Blood Hunter Kapitel 60 – Ausmaß

Anna…

 

Ich strampele immer weiter und weiter, um mein Leben, doch langsam schwinden meine Kräfte. Ich schlage dem Riesen erneut mit meinen Fäusten auf die Finger, doch sein Harter Griff will sich einfach nicht von mir lösen. Meine Kehle schnürt er so fest damit zu, ich drohe fast zu ersticken und alles, an was ich denke, ist meine Familie. Soll das wirklich alles gewesen sein? Ich denke an Ally, wie sie daliegt und wahrscheinlich nicht mehr aufwacht. Ich denke an Tor, der vielleicht in Hannah eine Partnerin gefunden hat, die er nach all der langen Zeit des Kampfes wieder als diese akzeptieren könnte. Ich denke auch an L, der wahrscheinlich, wenn er selbst wieder aufwacht, ohne Ally weiterleben muss und daran wahrscheinlich zerbrechen wird. Und zu guter Letzt, denke ich auch an Will: Der Mann, der mich gerettet hat und vor dem ich doch wieder davongelaufen bin. Ich bin nicht hergekommen, um Antworten zu bekommen, nein, ich bin hergekommen, um der größten Konfrontation meines Lebens zu entfliehen. Ich denke an die glücklichen Momente, wie wir zusammensaßen: Der Moment, vor meiner Verwandlung, als wir alle zusammen auf der Couch saßen und lachten, weil Brisk sich etwas Blut in einen Becher geschüttet hatte. Ich denke an den Moment, an dem Will mich fand. Ich war mehr tot als lebendig, doch auch da, rettete er mich. Der nächste Gedanken gilt wieder Will, wie er mich ansah, als ich aus der Tür raussprang und den Trupp davor bewahrte, in eine Falle von Raven zu tappen. Doch der letzte Gedanke ist der, als Will mir sagte, dass er mich, sobald wir alles überwunden haben, heiraten möchte.

Sofort durchfährt mich eine komische Ruhe und auf meiner Haut bildet sich eine Gänsehaut, wärend mein Körper langsam immer schwächer wird. Ich kann nicht zulassen, dass es das war. Nein, nicht so! bevor ich von dieser Welt verschwinde, will ich dem Vampir, den ich liebe sagen, was mit mir los ist. Also beiße ich die Zähne zusammen, hebe klagend meine Hände in die Luft und kneife meine Augen ganz fest zusammen, bevor ich schließlich mit letzter Kraft meine Klauen ausfahre. Ich hebe sie in die Luft und Schlage sie dem riesen mit aller letzter Kraft in seine Handgelenke, sodass er mich schlagartig keuchend loslässt. Seine Hände öffnen sich und ich lande unsanft und nach Luft ringend auf dem Boden. Sofort lege ich meine eigenen Hände an meinen Hals und kann nicht fassen, dass ich noch lebe. Hastig robbe ich zur Seite und greife gierig nach dem Gartenzwerg, der neben mir in einem Blumenbeet steht. Ich drehe mich um, um zum Schlag auszuholen, ehe sich eine Frau wütend auf mich stürzt.

 

 

 

Will…

 

»Ihre Freundin hat zusätzlich Blutkörperchen, die sich in bestimmten Bereichen befinden «, erklärt mir die Ärztin, wärend sie mir ein kleines Flächen entgegenstreckt. »Ich weiß nicht wieso aber, ich weiß, dass sie sie hat. «

»Und was heißt das? «, frage ich.

Sie steckt die Probe wieder zurück in den Halter und öffnet einen Hefter. »Ich lasse die Fachbegriffe weg, also es ist so, dass ihr Freund James mir bereits sagte, dass sie ihr Blut gekostet haben und wahnsinnig wurden. «

Wärend sie spricht sehe ich sie Überrascht an.

»Und dann habe ich ihr Blut getestet und…Warum sehen sie mich so überrascht an? Weil ich weiß, dass sie nicht menschlich sind? «, fragt sie irritiert.

Ich schenke ihr ein verächtliches Schnauben und zeige ihr mit meiner Handbewegung, sie soll fortfahren. Dass Tor ihr all diese Dinge erzählt, kann ich nicht gutheißen, doch, wenn sie etwas Nützliches herausgefunden hat, ist es gut, dass sie die Dinge wusste. Vielleicht kann sie uns helfen.

