Blood Hunter Kapitel 52

Die weitere Fahrt verläuft ruhig, was bedeuten soll, die Ärztin hat keinen weiteren Ton von sich gegeben, doch sind auch Adams Erinnerungen nicht noch einmal vor meinem geistigen Auge abgelaufen. Für jede Minute, in der das so bleibt, bin ich unendlich dankbar. Mit ihr an meiner Seite scheint es zu klappen, Hauptsache ich muss nicht mit mir und meinen Gedanken alleine sein.

Ich fahre von der Autobahn ab, bin nur in den nächsten Ort gefahren und folge schließlich einer langen Landstraße.

»Wo muss ich abbiegen? «, frage ich sie und unterbreche damit das anhaltende Schweigen.

Sie hebt ihren Kopf an und sieht in meine Richtung. »Wenn wir die Straße verlassen ist das gleich am Anfang der Stadt. «

Sie zeigt mit ihrem Finger auf die kleine Stadt, die schon am Horizont zu sehen ist. Ich fahre weiterhin nach ihrer Anweisung und wir erreichen dann schließlich die Straße die wir suchen. Langsam fahre ich in sie hinein, in der Hoffnung die Hausnummer vierundzwanzig sofort zu finden.

»Hier ist Achtzehn und Zwanzig, dann muss die Vierundzwanzig gleich da vorne sein «, sage ich euphorisch und drücke ein wenig mehr aufs Gas. Wir erreichen die Nummer Zweiundzwanzig, doch ist dies plötzlich das letzte Haus in dieser Straße.

»Merkwürdig «, flüstert die Ärztin und holt den Zettel erneut hervor.

Als sie komisch dreinblickt, bleibe ich am Straßenrand stehen und nehme ihn ihr ab.

…Wenn du Nr. 22 erreicht hast mache 40 kleine Schritt von ihr aus nach rechts. Dir wird auffallen, dass der Wald bald beginnt.“ steht auf dem Zettel und ich löse daraufhin schnell den Gurt des Wagens und steige aus. Noch ehe ich die Tür zugeschlagen habe, folgt die Ärztin mir auf dem Fuß. Als ich vor der Nummer zweiundzwanzig stehe, schaue ich an dem Haus hoch. »Das ist das letzte Haus «, stelle ich fest. »Danach kommt nichts mehr. «

Die Ärztin geht rechts an dem Haus vorbei, doch kommt sie kurz darauf zu mir zurück. »Wir sind aber in der richtigen Straße. «

»Ich weiß, von hier aus nun Vierzig Schritte. « Ich sehe nachdenklich auf meinen Zettel.

»Ist das so eine Geheimagenten Nummer? «, fragt sie Scherzhaft und stellt sich neben das Haus. Sie setzt einen Fuß vor den anderen, ehe ich verstehe. »Vierzig Schritte «, sage ich euphorisch und sehe ihr dabei zu, wie sie sich vom Haus entfernt. Bei ihrem achtunddreißigstem schritt überhole ich sie hastig und schaue begeistert in den Wald. »Wir haben es gefunden, endlich «, flüstere ich hoffnungsvoll. Die Ärztin stellt sich neben mich und schaut mich verwirrt an.

»Also ich sehe da nichts. «

»Sie sind ja auch nur ein Mensch «, spotte ich, bevor ich merke, was ich da gerade gesagt habe. Schnell senke ich den Kopf und sehe auf den Zettel. Sie sagt nichts, ich kann spüren, dass sie mich anstarrt, etwas von mir verlangt, doch ich kann es ihr nicht geben. »Holen wir den Van «, sage ich etwas freundlicher und gehe mit großen Schritten auf ihn zu.

Erst bleibt sie stehen, kann wahrscheinlich nicht verstehen, was los ist. Vielleicht denkt sie, ich sei verrückt oder völlig übergeschnappt aber das ist mir gerade egal. Sie holt mich ein und setzt sich erneut auf den Beifahrersitz.

