Blood Hunter Kapitel 47 – das Medaillon

Anna…

 

Immer wieder prügelt sie mit ihren Fäusten auf mich ein. Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Schläge es waren, doch lässt der Schmerz langsam nach. Sie ist schon ganz verschwitzt vom Schlagen und keucht vor jedem weiteren, doch ich grinse sie immer noch höhnisch an. Ich habe inzwischen mehr als einmal gelernt, mit Schmerzen umzugehen. So leicht lasse ich mich nicht unterkriegen.

»Hast du schon genug? «, frage ich schmerzerfüllt und spucke das Blut aus meinem Mund, auf den Boden neben mir.

Mit einer Hand hält Selina mich fest am Boden, hockt auf mir und kann sich kaum noch zügeln, mich nicht endlich umzubringen. Ihre Frisur klebt ihr wild an der Stirn, längst hat sie die Kontrolle über sich verloren, doch ist sie noch nicht bereit, es zuzugeben. Immer wieder schaut sie mir tief in die Augen, wärend sie mir eine Faust nach der nächsten verpasst, doch an alles, was ich denken kann, ist die totdreinblickende Ally auf der anderen Seite des Zimmers. Das Zimmer, wo ich die schönsten Stunden seit langem mal wieder hatte. Das Zimmer, dass mich und Will wieder näherbrachte, als wir es je waren. Ich umklammere das Medaillon, das Will so viel bedeutet, mit meiner Hand so fest ich kann und beschließe, dass es nun langsam reicht.

 

 

30 Minuten zuvor…

 

Ich blicke Ihn an und kann nicht glaube, was er gerade gesagt hat. Aus einem mir unerklärlichem Grund, kommt kein Ton aus meinem Mund. In meinem Kopf vermischen sich gerade so viele Erinnerungen und Gefühle, dass ich einfach nur dastehe und seine Hände halte, oder er meine.

»Du musst natürlich nicht, wenn du nicht willst «, sagt er betrübt und sieht auf meine Hände.

»Ich…Natürlich…also…nein…ich «, stottere ich und bin von seiner Frage völlig überrumpelt.

»Es ist ok, wenn du nein sagst. Ich könnte es verstehen «, flüstert er und lässt meine Hände langsam los.

Ich umklammere sie dennoch und nehme all meinen Mut zusammen. »Ich will schon, mehr als alles andere aber… «

Ich weiß nicht, wie ich es ihm sagen soll. Ich habe bisher noch nie darüber nachgedacht zu heiraten. Meine Eltern waren nie verheiratet, vielleicht war das der Grund, warum meine Mutter damals einfach so abhauen konnte. Ich will noch so viel erleben, will die Welt bereisen, doch auf der anderen Seite, habe ich mir das hier auch nicht gerade vorgestellt. Ich liebte mein Leben, so viel ist sicher, doch würde ich Will um nichts in der Welt eintauschen. Mein Leben hat sich bis hierhin so sehr verändert, warum sollte ich jetzt nicht anfangen über so etwas nachzudenken?

»Ist schon gut, Anna. Wir reden darüber ein anderes Mal! «

Bevor er sich von mir abwendet, lege ich ihm meine Hand auf die Brust und schaue ihm tief in die Augen, nachdem ich seinen Kopf erneut in meine Richtung gedreht habe. »Falls wir das hier nicht überleben, dann will ich, dass du mich heiratest aber ich weiß nicht, wie unser Leben danach ist. «

Als ich die Worte ausgesprochen habe, scheint er zu verstehen. Seine Gesichtszüge werden weicher, er legt seine Hand auf meine Wange und streichelt sie kurz mit seinem Daumen. »Ich verstehe aber es gibt da noch etwas, dass du für mich tun musst. «

Ich schaue ihn irritiert an. »Was meinst du? «

Ohne mich los zu lassen, zieht er Ally mit der anderen Hand am Ärmel zu uns. Diese sieht ihn ebenfalls irritiert an.