Sie nickt kurz und fährt dann fort. »Also, um es ganz einfach zu machen: Sie haben diese aggressiven, nicht dahin gehörenden Zelle in sich aufgenommen und diese haben sich dann mit ihren verbunden. Da diese aber sehr viel aggressiver sind als die normalen, haben diese ihren Körper übernommen. Woher ihre Freundin diese allerdings hat, kann ich ihnen nicht sagen. «

Ich lasse mir ihre Worte durch den Kopf gehen und denke darüber nach, wie man diese Information nutzen könnte.

»Sie haben zu viel auf einmal in sich aufgenommen, was dazu führte, dass sie wahnsinnig wurde. Sollten sie sich antrainieren, diese Zellen zu nutzen … « Sie beendet ihren Satz nicht, sieht mich lediglich an.

Ich fahre mir mit meinen Fingern durch die Haare und atme schwer. »Das heißt, dass es reichen würde sich an die Zellen zu gewöhnen und dann könnte man sie für sich nutzen? «

»So ist es. «

»Arbeiten sie weiter daran! «

Als sich plötzlich ihre Schulter anspannen und sie rot wird, schiebt sie ihre Brille erneut in der Mitte hoch. »Das werde ich. «

Ich entferne mich von ihr und setze mich neben Ally ans Bett. Ich nehme ihre Hand, denn L ist im Bad und vernichtet die Letzten Beweise des Giftes an seinem Körper. Ich halte mit der einen Hand ihre und mit der anderen meine Verletzung. Sie schmerzt immer noch sehr, doch geht es schon besser, weil die Ärztin mich behandelt hat.  

»Ally… «, flüstere ich, »Wir brauchen dich hier. Ganz dringend sogar. Ich weiß nicht, was wir ohne dich machen sollen, also wach bitte auf! « Ich sehe sie liebevoll an, ich weiß, dass sie da irgendwo noch ist. Sie wird das hier überstehen. »Ich vermisse es sogar, dass du mich anbrüllst, wenn ich was mache, was dich nervt. « Ich drücke ihre Hand noch etwas fester.

»Weißt du noch, als wir damals zusammen in der Villa im Keller trainiert haben?«, ich lächele kurz, »du warst nicht damit einverstanden, dass du die leichteren Geräte benutzen solltest. Du wolltest die gleichen, die ich benutze, du wolltest mir beweisen, dass du es draufhast. « Ich sehe sie betrübt an, hoffe, dass sie wie durch Geisterhand die Augen öffnet, doch warte ich schließlich vergebens. Sofort verschwindet das Lächeln aus meinem Gesicht und weicht das einem nachdenklichen gebrochenen Vampirs. Ich ziehe sie an mich und drücke ihr einen langen intensiven Kuss auf die Stirn.

Als die Ärztin hinter mir auftaucht lasse ich sie wieder ab. »Wollen sie, dass ich ihr noch mehr Blut gebe? «

»Geben sie ihr, was sie braucht. Egal was! Ich will nur, dass sie sie zurückholen! «

Langsam stehe ich auf und sehe ihr in die Augen. »Egal was es kostet! «

Sie nickt unmerklich, hat den Ernst der Lage verstanden, doch sie hat noch etwas auf dem Herzen, ich kann es ihr ansehen.

»Ist noch was? «

Sie kaut auf ihrer Lippe rum, bevor sie spricht. »Ich…also…Ich bin sehr müde und ich habe die ganze Nacht gearbeitet und ich will meine Arbeit gut machen und…«, sprudelt es aus ihr raus, doch ich unterbreche sie. »Wie lange? «

Sie klimpert ein paar Mal mit den Lidern. »Sechs Stunden dann bin ich wieder voll einsatzbereit. «

Ich werfe erneut einen Blick auf Allys leblosen Körper. »Gehen sie! «

 

Ich schlendere langsam die Treppe herunter und überlege, was der beste Schritt wäre, den ich nun angehen kann, bis Anna wieder da ist. Ich entscheide mich dafür, den Kotrollraum aufzusuchen und zu sehen, wer es noch aus der brennenden Villa geschafft hat. 

