Blood Hunter Kapitel 49

Will…

 

Für einen Moment starrt sie mich regungslos an, sie verzieht keine Miene, sie scheint mir zu glauben. Dass ihr Bruder wirklich tot ist, ist ja nun mal wahr aber nicht ich war es. Nein, Anna hat ihn einfach leer gesogen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.

Sie schaut nervös auf dem Boden, doch ist die alte Raven, die arrogante, unnahbare Raven plötzlich wieder da. »William Hunt, in Anbetracht der Lage, bin ich nicht zu Scherzen aufgelegt. Vielleicht, wenn dein lächerlicher Clan komplett abgebrannt ist aber keinen Moment früher! «

Ich entferne mich ein wenig von ihr, doch würde ich ihr lieber den Schädel einschlagen. Wie ich jemals auf die Idee kam, dass ich diese Frau heiraten könnte, bleibt mir bis heute ein Rätsel. Ich muss wohl auf Crack gewesen sein oder sowas, anders kann ich mir das nicht erklären. Ich muss nachdenken, in einem offenen Kampf, kann ich sie nun nicht bezwingen.

»Ich habe ihn in deiner Villa, nein Raven, in der Villa deiner Eltern getötet. «

Die Tür zum Bad geht hinter ihr auf, drei weitere Vampire treten schwer bewaffnet in den Raum. Endlich, Waffen die ich gebrauchen kann, wenn ich mit ihnen fertig werden will.

Ich sehe sie provozierend an, doch sie weicht meinen Blicken aus, sie scheint tatsächlich darüber nachzudenken. Jetzt habe ich sie.

»In meiner Villa, mein Lieber. Sie gehört mir und Adam lebt. «, sagt sie ungehalten und schnippt mit dem Finger. Sofort setzt sich einer ihrer Schergen in Bewegung, zieht eine Waffe.

 

 

 

Anna…

 

Ihr Blick wird starr, wärend ich meine Krallen immer weiter in ihre Gedärme drücke und ihr Mund weitet sich noch immer vor Schmerz. Ich höre nicht auf, nein ich kann nicht. Ich will sie für alles verantwortlich machen, was mir passiert ist. Ich lege all meine Wut, all den Zorn, den ich habe in meine Hände und drücke zu. Ich schließe die Augen, während ihre Knochen knacken.

Als sie schließlich keinen Ton mehr von sich gibt, sitze ich auf ihrem Körper und lasse erschöpft den Kopf nach vorne hängen. Ich traue mich nicht aufzusehen, zu groß ist der Schmerz, zu groß ist die Angst, dass Ally wirklich tot ist. Langsam ziehe ich meine Krallen aus Selina heraus und wimmere dabei vor mich hin. All das hier, das überfordert mich. Nie im Leben, hätte ich daran gedacht, eines Tages meine beste Freundin zu tötet, obwohl sie das schon lange nicht mehr war und schließlich an sie, meine neue beste Freundin zu verlieren.

Ich könnte ihr Blut trinken, würde mehr über die Pläne erfahren, doch verzichte ich lieber auf weiteren Schmerz und Leid. Nein, ich bin es leid.

Der Qualm kommt langsam auch durch diese Tür und ich hebe meinen Kopf etwas an. Ally liegt in der Nähe der Tür, also krabbele ich plötzlich panisch zu ihr herüber und hebe ihren Oberkörper an. Ich halte sie mit ihrem Kopf an meine Brust, umklammere sie. »Nein, Ally. Nein…nein…bleib bei mir! «

Immer wieder sehe ich zwischen ihr und dem Rauch hin und her. »Wir müssen fliehen, Ally. Bitte wach auf! «, wimmere ich und fahre immer wieder mit meiner Hand über ihr Gesicht, doch sie rührt sich nicht. Ihr Blick ist ausdruckslos und leer. Ich schaukele apathisch mit ihr hin und her, hoffe, dass ich sie so zurückbekomme. Ich kann meinen Tränen längst nicht mehr zurückhalten.

»Ally, bitte! «, flehe ich sie an und streiche ihr den Pony aus dem Gesicht. »Lass mich nicht allein, ich brauche dich! «

Der Rauch kommt immer näher, ich muss langsam handeln, eine Entscheidung fällen. Ich kann sie hier nicht zurücklassen. Will würde das ebenso wenig wollen. Will. Oh Gott, ich muss ihm helfen. Ob ihm etwas passiert ist? Schnell lasse ich Ally los und stehe auf. Ich fasse mir klagend an den Kopf, das Haus wird nicht mehr lange standhalten, ich muss jetzt eine Entscheidung treffen. Lasse ich sie hier zurück und bin schneller bei Will oder rette ich Allys leblosen Körper. Ich laufe aufgeregt das Zimmer auf und ab, doch habe ich mich schließlich entschieden. Ich knie mich vor sie, lege meine Stirn auf ihre und schließe meine Augen.

»Ally, du wirst mir das nie verzeihen aber ich habe mich entschieden «, flüstere Ich ihr zu und drücke ihr dann einen langen intensiven Kuss auf die Stirn.

