Blood Hunter Kapitel 51

Ich drehe das Radio schnell lauter, denn meine aufkommenden Gedanken drohen mich förmlich zu zerreißen. Immer wieder werfe ich einen Blick zurück in den Rückspiegel, falls sich Jemand regt oder gar aufwacht, doch bisher ist es nicht geschehen. Immer wieder durchfahren mich Erinnerungen, die mich quälen, denn ich fühle mich allein und will mich ihnen nicht stellen. Nein, ich kann es jetzt nicht. Allein mit mir selbst und der Welt, niemand ist da, um mir den Schmerz zu nehmen oder mich gar mit einer Umarmung aus meiner grauen, belastenden Welt zu ziehen. Unser neues Zuhause, das alte Zuhause des Trupps, ich kann nicht aufhören über die Folgen und das ganze Ausmaß, dass uns jetzt widerfahren wird, nach zu denken. Wäre ich noch das Mädchen, welches ich wahr, bevor mir all dieses Leid widerfahren wäre, würde ich mir jetzt an einer abgelegenen Tankstelle eine Flasche Wodka kaufen und mich um Hinterhof damit so sinnlos besaufen, dass ich davon noch Tage später spüren würde. Aber das bin ich nicht mehr. Nein, die alte Anna, das Mädchen mit dem normalen Leben, dem einfachen leben, ist der gefährlichen, schnell handelnden Anna Dent gewichen. »Anna Dent «, flüstere ich so abwertend wie ich kann und ekele mich dabei vor mir selbst. Ein kleiner Schauer rennt mir über den Rücken, als ich die Worte erneut ausspreche, um es mir vor Augen zu führen. Ich will mich selbst dafür bestrafen, was ich bin. Ich habe es gewusst, ich habe es irgendwie die ganze Zeit gewusst. Ich war nie zu etwas Besserem berufen, nein, ich bin dazu berufen ein Leben in Einsamkeit zu verbringen, weil Will mich nicht mehr lieben wird. Er hasst diese Vampire und ich war bereit jeden einzelnen von ihnen für ihn abzuschlachten. Ich werde den einzigen Vampir, den ich wirklich in meinem Leben brauche, verlieren, weil ich das bin, was er letztendlich so sehr hasst. Er weiß es vielleicht noch nicht, doch er wird es herausfinden, so oder so und dann wird er sich von mir abwenden, genau wie alle anderen es tun werden. Was bleibt mir dann noch? Das Exil? Zu meiner Mutter und meiner Schwester kann ich schließlich nicht zurück, sie werden Jagt auf mich machen und das, bis an mein Lebensende. Ich kann meine Tränen plötzlich nicht mehr zurückhalten. Ich wische sie mir schnell mit meinem Handrücken ab, wärend die Lichter der Stadt vorne auf meiner Windschutzscheibe tanzen. Ich werfe erneut einen Blick in den Rückspiegel, versuche Adams Erinnerungen, die meines Bruders, zu verdrängen und es gelingt mir plötzlich ganz gut. Schnell versuche ich die Spuren meiner Trauer zu unterdrücken, denn ich will nicht, dass mich so jemand sieht, sollte einer des Trupps erwachen. Ich hoffe jedenfalls, dass sie das tun.

Ich greife mit meiner Hand auf den Beifahrersitz. »Amelia Street «, lese ich vom Zettel ab und schaue auf das nächste Straßenschild, wärend ich daran vorbeifahre. »Das ist sie. «

Ich biege in die nächste Straße ein und fahre dann auf den großen Parkplatz vor dem Krankenhaus. Ich folge dem Weg bis hin zu der großen Notaufnahme. Ich erinnere mich an das hier zurück und als ich die große Feuerwehr einfahrt sehe, kommen die Erinnerungen an unser Flucht zurück.

Ich drehe den Van auf dem großen Parkplatz und stelle ihn schließlich so ab, dass ich problemlos abhauen kann, sollte ich es müssen, doch ich werde es gewiss nicht ohne die Ärztin tun.