Ich erreiche den langen Schlauch mit den Ruheräumen und gehe bis zum Ende durch. Prüfend werfe ich einen Blick zurück, bevor ich meine Hand links auf die Wand lege. Sofort wird meine Hand durch einen Scanner geprüft und eine bisher unsichtbare Tür öffnet sich. Rasch trete ich ein und schalte das Licht neben mir an der Wand an. Die Tür schließt sich hinter mir sofort und ich mache ein paar Schritte weiter in den Raum hinein. Vor mir befinden sich zwei große an der Wand stehende Schreibtische, an denen locker vier Personen Platz nehmen könnten mit großen Monitoren darauf. Schnell ziehe ich die Hüllen der Bildschirme ab und fahre den Haupt Computer hoch. Ich hatte nie viel übrig für Technik doch man brachte uns schnell bei, wie man, sollte es einen Notfall geben und man müsse fliehen, ein Quartier findet und sich zurückmelden kann. Aber nicht nur das geht mit diesen Hightech Sachen. Nein, es ist ein leichtes, da diese Teile auf dem neusten Stand sind, Leute ausfindig zu machen und diese für beliebige Zwecke zu nutzen. Eigentlich war dies immer L’s Aufgabe, doch will ich mich dem erst einmal alleine Stellen.

Ich drücke auf dem Bildschirm auf ein Programm, dass mir die umliegenden Verstecke zeigt und drücke auf das, welches für die Übrigen eine Nachricht anzeigt. Wie ein kleiner roter Pfeil, schwebt es über dem blauen Punkt, dass das Versteck sein soll. Ich klicke mit meinem Finger auf den Kreis, bevor die Nachricht sich von selbst abspielt.

»Hier spricht Charles, die rechte Hand des Königs. Wenn ihr das hier hört, heißt das, dass ihr es aus dem brennenden Villa geschafft habt und hoffentlich wohl auf seid! Ich bitte euch, euch umgehend bei mir zu melden, damit wir auf dem neusten Stand der Dinge bleiben. Ich hoffe, dass es euch allen gut geht! « Ist in Dauerschleife zu hören.

Mit dem neusten Stand der Dinge, meint er, wer noch lebt und wer in dem brennenden Haus umgekommen ist.

Ich lasse meinen Finger über das Symbol streifen, um Kontakt mit ihm aufzunehmen, doch bin ich mir plötzlich nicht mehr so sicher, ob ich das wirklich will. Will ich wirklich das ganze Ausmaß meiner Dummheit wissen. Will ich wirklich wissen, was mit meinem Vater geschehen ist? Ich weiß, dass er in Ravens Hand war, was zwangsläufig bedeutet, dass sie ihn danach getötet haben muss. Ich kenne sie, nur um mir zu schaden, wäre sie über Leichen gegangen. Über die meines Vaters.

Ich muss die Wahrheit erfahren, auch, wenn sie mir vielleicht nicht gefällt. Vielleicht sagt er mir ja, dass mein Vater noch lebt. Kurzerhand drücke ich auf den Knopf, um den Kontakt herzustellen, als seine Stimme sofort zu hören ist.

»Hier Charles, wer da? Seid ihr wohlauf? «

Ich zögere einen Moment, doch lege ich dann doch meinen Finger auf das Symbol zum Sprechen. »Hier spricht William Hunt. Wir sind verwundet, doch geht es uns soweit gut.«

 

 

 

 

Anna…

 

Wütend geht eine schwarzhaarige Frau mit ihren ausgestreckten Krallen auf mich los und versucht ihre kleinen, flinken Hände um meinen Hals zu legen, doch ich bin schneller. Sofort ziele ich mit dem Gartenzwerg auf sie, bevor er mir, an ihrem Kopf zerbrechend, aus den Händen fällt. Keuchend schlage ich sie von mir herunter, doch ich habe sie nur leicht verletzt. Rasch greife ich in meinen Stiefel und ziehe mein Messer aus der Seite heraus. Ich krabbele ein Stück zur Seite, bevor ich keuchend aufstehe und das Messer bedrohlich auf sie richte. Auch sie steht schweratmend auf und das Blut läuft ihr dabei am Auge herunter. Ich habe sie wohl doch erwischt.

»Was wollt ihr von mir? «, brülle ich sie wütend an, wärend mein ganzer Körper vor Erschöpfung bebt.