 

 

 

Will…

 

Als sie erneut mit dem Finger schnippt geht die Tür erneut auf. Ein weiterer Scherge tritt herein, doch trägt er Jemanden auf dem Arm. Als ich sehe, wer es ist, kann ich es nicht fassen.

Der Vampir selbst ist ein Hüne. Er hat Muskeln, ich kann sie gar nicht zählen, doch das ist nicht alles: Er blickt finster drein, was mich erst einmal nicht abschreckt, ich kann, wenn ich es drauf anlege sehr viel schlimmer gucken, doch trägt er auf dem Arm meinen leblosen Vater.

Was das bedeutet, traue ich mich fast gar nicht auszusprechen. Mein Vater, der mächtigste und kampferfahrenste Vampir, den ich je gesehen habe, liegt regungslos in den Armen eines Riesens. Einen Kampf kann es nicht gegeben habe, dazu ist dieser Vampir zu glattgebügelt, mein Vater hätte ihn in Stücke gerissen. Nein, Raven muss es irgendwie anders geschafft haben, ihn zum Schweigen zu bringen. Ich fasse mir an den Kopf und tue so, als sei ich fassungslos, doch trete ich hinter Tor, der etwas aus seinem Nacken gezogen hatte, ehe er in diese Starre gefallen ist. Dass er tot ist, glaube ich nicht, Raven hatte schon immer eine Schwäche für ihn, fand ihn immer hübsch. Also muss ich rausfinden, was es damit auf sich hat, nur so habe ich eine Chance. Ich knie mich vor Tor und lege meine Hand auf seinen Kopf. »Hast du mit meinem Vater das gleiche gemacht, wie mit meinem Trupp? «, frage ich entrüstet und hoffe, dass sie nicht bemerkt, was ich vorhabe. Sie geht schließlich voll darauf ein.

Der Hüne stellt einen Stuhl in die Ecke, setzt meinen Vater darauf ab und bindet ihn fest.

»Tja mein lieber, ich gab dir einst das Versprechen, solltest du mich nicht heiraten, würde dich deinen kleinen Clan vernichten. Du wolltest nicht hören…«, sie verdreht kindisch die Augen, »also muss ich andere Saiten aufziehen. «

Mit schnellen Schritten ist sie bei mir, dreht meinen Kopf mit ihrer Hand in ihre Richtung und ich lasse sie gewähren, denn ich denke schon daran, dass ich bald von ihr kosten werde.

Mit einem kräftigen Knall wackelt auf einmal das Gebäude, Schränke kippen um. Dies ist meine Gelegenheit: Ich packe sie mir mit meiner Hand am Hals und hebe sie in die Luft, wärend ich aufstehe. Sofort kommt der Hüne auf mich zu gelaufen, doch zieht er nicht seine Waffe, er fährt seine riesigen Krallen aus. Schnell schmeiße ich Raven von mir weg und ziehe meine Schwerter. Hinter mir bricht plötzlich die Wand ein, sodass der Raum hinter mir schlagartig offen ist. Der Hüne rennt immer noch auf mich zu, doch kreuze ich meine Schwerter und versuche seinen nächsten Schlag zu parieren. Er erreicht mich schließlich, hat seine Kralle in der Luft, will auf mich einschlagen, wie ich es vorhergesagt habe. Mit einem kräftigen Knall, kracht er auf meine Schwerter, doch ich halte dagegen. Mit voller Kracht versuche ich dagegen zu halten, doch er ist ein wenig stärker als ich, sodass er mich langsam und stetig weiter zurückschieben kann.

Ich weiß, was er vorhat, er will mich den Abhang herunterstoßen. Das würde mich nicht umbringen, doch würde es mich verletzen. Mit meiner ganzen Kraft halte ich dagegen, doch bin ich nur noch wenige Zentimeter vom Ende des Raumes entfernt. Ich muss mir schnell was einfallen lassen, sonst bin ich gefickt.

 

 

 

Anna…

 

Hastig drücke ich auf den Knopf an ihrem Ohr, um ihre Maske ausfahren zu lassen. Als dies geschieht, drücke ich auf meinen Knopf und versuche sie auf das Spannbetttuch zu legen, dass ich neben ihr ausgebreitet habe. Ich hoffe, dass Will das verstehen wird. Ich kann sie auf keinen Fall hier zurücklassen. Ich lege sie mir so zurecht, dass ich sie gut tragen kann. Nur wie, ist die Frage. Ich probiere eine Weile aus, wie ich sie am besten tragen kann und als ich schließlich eine Möglichkeit gefunden habe, öffne ich die Tür. Das Feuer hat die Treppe schon erreicht, doch sehe ich keinen anderen Ausweg, als diesen. Ich habe mir Ally über die Schulter geworfen und sie mit dem Spannbetttuch an mir soweit festgebunden. Vorsichtig und langsam schleiche ich mit ihr den Flur entlang, als ich die Treppe erreiche. Das Feuer hat nicht die ganze Treppe verschlungen, sodass wir dort eigentlich noch durchkommen sollten. Nur meine Sicht hat sich durch den Rauch wahnsinnig verschlechtert. Ich muss unheimlich aufpassen, wo ich hintrete und dass die Balken, die schon lichterloh brennen, nicht auf uns herunter krachen. Ich mache den ersten Schritt hinunter und muss dann zwei Stufe auf einmal nehmen.

