ist sie plötzlich weg. Hektisch versuche ich das Fenster am Griff zu öffnen, doch ich bin so panisch, dass ich es nicht schaffe. Es will sich einfach nicht öffnen lassen.

Als plötzlich das EKG des Mädchens links von mir lauthals piepst und mich damit aus meiner Panik holt, drehe ich mich schlagartig zu ihr um. Mit einem Ruck setzt sie sich, tief nach Luft ringend, auf und reißt die Augen panisch auf, als wäre sie aus einer dunklen Welt wiedererweckt worden.

 

 

 

 

Anna…

 

Ich schließe meine Augen, wärend ich den Abhang herunter sause. Ich denke an nichts, versuche mich dazu zu zwingen, als mich plötzlich etwas ruckartig streift. Ich öffne meine Augen nicht, ich rechne damit, dass es ein paar Bäume sind, die mich in meiner Flugbahn kreuzen, als mich plötzlich zwei feste Hände packen. Keuchend öffne ich meine Augen dann doch und kann nicht glauben, was ich sehe. Will ist mir gefolgt, hält mich jetzt im Arm und versucht seine Krallen der linken Hand in den Hang zu pressen. Es gelingt ihm nicht, die Erde ist zu locker, weshalb wir an der Wand entlang, immer weiter runterrutschen.

Was hat er nur getan? Ich kann nicht glauben, was hier gerade passiert. Wärend er immer wieder versucht uns mit seinem Arm zu stoppen, verliert er immer wieder den Halt. Angestrengt presst er seine Zähne zusammen, ist anscheinend wild entschlossen mich zu retten, doch habe ich das wirklich verdient? Nein das habe ich nicht.

Mit letzter Kraft versuche ich mich von ihm los zu reißen, sodass er leichter ist und sich dann wieder hochziehen kann, ohne mich, doch er presst mich fest an seinen Körper. Es ist für mich kein Entkommen möglich. Mein Körper wird immer müder, ich kann mich nicht mehr an ihm festhalten, doch er hält mich dafür fest und ich schließe daraufhin kapitulierend meine Augen. Durch den hohen Blutverlust werde ich sterben, ich kann es fühlen, doch als ich so in seinem Arm liege, fällt mir plötzlich auf, wie gerne ich das eigentlich tue aber auch, wie sehr ich das vermisst habe. Seine Nähe und seine Wärme, all das liebe ich an ihm und erst jetzt fällt mir auf, wie sehr. Plötzlich fühle ich mich geborgen, könnte ewig so weitermachen, doch wir werden plötzlich langsamer und als wir schließlich nicht mehr fallen, sehe ich benommen auf. Wo wir sind, kann ich nicht erkennen, doch haben wir plötzlich wieder festen Boden unter den Füßen und noch, sind wir nicht tot. Meine Sicht schwimmt und ich mein Körper wird langsam taub, ehe mich zwei sanfte Hände packen und mich an sich drücken. Seine pochende Halsschlagader vor mir, öffne ich intuitiv meinen Mund und beiße dann, mit meiner noch vorhandenen Kraft, zu.

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