Mein Messer halte ich auf sie gerichtet, doch mein Körper schwangt und ich ringe nach Luft. Schnell nimmt sie ihre Hände in die Höhe und lächelt mich durchtrieben an. »Hab schon viel von dir gehört. Du scheinst deinem Ruf gerecht zu werden. «

Irritiert sehe ich sie an. Ist sie eine von Ravens Leuten? »Wer bist du? «

In einem kurzen Moment meiner Unachtsamkeit, greift sie zu einer Gießkanne und wirft sie in meine Richtung. Wärend er auf mich zufliegt, schubse ich diesen Mühelos zu Seite, doch die Frau befindet sich direkt dahinter und geht erneut auf mich los. Sie ringt mich schließlich zu Boden, doch ich kann gegen sie Stand halten. Sie drückt mich zu Boden, sitzt jetzt auf mir drauf, doch jeden nächsten Schritt, den sie macht, kann ich kontern. Sehnsüchtig werfe ich einen Blick auf mein Messer, dass nicht weit von mir entfernt liegt. Kurzerhand holt sie zum Schlag aus, doch ich greife nach ihrem Arm. Schnell schiebe ich sie zur Seite und drehe mich dann angestrengt mit ihr um, sodass ich nun oben liege. Ich hole ebenfalls aus, doch kann sie meinem Schlag nicht ausweichen und ich treffe sie direkt auf der Nase. Ein dumpfer Schlag ist zu hören und meine Hand schmerzt plötzlich höllisch, doch der Blick der Frau ist danach ausdruckslos. Sie bewegt sich nicht mehr. Keuchend lasse ich mich von ihr runterfallen und fahre mir mit meinem Handrücken durchs Gesicht, als mich plötzlich erneut zwei starke Hände von hinten packen. Es sind abermals die Hände, die mich fast ins Grab gebracht hatten.

 

 

 

 

Will…

 

»Mein Prinz, ihr lebt! «, stellt Charles erleichtert fest, »Ihr seid im Arsenal, das ist schön, doch ich würde euch dazu raten, auch da zu bleiben. Wer hat es noch mit euch raus geschafft? «

Ich schlucke schwer und lege meine Finger auf meinen Mund. »Linus Fond ist hier mit Alison Day und James Torell. Außerdem hat es Lucas Brisk leider nicht bis hier hin mit geschafft. Zusätzlich befinden sich in diesem versteck noch eine menschliche Ärztin und Anna Pierce.«

Kurzerhand erzähle ich ihm, was bis hier hin geschehen ist und er hört mir aufmerksam zu. Charles hatte meinem Vater jahrelang immer gute Dienste erwiesen, er kennt mich seit ich klein bin. Ich vertraue ihm, weshalb ich ihm auch die ganze Situation erzähle.

»Verlasst das Versteck nicht, mein Prinz! Unter keinen Umständen ihr seid immer noch in Gefahr und ihr kennt Raven genau so gut wie ich, sie wird nicht müde werden es zu versuchen, euch oder euren Vater zu töten! «

Ich nicke, obwohl er mich nicht sehen kann. »Hast du was von meinem Vater gehört? «, presse ich schließlich heraus.

Es dauert ein paar Sekunden, ehe er spricht. »Ich weiß, ihr wollte das nicht hören aber es wäre gut, wenn ihr erst einmal das Sagen übernehmt, bis wir euren Vater gefunden haben. Tot oder lebendig, unser Volk braucht einen König.«

Ich schlage mit der Faust auf den Tisch und presse wütend meine Lippen auf einander. »Du weißt, dass ich das nicht kann! «

»Ihr müsst! Das ist eure Bestimmung, mein Prinz. «

Ich lasse mir seine Worte mehrmals durch den Kopf gehen, doch es muss noch eine andere Möglichkeit geben.

»Wie viele haben überlebt? «

»Von unserem Volk haben es lediglich hundertzwei geschafft und sie sind alle in den umliegenden Verstecken. «

Nachdenklich tippe ich mir auf mein Kinn. »Charles…Ich…Ich muss darüber nachdenken. Ich werde mich wieder bei dir melden! «

»Euer Volk braucht euch… «, brüllt er noch, ehe ich die Verbindung kappe. Er kennt mich, wusste, dass ich das tun würde.

Erschöpft trete ich vom Tisch zurück und fahre mir mit den Fingern durch mein Gesicht.