»Ally, du wirst mit Anna etwas für mich holen! «

»Jetzt? Hast du den Verstand…«, sage ich aufgebracht, doch er unterbricht mich sofort, indem er die Augen schließt.

»Du wirst tun, was ich dir sage, Anna. Du wirst jetzt in mein Apartment gehen und hinter das Bild mit mir und Torell greifen. Du wirst dort ein Medaillon vorfinden. «  Für ein paar Sekunden sehe ich ihn lediglich an, weiß nicht, was ich davon halten soll, ihn jetzt allein zu lassen. »Du willst wirklich, dass wir dich jetzt alleine lassen? « Ich schlage seine Hand zur Seite.

Er schaut mir eindringlich in die Augen. »Dieses Medaillon bedeutet mir sehr viel. Ich weiß nicht, wie das hier endet und wenn es für mich zu Ende sein sollte, dann will ich, dass du es hast! «

»Hast du den Verstand verloren, Will? «, fragt Ally ihn verständnislos, doch er gibt ihr keine Antwort. Auch L macht einen Schritt nach vorne. »Ich dachte, wir machen das hier zusammen. «

»Du solltest am besten wissen, worauf ich hinauswill, L «, sagt er und sieht mich dabei an.

Durch sein Starren, drückt er mir seine Lage aus. Er will das hier wirklich, er will, dass ich ihn für ein beschissenes Medaillon zurücklasse. Was es auch immer damit auf sich hat, er wird hier nicht durch diese Tür schreiten, ohne sich sicher zu sein, dass ich es hole. So oder so, wird er gewinnen. Für ein paar Augenblicke sagt niemand etwas, Ally wartet immer noch auf ihre Antwort. »Ich hole es «, presse ich hervor und mache einen Schritt zur Seite. Ich lasse ihn mit meinem Blick spüren, dass mir das gar nicht gefällt. »Solltest du sterben, bevor ich zurück bin, werde ich dir das nie verzeihen! «

Er sagt nichts, tritt jedoch einen Schritt vor und presst seine Lippen so sanft auf meine, wie er es bisher noch nie getan hat.

Mein Magen kribbelt sofort, ich kann mich seiner Anziehung einfach nicht entziehen. Ich drücke ihn schließlich unsanft von mir weg, obwohl es mir schwerfällt. Vielleicht, war das der letzte Kuss, den wir uns jemals geben konnten. Ich verstehe nicht wieso ich das tun soll, doch ich verstehen, dass ich es tun soll und ich vertraue ihm, was bedeutet, dass ich gehe. Ich werde dieses scheiß Ding holen und es mitbringen und ihn wohlmöglich noch vor seinem eigenen Tot bewahren.

Er packt nach hinten an seine Waffe und zieht sie vor. Ein kleines Höhnisches Grinsen, kann er sich dennoch nicht verkneifen, als er sich von mir entfernt.

Ally macht einen genervten Schritt an mir vorbei, ehe sie sich ihre Maske wieder aufzieht. Sie fragt nicht wieso wir gehen, sie kennt ihn gut genug, um zu wissen, dass es keinen Sinn macht, ihn danach zu fragen, er würde ihr keine Antwort geben.

»Komme! «, rufe ich ihr ebenfalls genervt hinterher und ziehe ebenfalls meine Maske auf und zücke meine Waffen. 

Ich schaue nicht zurück, denn das würde mich sehr wahrscheinlich aufhalten. Also renne ich Ally bis zu der großen Treppe hinterher.