Es dauert eine Weile, ehe wir unten ankommen, doch ich schaffe es.

»Wir schaffen das Ally! «, wiederhole ich immer wieder, um mich selber anzutreiben. Ob sie mich hören kann oder nicht ist mir egal, ich muss sie einfach retten. Allein wäre ich natürlich sehr viel schneller, könnte die Villa sofort verlassen, doch das könnte ich Ally nie antun.

Ich springe die letzte Stufe hinunter, als von oben plötzlich ein brennender Balken auf mich drauf zu fallen droht. Gerade noch so, kann ich ausweichen, lande mit Ally auf dem Rücken, neben dem brennenden Balken. Ich muss aufpassen, dass ich nicht panisch werde, denn das Feuer macht mir Angst. Es ist überall um uns rum, droht uns zu erdrücken. Ich schiebe sie zur Seite und stehe rasch auf. Mit einem kräftigen Ruck, hebe ich sie wieder auf meine Schultern und setze mich erneut in Bewegung. Ich muss diesen Ort hier schleunigst verlassen, sonst gehen wir beide drauf.

Ich erreiche den Flur, den wir hereingestürmt sind, als wir ankamen und kann das Ende bereits sehen. Ich renne darauf zu, kann es kaum erwarten, hier raus zu sein.

 

 

 

 

Will…

 

Er sieht mir kampfeslustig in die Augen, stemmt sich jetzt mit seinem vollen Körpergewicht gegen mich, sodass ich wirklich Schwierigkeiten habe gegen ihn anzukommen.

»Das hätte alles nicht so enden müssen, Will. Ich hoffe du bist dir im Klaren darüber, dass das hier deine Schuld ist, dass du deinen eigenen Clan für deinen Egoismus aufs Spiel gesetzt hast. « Ihre Stimme klingt so selbstgefällig, dass ich kotzen könnte. Ich habe ein echtes Problem, denn mein rechter Fuß berührt gleich den Abgrund. Was um mich herum passiert, kann ich nur noch wenig wahrnehmen, doch droht die Villa jetzt vollkommen einzustürzen. Als es einen erneuten Ruck gibt, ist der Hüne für einen Moment abgelenkt. Das ist meine Chance: Ich lasse meine Messer schlagartig fallen und gehe in Deckung. Er bemerkt, was ich vorhabe und tritt einen Schritt zurück, doch ich bin schneller. Schnell drehe ich das kleine silberne ding in meiner Hand und ramme es ihm mit voller Wucht in seinen Oberschenkel. Die Villa bebt erneut und der Typ geht plötzlich, genauso, wie L und Tor, zu Boden. Keuchend trete ich den Wixxer aus dem klaffenden Loch in der Wand und drehe mich dann schließlich zu Raven um.

»Komm her Baby, ich zeig dir mal, wie wir das jetzt klären! «, sage ich erschöpft und wiche mir mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn. Sie sieht mich fassungslos an, doch hat sie sich schnell wieder erholt. Sie trägt mittlerweile eine große Narbe im Gesicht, Tor muss sie beim letzten Mal wirklich erwischt haben.

»Du warst mal hübsch, was ist nur mit dir passiert? «, frage ich sie höhnisch und mache mich zum Kampf bereit.

 

 

 

 

Anna…

 

Wir erreichen das Ende schließlich und als wir weit genug vom Eingang weg sind, lass ich mich mit Ally ins Gras fallen. Ich habe es länger geschafft sie zu tragen, als ich dachte, ich bin sehr stolz auf mich, doch als ich das Tuch zur Seite schiebe und in ihr Gesicht blicke, hat er sich nicht verändert. Sofort kommen meinen Tränen zurück, ich will einfach nicht glauben, dass sie tot ist. Ich ziehe sie an mich heran und umarme sie, so fest ich kann. Immer wieder fahre ich ihr mit meinen Händen durch die Haare, doch sie regt sich nicht. »Es tut mir so leid, ich konnte dich nicht retten «, schluchze ich und kann die Leere in meinem Herzen fast nicht ertragen.

Die Villa bebt plötzlich abermals und die rechte Seite, das Apartment, die von Will, bricht langsam auseinander. Mit einem lauten Knall verabschiedet es sich und zerberstet in tausend Teile. Das Feuer tut sein Übriges, sodass nach weniger Zeit die Hälfte der Villa niedergebrannt ist. Als ich Wills Schreie hören kann, lasse ich Ally kurz ab und sehe mich aufmerksam um.

»Will? «, flüstere ich hoffnungsvoll und stehe auf.

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