»Euer Volk braucht euch «, flüstere ich angestrengt und plötzlich habe ich das Gefühl, dass etwas nicht mit Anna stimmt.

 

 

 

 

Anna…

 

Ich dachte, ich hätte sie geschlagen, doch wer auch immer diese Beiden sind, sie haben mich besiegt. Kraftlos hänge ich in den Armen des Mannes, der mich zu erwürgen droht und ich kann rein gar nichts dagegen tun. » Jetzt ist es vorbei, das war es wohl mit mir «, geht es durch meinen Kopf, wärend ich die Augen schließe und mich darauf vorbereite endlich das zeitliche zu segnen. Vielleicht habe ich das ja verdient. Vielleicht verdiene ich es nicht, weiter zu leben.

Als sich plötzlich diese riesigen Hände lösen und ich zu Boden falle, fühle ich mich seltsam befreit. Es fühlt sich gut an, hier zu liegen. Es fühlt sich gut an, nichts zu fühlen… Langsam schließe ich meine Augen und bin froh, dass es vorbei ist.

 

 

 

Langsam und vorsichtig öffne ich meine Lider. Ich spüre meinen Körper nicht, doch bin ich augenscheinlich noch nicht tot. Ich versuche sie ein wenig weiter zu öffnen, doch es gelingt mir erst nicht. Sofort sind hektische Stimme neben mir zu hören, die aufgeregt ein paar Namen rufen. Ich versuche die restlichen meiner Gliedmaßen zu bewegen, doch es klappt nicht. »Hilf… «, keuche ich, in der Hoffnung, wer auch immer da ist, hilft mir. Ich öffne erneut meine Lider und sehe plötzlich Hannah.

»Bleiben sie ruhig, sie sind sehr schwach! «, flüstert sie besorgt und rennt um mich herum.

Sofort geht eine Tür auf und ein Mann, den ich nicht erkennen kann, tritt an mein Bett.

»Sie ist wach. «

Sie rennt aus dem Zimmer, das kann ich sehen, weil sich meine Sicht langsam bessert. Vorsichtig versuche ich meine Arme anzuheben und es klappt schließlich. Immer mehr an meinem Körper kommt zurück.

Ich versuche mich langsam auf zu setzen, als ich sehe, dass Will vor mir steht. Ich schlucke schwer, als ich ihn erkenne, denn ich dachte wirklich ich sei tot.

Sein Blick durchbohrt mich fast, er will sicher wissen was mir passiert ist. »Will «, keuche ich und strecke ihm meine Hand entgegen. Schnell ist er bei mir und setzt sich auf meine bettkannte. »Es tut mir leid…Ich…«, flüstere ich, doch er unterbricht mich. »Du kannst nichts dafür es ist ok. Sag mir nur, wieso du nach Austin gefahren bist! «

Er nimmt meine Hand und drückt sie fest.

 

 

 

Will…

 

Ich kann nicht mit ansehen, wie übel dieser Kerl sie zugerichtet hat, Ihr ganzer Hals ist angeschwollen und sie hat verschiedene Kratzer im Gesicht, doch Tor hat den Vampir letztendlich in der Mitte in zwei gerissen.  Hätte er es nicht getan, hätte ich es zweifellos. Er hat mir erzählt, dass alles nach einem Kampf hingedeutet hat, dass sie eine Frau, wie sich raus stellte eine Kopfgeldjägerin, erschlagen haben muss. Sie hat wohl nur aus Notwehr gehandelt, doch war sie in der Lage, Jemanden mit bloßen Händen zu töten.

Als ich sie frage, was sie in Austin gemacht hat, sagt sie nichts. Ihr Blick wandert nach rechts und sie sieht sich erst einmal um. »Du bist in Sicherheit, Anna. Alles ist gut! «, versichere ich ihr nochmals.