Rasch schiebe ich den Zettel auf Seite und greife nach meiner Waffe. Ich entsichere sie schnell und lasse die Schlüssel vom Van stecken, um auszusteigen. Da es bald Tag wird, muss ich mich beeilen. Mit schnellen Schritten folge ich dem schmalen Weg zur Notaufnahme und als ich sie schließlich erreiche, verstecke ich meine Waffe unter meinem Pullover. Bevor ich reingehe, sehe ich mich noch einmal um. Es ist niemand zu sehen, also schiebe ich die eine Seite der Tür zur Seite auf und trete ein, nicht wissend was mich erwarten wird.

Der Flur erstrahlt in einem freundlichen Gelb, man fühlt sich sofort gut aufgehoben, anders als beim letzten Mal, da war alles eher in dunklen Tönen gehalten. Ich steuere auf die Rezeption zu und nehme mir vor, es erst einmal mit Freundlichkeit zu versuchen.

»Entschuldigung, ist Miss Kingstown im Haus? «, frage ich flüsternd die freundlich guckende Schwester hinter der wohl neuen Glasscheibe. Wir müssen wohl ganz schön aufsehen erweckt haben. Sie mustert mich eingehend, bevor sie spricht, sieht mich durchdringend an. Vorsichtshalber lege ich meinen Finger auf den Abzug und lächele sie dabei freundlich an. Meinen Mund öffne ich dabei nicht, dann würde sie wahrscheinlich ausflippen. »Also? «

Ihr Ausdruck wird plötzlich weicher. »Ja sie hat heute Dienst. Kann ich ihnen nicht weiterhelfen? «

Nein, das kann sie ganz gewiss nicht.

»Nein, es ist sehr wichtig, könnten Sie sie vielleicht holen? «, sage ich so nett es geht, doch versuche ich ihr zu zeigen, dass es wirklich ernst ist.

Sie macht es schon wieder, sie starrt mich komisch an. Wenn sie sie nicht rausholen will, dann gehe ich da selber rein. Ich werde das ganze Krankenhaus nach ihr absuchen auch, wenn ich jeden in diesem Haus umbringen muss.

Rasch nimmt sie ihr Telefon in die Hand und wählt eine Nummer. Sie hebt ihren Zeigefinger in die Höhe und sieht mich dann freundlich an, was wohl „einen Moment“ heißen soll. Ich nicke und trete nervös einen Schritt zurück.

Sobald sie mich erkennen wird, wird sie Alarm schlagen, weshalb ich mich beeilen muss. Ich muss sie schnellstens hier raus schaffen, sonst sind Will und die anderen weiterhin und Gefahr. Ich darf einfach nicht versagen.

»…Ja, sie will mit ihnen persönlich sprechen, Miss Kingstown. Ja, warten sie! « Schnell beugt sie sich über den Schreibtisch und klopft auf die Scheibe. »Miss? Wie ist ihr Name? «

Mein Name? Darüber habe ich noch gar nicht nachgedacht. »Ich… mein Name … «, stottere ich vor mich hin und schaue mich dabei schnell um. Als ich an die Pinnwand sehe, hängt dort ein Foto mit vermissten Tieren. Auf einem der Zettel steht „Wir suchen unsere Katze. Sie heißt Mini“.

»…Mini Walker ist mein Name. «

Sie schaut mich verdutzt an. Ich war wohl nicht überzeugend genug. Sie schaut mich erneut durchdringend an und ich ziehe vorsichtshalber langsam meine Waffe heraus.

»Miss, ich habe wirklich keine Zeit und … «, sage ich hastig, doch sie legt das Telefon plötzlich wieder auf. »Sie kommt. «

Ich sehe sie verdutzt an, schiebe schnell meine Waffe zurück unter meinen Pullover und entferne mich ein wenig von ihr.

»Danke «, flüstere ich und sehe mich dann nervös um. Immer wieder trete ich aufgeregt von einem Fuß auf den anderen, kann es kaum erwarten, dass sie kommt. Als die große Tür hinter mir endlich aufgeht, ziehe ich mich etwas zurück. Schnell kommt zu auf die Rezeption zu gelaufen. »Was ist los? «, fragt sie die Frau, die lediglich lächelnd auf mich zeigt. Als die Ärztin mich sieht, wird ihr Blick plötzlich ernster, doch sie kommt langsam und vorsichtig auf mich zu.