 

 

Will…

 

Als ich sie endlich nicht mehr sehen kann, atme ich wieder aus. Eine große Last, hat sich gerade von mir verabschiedet. Nicht, weil ich sie nicht liebe oder sie bei mir haben will, nein, ich kann mich jetzt komplett auf das konzentrieren, was vor mir liegt. Ich muss sie nicht beschützen, vor den Dingen, die hinter dieser Tür liegen, egal, welche das sein mögen. Ich habe schwer das Gefühl, dass mir nicht gefallen wird, was ich da sehe, deshalb ist es besser, sie nicht bei mir zu haben. Die Frau die ich liebe, muss in Sicherheit sein und das ist sie, in Allys Händen. Auch L habe ich das klar machen wollen und er hat es sofort verstanden. Egal wie das hier ausgeht, ihnen wird nichts geschehen. Solange, ich das hier schnell über die Bühne bringe.

Torell kommt langsam die Treppe hinaufgeschlichen und erreicht uns schließlich.

»Wohin hast du sie geschickt, Will? «, fragt er.

»Das Medaillon holen. «

Er fragt nicht wieso, das ist der Grund, warum ich diesen Kerl so gerne an meiner Seite habe. Er vertraut einfach darauf, dass ich das richtige tue. Ich strecke meine Waffe in die Luft und zeige den Jungs damit, dass es losgehen kann. Sie folgen mir in gebückter Haltung zur Tür. Das Apartment meines Vaters ist genauso aufgebaut wie meins, nur ist alles pompöser. L stellt sich hinter die Tür, um sie aufzuziehen, Tor und ich stellen uns daneben, bereit sofort zu schießen.

Ich nicke ihm zu und er dreht den Knauf nach links, sodass die Tür langsam aufschwingt. Schnell strecken wir unsere Waffen und Köpfe hinein und als sich am Ende des Ganges zwei Vampire auftun, eröffnen wir das Feuer auf sie.

 

 

 

Anna…

 

Ally rennt die Treppe so schnell sie kann mit erhobener Waffe herunter, als plötzlich Schüsse zu hören sind. Schnell schlage ich mir die Hände vors Gesicht und bleibe auf der Stufe stehen. Ich sehe mich um, als könnte ich erkennen was geschehen ist, doch weiß ich, dass sie Schüsse vom Trupp kommen. Ich sehe Ally erschrocken an, weiß nicht ob ich weiter oder zurücklaufen soll.

»Waren das Schüsse? «, frage ich Ally ängstlich, doch ich kennen die Antwort bereits. Meine Stimme ist auf ihrem Ohr zu hören.

»Wir müssen weiter, Anna! Komm! «, sagt sie hastig und zieht mich am Ärmel weiter hinter sich her. Wir öffnen die Tür zum Speisesaal und treten ein. Schnell rennen wir an den Leichen vorbei, die einst mal jemandem etwas bedeutet haben. Auch wenn das mittlerweile zum Alltag gehört, kann ich sie dennoch nicht lange ansehen. Ich darf nicht zu viel darüber nachdenken, das tut mir nicht gut, doch will ich den Teil von mir, dem das alles nicht egal ist, dem menschlichen Teil, nicht verlieren.

Wir erreichen auch die andere Tür und öffnen sie, doch gehen wir diesmal nicht rechts zur Hintertür heraus, sondern gehen nach links, um den Flur entlang zu laufen, der zu Wills Apartment führt. Der Rauch, er vernebelt meine Sicht, ohne eine Atem Schutzmaske, wäre hier ein Durchkommen unmöglich. Es dauert sicher nicht mehr lange, dann wird das Haus einstürzen. Ally zieht mich nah an sich hinter sich hier, als wir endlich die Treppe erreichen. Weil alles um uns herum brennt, müssen wir vorsichtig sein, wo wir drauftreten.

Gerade als ich über einen brennenden Balken steigen will, fällt der nächste von links fast auf mich drauf. Rasch weiche ich zur Seite aus und er fällt schließlich klirrend hinter mich. Ally starrt mich für einen Moment ängstlich an, doch schiebe ich sie schließlich zur Treppe. Jetzt bin ich es, die den Ton angeben muss. Gemeinsam rennen wir die große Wendeltreppe hinauf, nichts ahnend, was uns erwartet.

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