 

Ich stelle den Van neben dem Waldanfang ab und steige aus. »Bleiben sie hier!«

Sie tut was ich sage, widersetzt sich mir nicht und bleibt im Auto sitzen, wärend ich mich ein paar Meter von ihm entferne. Ich nähere mich einem ganz bestimmten Baum mit einem Symbol, das ich beim letzten Mal nicht gesehen hatte. Es war mir schlichtweg nicht aufgefallen, weil ich noch ein Mensch war. Ich hatte den Trupp gerade erst kennen gelernt und war auf alles andere fixiert, nur nicht auf den Baum. Langsam hebe ich meine Hand. Er scheint mich elektrisch anzuziehen, denn als meine Hand ihn fast berührt, kribbelt sie, als würden tausend kleine Spinnen darauf tanzen. Ich habe das Symbol sofort wiedererkannt, es fühlt sich nach Heimat an, was komisch für mich ist. Ich drücke meine Handfläche fest auf seine Form und kann mir dabei ein kleines Lächeln nicht verkneifen. Als mit einem Mal ein größeres Holzhaus zwischen den Bäumen auftaucht bin ich überglücklich. Euphorisch drehe ich mich um. Das zu erklären wird noch mal ein kleiner anstrengender Kampf, doch wenn die Ärztin eingesehen hat, dass es mehr gibt, als das, was der menschliche Geist erfassen kann, kann sie endlich anfangen den Trupp zu behandeln. Hastig renne ich auf sie zu, schaue sie – wärend ich ihre Tür öffne – genau an.

Sie kann ihren Blick nicht von dem Haus abwenden, doch scheint sie nicht geschockt.

»Wir müssen uns beeilen! «, flüstere ich und gehe um den Van herum. Ich öffne die Hintertüren, als sie langsam auf mich zu kommt. »Ja, ein Schock, ich weiß aber…«, setze ich an, doch sie unterbricht mich.

»Womit können wir sie hereinbringen? «

Ich sehe sie für einen Moment verwirrt an. »Kein „Wieso? Oder ein „oh Gott“?«

»Wenn sie das wünschen, gerne aber ich will mich jetzt um ihre Freunde kümmern. «

Schnell wirft sie einen Blick auf die leblosen Körper. »Sie wurden vergiftet aber wir müssen uns beeilen, ich weiß nicht, was das für ein Gift ist. «

»Dann helfen sie mir sie rein zu tragen! « Ich ziehe Ally an den Beinen so weit heraus, dass ich sie mir über die Schulter werfen kann und setze mich in Bewegung. Da das Haus für die Menschen abgeschirmt ist, ist die Tür nicht verschlossen. Ich öffne sie, in dem ich sie leicht zur Seite schiebe und trete ein.

»Wow «, flüstere ich völlig überwältigt, als ich die Ausstattung sehe. Dahingegen war die Hütte der reinste Witz. Das ganze Haus ist mit hellem Holz verkleidet, alles wirkt groß und sauber wie in einem Spar Abteil in einer teuren Saunaanlage. Da es bereits Tag ist, muss ich das Licht nicht anschalten und trete weiter in den Raum ein. Als erstes folgt man einem kleinen Flur, der nach links führt. Alles ist offen und freundlich und den Raum umgeben große Fenster, die eine tolle Aussicht nach draußen bieten. Ein paar Sessel stehen in einer Sitzgruppe vor einem der großen Fenster, ich stelle mir vor dort mit einem Buch zu sitzen und in Ruhe zu lesen. Direkt daran folgt ein neuer Teil des Hauses. Es geht gerade aus, wo ich weitere Türen sehen kann und schließlich nach oben in Form einer schönen Treppe die ebenfalls mit Holz verkleidet wurde. Ich beschließe Ally erst einmal auf einen der Sessel ab zu legen und die Krankenstation zu suchen. Ally hatte mir einst gesagt, dass jedes versteck auch eine kleine Krankenstation besitzt, also muss hier auch eine zu finden sein. Schnell renne ich die Treppe hinauf und öffne eine große Tür, die mir bereits verrät, dass ich richtig sein muss. Ich öffne sie, als mich fast der Schlag trifft. Ich komme mir vor, als wäre ich in einem teuren Krankenhaus, auf einer Privatetage, wo die richtig reichen unterkommen. Schnell drehe ich mich um und renne die Treppe wieder herunter. Rasch trage ich Ally hinauf und lege sie in das Bett, dass links an der Wand steht. Im Raum verteil stehen jeweils noch sechs weitere Betten. Hier wurde also für den Ernstfall mitgedacht. Ob Will wusste, dass wir hierherkommen werden? Er hatte Brisk schließlich auch gesagt, dass er für mich sorgen sollte, würde er nicht überleben. Wenn ja, werde ich sicher noch einige Überraschungen entdecken.

Ich renne die Treppe wieder hinab und erreiche schließlich den Van.

