Blood Hunter Kapitel 46

Mit erhobenen Waffen, schreiten wir voran. Der Rauch strömt bereits durch den Spalt unter der Tür zum Saal herein, weshalb der Trupp den Knopf am Ohr betätigt. Die Masken klappen sich vor ihren Gesichtern aus und sie machen sich bereit, die Küche zu verlassen. Als wir die Tür schließlich erreichen, wirft Will noch mal einen Blick zurück. Er sieht mich noch einmal direkt an, bevor er plötzlich einen Schritt auf mich zu macht. Ich zucke ein wenig zurück, als er mich erreicht, denn ich habe Angst, etwas falsch gemacht zu haben. Als er vor mir steht, nimmt er seine Maske, ohne sie einzufahren, ab und stülpt sie mir über den Kopf. Schnell hat er seine Position an der Front wieder eingenommen und nickt uns noch einmal zu, bevor er die Tür schließlich, mit einem kräftigen Ruck, öffnet. Rasch tritt er in den Saal ein, verschwindet im Rauch des Feuers. Torell folgt ihm schnell und auch die anderen setzen sich in Bewegung. Bevor ich einen Schritt mache, atme ich noch einmal tief durch. Meine Gesundheit ist ihm immer noch wichtig, das ist ein sehr beruhigendes Gefühl.

Angst, macht sich dennoch in meinem Körper breit, droht mich zu lähmen, doch gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass mir nichts passieren kann. Ich erhebe ebenfalls meine Waffe in der rechten Hand und folge Ally. Meine Sicht verschlechtert sich schlagartig beim Eintreten. Auf der großen Treppe, dort, wo ich zum ersten Mal einen wunderschönen Maskenball gefeiert habe, dort, wo es so herrlich schön geschmückt war, brennen nun die roten Samtvorhänge lichterloh und die Bilder, die ich tags zuvor noch bestaunt hatte, sind von den Wänden gerissen worden. Hier kann man nichts mehr retten, selbst wenn man es wollte. Alles ist bereits zerstört.

Egal wie das hier ausgeht, Raven wird uns ziemlich verletzt haben, das ist sicher. Ich kann nur hoffen, dass ihr ganzer Plan bisher noch nicht aufgegangen seid.

Als die nächsten Schüsse fallen, drehe ich mich wieder um und bin wieder im Hier und Jetzt. Auf der großen goldenen Treppe, kämpfen viele Vampire mit Messern gegeneinander. Man sieht sofort, wer von unserem Clan ist und wer nicht. Der Dent-Clan ist bewaffnet, wir sind es nicht. Das Überraschungsmoment hat super funktioniert, so wie es scheint. Fast gleichzeitig, treffen Will, L und Torell drei der Vampire mit einem Schuss mitten in den Kopf, sodass sie zur Seite umkippen und ihre toten Körper schließlich die Treppe herunterrollen. Angsterfüllte Vampire, überwiegend weibliche, die versuchen, sich mit ihren Klauen gegen ihre Gegner zu währe, kreischen um die Wette. Als ich eine weitere Frau neben der Treppe erspähe, die auf dem Boden liegt und wimmert, weil ein bewaffneter Vampir über ihr steht und mit einer Waffe auf sie zielt, nehme ich all meinen Mut zusammen und trenne mich von der Gruppe. Schnell renne ich auf ihn zu, ich bin dabei so leise, wie ich nur kann und halte ihn schließlich, als ich ihn erreicht habe, meine eigene Waffe an den Kopf und zögere nicht. Ich drücke einfach ab. Meine Kugel durchbohrt seinen Schädel, als die Frau endlich aufhört zu schreien. Der Mann kippt nach vorne über, doch sie kann sich noch zur Seite rollen. Rasch lasse ich mich absinken und halte ihr meine Hand hin, um ihr aufzuhelfen. Zögernd nimmt sie sie an. Sie will nicht, man sieht es ihr an, weil sie mich nicht kennt.