»Miss? Wie kann ich ihnen helfen? «, fragt sie zurückhaltend.

Ich warte, bis sie schließlich bei mir ist und ziehe sie dann am Ärmel ganz eng an mich.

»Sie müssen mir helfen! «, flüstere ich und halte ihr durch meinen Pullover meine Waffe an den Bauch. »Sie müssen mitkommen, bitte. Meine Freunde sind in Gefahr. « Ich muss verzweifelter klingen, als ich dachte, denn sofort setzt sie sich in Bewegung. Damit hatte ich jetzt nicht gerechnet. Ich sehe mich noch einmal um, ehe ich ihr unauffällig folge.

Als ich draußen ankomme, zieht sie bereits ihren Kittel aus und lässt ihn fallen.

»Ich wusste, dass sie zurückkommen. Wir machen einen Deal «, sagt sie forsch und sieht mich an, als hätte sie eine Wahl. Ich sehe sie irritiert an, weiß nicht was sie von mir will. »Ich komme mit, rette ihre Freunde und im Gegenzug, lassen sie mich ein paar extra Tests an ihnen machen. «

Schnell trete ich einen Schritt an sie ran, sehe sie furchteinflößend an, doch sie weicht nicht zurück.

»Sie machen mir Angst «, flüstert sie nach ein paar Sekunden der Stille.

Über ihre Aussage bin ich so verdutzt, dass ich ihr ein verächtliches Schnauben schenke.

»Was halten sie davon? «, fragt sie erneut und sieht mich dabei forschend an.

»Welche Tests? «, frage ich trocken und trete einen Schritt zurück.

»Sie können dabei sein, ich werde es ihnen zeigen, nichts Wildes. Nur, etwas über eure Anatomie. «

Sie ist so von sich überzeugt, dass ich nicht nein sagen kann, ich brauche schließlich ihre Hilfe, doch will ich, dass sie Ärger macht oder freiwillig mitkommt? Ich muss ihr die Tests ja anschließend nicht erlauben. »Ist in Ordnung und jetzt steigen sie ein! «

Wir setzen uns in Bewegung und erreichen dann den Van. Euphorisch steigt sie an der Beifahrerseite ein und schließt die Tür. Ich tue es ihr gleich und drehe den Zündschlüssel um.

»Und wohin fahren wir? In einen Geheime Residenz, in einen Bunker? «

Ich sehe sie genervt an und sie beendet ihren Satz sofort. »Heben sie den Zettel auf und nerven sie mich nicht! «

Sie tut, was ich ihr sage und reicht ihn mir. Meine nächste Anweisung besagt, dass ich zur „Konikstreet.“ fahren soll, doch weiß ich nicht, wo diese Straße ist.

»Das ist eine Weile von hier. «

Ich sehe sie erneut genervt an. »Dann sagen sie mir, wo ich hinfahren soll! Aber bitte ohne mich zu nerven, ich kann es nicht ertragen. «

Sie mustert mich, wärend ich vom Gelände fahre, von oben bis unten und scheint zu verstehen, dass ich einer Nacht entkommen bin, die ein mancher so schnell nicht mehr vergessen würde. Mir klebt immer noch Ravens Blut an den Händen, ich rieche nach verbranntem Fleisch und meine Klamotten, haben Löcher und Schlitze. Rasch lehnt sie sich zurück und gibt mir die Anweisungen, ohne ein weiteres Wort der Nachfrage. Ich bin froh, dass sie da ist, bin froh, dass durch sie meine Gedanken für ein paar Minuten schweigen.

Wir fahren eine Weile und für einen Moment werfe ich einen Blick zu ihr rüber. Sie schaut aus dem Fenster, ruhig und schweigsam, doch als sie merkt, dass ich sie anstarre, sieht sich mich an und schenkt mir dann ein beruhigendes Lächeln. Schnell hat sie ihren Kopf wieder an die Schiebe gelehnt, wärend vor uns die Sonne langsam aufgeht und ich weiter aufs Gas drücke.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s