Sie sieht zu Ally nach rechts, die sich immer noch nicht regt und schluckt dann schwer. »Ich war bei meinem Dad, für ein paar Antworten. «

Ich sehe sie fragend an. »Auf welche Fragen? «

Regungslos starrt sie auf ihre Decke. »Ich…«

Ich merke, dass irgendetwas vorgefallen sein muss, sie benimmt sich merkwürdig und ich will jetzt endlich wissen, was sie mir sagen wollte. Sicher hängen diese Dinge zusammen. »Du kannst mit mir über alles reden, das weißt du oder? «

Als ihr Blick plötzlich zu Traurigkeit umschlägt, sehe ich sie besorgt an. Ihr rinnen nun Tränen über die Wangen und sie versucht die Beine anzuziehen. »Anna jetzt sag mir bitte was los ist! Ich mache mir Sorgen! «

Ihre Tränen werden plötzlich zum Schluchzen, wärend sie ihre Arme um ihre Beine schlingt. Je mehr ich auf sie eingehe, desto mehr zieht sie sich zurück, weshalb ich beschließe mich ein wenig von ihr zu entfernen. Gerade als ich aufstehen will, greift sie jedoch meine Hände. »Bitte geh nicht. Bitte verlass mich nicht! «, schluchzt sie und verwirrt mich damit vollkommen. Hin und hergerissen stehe ich da und weiß nicht, was ich tun soll. Die Tür geht plötzlich auf und Torell kommt herein.

»Hey! Wollte nicht stören, wollte nur mal sehen, wie es ihr geht.«

Er tritt ebenfalls an ihr Bett ran, wärend sie mich plötzlich loslässt. Ich sehe sie daraufhin fragend an, doch sie sieht auf den kleinen rollenden Wagen der Ärztin.

»Kann mir jetzt bitte mal einer erklären was los ist? «

Tor sieht ihr daraufhin in die Augen, doch sie schüttelt wild mit dem Kopf. »Anna ich bitte dich ein letztes Mal! «, sage ich, wärend ich doch noch mal einen Schritt auf sie zu mache.

»Sag es ihm! «, flüstert Tor, doch sie scheint nicht die Absichten zu haben, mir irgendwas zu sagen. Ich drehe mich zu ihm um. »Sagst du mir was hier los ist? « Noch ehe er antworten kann, springt sie plötzlich auf und rennt an mir vorbei. Rasch hat sie das Bett verlassen und rennt aus dem Zimmer. »Anna! «, rufe ich ihr hinterher, doch sie bleibt nicht stehen. Ich springe ebenfalls auf und folge ihr, doch sie ist verdammt schnell. Als ich den Treppenabsatz erreiche, ist sie bereits nicht mehr zu sehen, doch steht die Tür zum Walt hin offen. »Das ist nicht dein Ernst! «, presse ich durch die Zähne und folge ihr.

Ich mach mich darauf gefasst, sie durch den ganzen Wald hindurch zu suchen und erst zurück zu kommen, wenn ich sie gefunden habe, als ich sie plötzlich auf einem Hügel stehen sehe. Ich verlangsame meinen Schritt und strecke ihr meine Hand entgegen, als ich sie endlich erreiche.

Sofort dreht sie sich um, doch hält sie sich schweratmend und schluchzend das Skalpell der Ärztin an den Hals. Ihre Nasenlöcher beben und sie scheint sehr aufgeregt. Ihre Augen reißt sie auf, als wäre sie auf Drogen.

»Komm nicht näher! «, keift sie, als wäre sie durchgedreht.

Sofort bleibe ich stehen und kann nicht fassen, was sie vorhat. »Was wird das hier? «

Für einen kurzen Moment überlegt sie. »Ich…Du wirst mich so oder so verlassen, dann kann ich mich auch gleich umbringen! «, keift sie erneut.

Wo kommt das denn auf einmal her? »Anna, warum sollte ich dich verlassen? «

Sie greift sich verzweifelt an den Kopf, doch mit der anderen Seite hält sie sich immer noch das Skalpell an den Hals.

»Du führst dich auf, wie eine Verrückte. Ich weiß nicht worum es geht! «, brülle ich sie an.

»Ich werde dem Ganzen ein Ende setzen und ich werde es gleich tun. Du sollst dein Leben leben, Will. Ich liebe dich aber ich kann nicht bei dir sein! «, sie sieht für einen kurzen Moment nach oben, ist völlig außer sich.  »Ich will nicht zu denen gehören, das sind Monster! «

Mit diesem Satz setzt sie plötzlich das Messer an und springt die Schlucht hinab. Ich versuche sie zu packen, doch sie rinnt mir wie Sand, durch die Hände.

 

 

-Ende Band 1-

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s