»Ist schon gut «, flüstere ich und zieh die Frau am Arm hoch. Ich vergewissere mich noch, dass es ihr gut geht und renne dann zurück zum Trupp. Als ich ihn erreiche, hat Will gerade einem weiteren Vampir den Gar ausgemacht und senkt seine Waffe. Er schaut mich erwartungsvoll an, doch ich weiß nicht was er von mir will. Erst als er mir die Maske vom Kopf zieht, verstehe ich. Er atmet ein paar Mal ein und aus und drückt sie mir dann mit einem kleinen Nicken wieder ins Gesicht. Erneut nimmt er seine Waffe hoch und schießt auf weitere. Ich tue es ihm gleich und schieße ebenfalls auf ein paar Vampire, die mir nahestehen. Einige treffe ich nicht sofort, doch beim zweiten Schuss, fallen sie dann schließlich doch.

Nach vier weiteren Vampiren nehme ich meine Maske erneut ab und drücke sie ihm, wärend er weiter auf die Gegner schießt, ins Gesicht.

Es dauert nicht lange, da steht kein einziger scheiß Kerl mehr von Dent-Clan, doch das Feuer wird immer größer. Es ist so unglaublich warm hier, dass mir meine Haare an der Stirn kleben.

 

Als die Treppe gesäubert ist, steigen wir sie langsam hoch. Will gibt uns das Zeichen immer wachsam zu sein, denn es könnten sich immer noch welche hinter dem Geländer verstecken. Aufmerksam beobachte ich die Linke Seite, wärend ich eine Stufe nach der anderen nehme.

Als Will schließlich oben ankommt, sichert er erst einmal die rechte Seite und Ally die linke. Ich warte aufmerksam in der Mitte mit erhobenen Waffen und als er zurückkommt, nehme ich meine Maske erneut ab und drücke sie ihm auf sein Gesicht. Als er einen großen Atemzug nimmt, kann ich sehen, wie seine Brust größer wird und dass er mir, durch die Maske hindurch, tief in die Augen sieht. Ich starre ihn ebenfalls an, lausche seiner Atmung. In dieser Situation ist es unpassend, Erotik zu empfinden, doch ich tue es plötzlich. Ich will nicht, dass dieser Moment je endet, denn wir scheinen uns plötzlich wieder so unglaublich nah.

Er drückt meinen Arm sanft und ich seinen, wärend er einatmet und er sich schließlich die Maske wieder von Kopf zieht. Er schaut mich immer noch genau so an, doch vergewissert er sich jetzt, als ich mir die Maske wieder aufsetze, dass sie wirklich fest ist. Als er mich berührt, kribbelt meine Haut so sehr, dass ich glatt vergessen könnte, was um uns herum passiert.

Als ich Allys Stimme auf meinem Ort höre, werden ich schlagartig aus meiner Welt gerissen.

»Allys Seite ist save «, flüstere ich, und zerstöre damit selbst diesen intimen Moment. Er schaut auf meine Lippen, wärend ich spreche, ehe er mich dann loslässt.

»Du bleibst immer hinter mir, egal was passiert! «, sagt er angestrengt, wärend er sich wieder von mir löst und sich schließlich in Bewegung setzt.

»Prinz William «, ertönt es plötzlich aufgeregt. Die Vampire, die wir mit unserem Aufräumkommando gerettet haben, rennen ebenfalls aufgeregt die Treppe hinauf. Sie erreichen uns, doch ich kann an Wills Gesicht ablesen, dass ihm das gar nicht gefällt. Sie binden eine Traube um ihn herum, versuchen ihn zu berühren. Sie sprechen ihm ihren Dank immer wieder aus, doch er scheint nicht darauf zu reagieren.

»Wo ist der König? «, fragt er sie plötzlich und die Menge wird still. Einige husten, sie denken wohl nicht daran, die Villa zu verlassen. Aus mehreren Richtungen ertönen die stimmen erneut. »Im obersten Stock. «

Schnell schiebt er sich durch die Menge nach links durch, doch er dreht sich noch einmal um. »Ihr verlasst jetzt alle die Villa! Ich befehle es! Sofort! «, brüllt er die Leute an.