»Da sind sie ja, ich dachte schon, sie haben es sich schon gemütlich gemacht. «

Ich gehe auf ihre Provokation nicht ein und schubse sie zur Seite. »ich werde das jetzt mal diskret überhören. Gehen sie rein, im oberen Stockwerk ist die Krankenstation, fangen sie bei Ally mit der Behandlung an, das Gift ist länger in ihrem Körper als bei den anderen. « Schnell dreht sie sich um und rennt los. Als nächstes schnappe ich mir Will, überlege, wie ich ihn hineinbekomme. Ich ziehe ihn aus dem Van und schleife ihn dann unsanft über den Boden ins Haus. Ich stelle mich hinter ihn und greife unter seine Arme, um ihn die Treppe hinauf zu ziehen. Er ist schwerer als ich dachte, doch ich gebe nicht auf.

Es dauert eine Weile, doch ich schaffe es schließlich und habe alle in ihre Betten gelegt.

Die Ärztin hat übernommen sieht mich im Anschluss betrübt an. »ich mache das hier schon, gehen sie und machen sie sich sauber! «, sagt sie sanft und sieht an mir herab. Sie hat jedem bereits ein paar Schläuche in die Arme gesteckt und hat mir erklärt, dass sie noch herausfinden muss, um welches Gift es sich genau handele sie aber bald wissen würde, was es ist und dementsprechend eine Maßnahme ergreifen würde. Ich nickte und nun stehe ich da, völlig fertig und hilflos. Ich kann ihr nicht helfen, doch fällt es mir ebenso schwer einfach zu gehen.

»Ich…will helfen. «

»Gehen sie schon! Waschen sie sich, denken sie darüber nach, was ihnen passiert ist. Menschen, die zu mir kamen, nachdem sie im Irak waren, sahen genauso schlimm aus, wie sie. Wenn sie jetzt nicht etwas zur Ruhe kommen, wird das schlimme Folgen haben. Das wollen sie doch nicht, oder? «, herrscht sie mich plötzlich an und ich bin über ihren Ton sehr überrascht. Ich sehe sie darauf hin genervt an und blecke die Zähne. Das kann ich nicht auch noch gebrauchen. Ich weiß, dass sie mir damit nur helfen will, also beschließe ich mich erst einmal zu waschen, drehe mich dazu langsam um und schließe die Tür hinter mir.

Müde schlendere ich die Treppe herunter und entscheide mich dafür, erst einmal im Haus um zu sehen. Ich erreiche die letzte Stufe der Treppe und halte mich am Geländer fest. Der Ausblick aus dem Fenster ist wunderschön ich kann mich nicht daran erinnern, wann ich das letzte Mal so entspannt war. Langsam steige ich die Stufe herunter und drehe mich nach rechts um. Ich strecke meinen Kopf in den langen Gang und sehe, dass dort insgesamt sechs weitere Türen sind. Ich trete langsam näher und öffne die erste. Das erste, was mir ins Auge fällt, ist das große Kingsize Bett, dass sich in der Mitte des Raumes befindet. Der Raum an sich ist nicht groß, es reicht für eine Person und ein paar persönliche Sachen. Ein großes Fenster mit tollem Blick ist auch hier vorhanden.

Ich schließe die Tür und öffne die nächste, doch das Zimmer sieht genauso aus wie das davor. Ich probiere alle Zimmer aus, doch finde ich keine Unterschiede. Ich schlendere den Flur zurück zu dem großen Zimmer mit der Sitzgruppe und schaue mich um. »Wo ist denn das Bad? «, flüstere ich und entdecke die Tür schließlich hinter der Treppe. Schnell gehe ich auf sie zu und trete ein. Auch hier wurde nicht am Luxus gespart: In der rechten Ecke befindet sich eine große Zweimann-Badewanne und irgendwie kommt mir das hier alles komisch bekannt vor. Es erinnert mich an das Bad von Will. Als ich so darüber nachdenke, pocht mein Herz an meine Brust. Wie wird er wohl reagieren, wenn er erfährt, was passiert ist? Die Villa ist nun Schutt und Asche, all sein Gut ist verschwunden.

Ich versuche die aufkommenden negativen Gedanken bei Seite zu schieben und trete wieder aus dem Bad heraus. Ich gehe langsam auf die große Schiebetür zu und öffne sie dann. Ich trete heraus und gehe ein paar Meter bis zum Abhang, wärend mir ein kleiner Windhauch ins Gesicht bläst. Vorsichtig setze ich mich hin und schlinge dann meine Arme um meine angewinkelten Beine. Ich lege meinen Kopf auf meine Arme und starre in die aufgehende Sonne. Das habe ich so sehr vermisst. Seit langem, habe ich es nicht mehr gespürt. Ich lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen, doch was ich eigentlich meinte war: Hoffnung.

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