Es dauert nicht lange, bis sie sich in Bewegung setzen, so wie wir. Hastig rennen sie die Treppe wieder herunter, doch mehr kann ich wegen des Rauchs nicht erkennen. Ich folge Will auf die andere Seite. Auch hier befindet sich wieder eine große Braune Tür, die aus zwei Schwingtüren besteht. Noch einmal reiche ich ihm meine Maske und er nimmt einen großen Atemzug. Ally greift an den Türknopf der rechten Tür und zieht sie dann ruckartig zurück, doch ehe wir eintreten können, werden wir schon von einem Schusshagel Überrascht. Schnell springen Ally und Will zur Seite, warten darauf, dass der Hagel endet. Als dies endlich geschieht, treten sie aus der Tür hervor und erwidern ihn ebenfalls. Auch die andere Tür reißt L auf und rennt dann unseren Feinden mit erhobener Waffe entgegen. Uns erwarten nur einige Wenige und Will und L schaffen es zwei von den acht direkt auszuschalten. Ally gibt Will Rückendeckung und schießt auf die sich dahinter befindenden Vampire. Ich schaue mir ihren Trick ab und tue es ihr gleich, denn ich fühle mich als Teil der Gruppe. Als Will die Gegner erreicht, leben nur noch zwei. Rasch lässt er seine Waffe nach hinten schwingen und greift in seine Halfter, um seine Messer heraus zu holen. Der eine Vampir schmeißt seine leergeschossene Waffe nach hinten und zückt seine Messer ebenfalls. Er bleckt die Zähne und geht ebenfalls auf ihn los, doch Torell ist schneller. Er packt ihn sich am Genickt und nickt Will dann lediglich zu. Dieser versteht sofort und rennt an den Gegnern vorbei. Der Rest von uns folgt ihm, bis zur nächsten Abzweigung. Da ich hier noch nie war, weiß ich nicht, wohin wir müssen. Schnell fasse ich in meine Hosentasche und stecke ein neues Magazin in meine Waffen.

Der Rauch ist bis hier hin noch nicht vorgedrungen, weswegen ich meine Maske wieder einfahre. Ally und L tun es mir gleich, als Will sich schließlich in Bewegung setzt. Es geht nach rechts und eine kleinere weiße Treppe hinauf. Als er sie mit erhobenen Waffen hinaufrennt, denke ich mir, dass es ja völlig klar ist, dass dies die Treppe des Königs sein muss. Sie sieht fast so schön aus, wie die, die in Wills Apartment führt, doch sieht man, dass diese Treppe wohl zu Jemanden wertvollerem führen muss. Als wir den Treppenansatz erreichen, ist dort erneut eine Tür vorzufinden, doch bevor sie Jemand öffnen kann, zieht Will uns alle hastig zur Seite.

Aufgeregt sehen wir ihn an, er schluckt schwer bevor er spricht. »Wenn das…wenn das heute hier endet, dann will ich euch noch was sagen. «

Ally haut ihm wütend auf die Schulter und grinst danach. »Halt deinen Mund William Hunt, Prinz des Hunter-Clans, größtes Arschloch, dass ich kenne. Sag sowas nicht, ich will, dass wir da alle wieder heil rauskommen! «

Er grinst sie ebenfalls an, als sie die Worte ausgesprochen hat.

»Ich weiß, sollte ich das hier nicht überleben, dann wirst du mir in den Arsch treten. «

»Das mache ich wirklich, also merk dir das! « Er nimmt sie währenddessen in den Arm.

Die Umarmung dauert nicht lange, als er dann schließlich L ansieht.

Dieser sieht ihm sofort in die Augen. »Nein, Mann die Wahrscheinlichkeit, dass hier wenigstens einer von uns drauf geht ist hoch also…«, sagt er und hält ihm seine Hand hin. Will nimmt sie grinsend an. »Sag’s mir nicht, Linus. Wir werden sehen. Ich bin noch zu jung zum Sterben. Sechshundertzweiundvierzig ist kein Alter oder?«

Ally haut ihm erneut auf den Arm.
Als er sich schließlich mir zuwendet, fängt mein Herz anzurasen. Was wird er mir wohl sagen? Wird er überhaupt was sagen?

Langsam dreht er sich um und sieht mir dann direkt in die Augen. Er nimmt meine Hände sanft in seine. Er scheint darüber nachzudenken, was er sagen will.

Es dauert ein paar Sekunden, ehe er spricht, doch er tut es schließlich und ich versuche mich auf alles einzustellen. Egal was er sagt, ich nehme mir vor nicht zu weinen, doch ich habe keine Ahnung ob es klappen wird. Sein Blick wird weicher, doch kann ich nicht ausmachen, was er denken könnte.

»Wenn wir das hier beide überleben, wenn… «, er betont das „Wenn“ extra. »…Dann werde ich dich zu meiner Frau machen Miss Pierce, egal was die anderen sagen! Also…Wenn du das auch willst, natürlich.«  

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s