Blood Hunter Kapitel 9-Wissen ist Macht

»Scheisse geh auf!« Wütend trete ich gegen den Vorderreifen des roten Toyotas.

Als ich erneut mit dem Stein gegen die Scheibe schlage, bricht sie endlich ein.

»Na endlich«, keuche ich, wärend ich mir mit der Hand den Schweiß von der Stirn wiche. Hastig stecke ich meinen Arm in das Loch der Fensterscheibe und ziehe den Knopf hoch, um die Tür zu öffnen. Rasch suche ich in der Tür nach einer Landkarte. Als ich schließlich fündig werde, schlage ich sie auf. Ich hole mein Handy aus der Hosentasche um meinen Standort zu bestimmen. Etwa zwei Stunden würde ich unterwegs sein.

Schnell lasse ich mich unter das Lenkrad gleiten, bevor ich hektisch die Armatur löse. Schnell kehre ich mit dem Stein die Scherben vom Fahrersitz und schmeiße die Waffe auf den Beifahrersitz. Kurzerhand beiße ich links und rechts die Isolierung der Drähte ab und verbinde sie. In diesem Moment bin ich so froh darüber, dass mein Dad mir gezeigt hat, wie man ein Auto kurzschließt, wie noch nie zuvor in meinem Leben. Hastig lasse ich die Handbremse los und drücke aufs Gas. Der Wagen springt direkt an, doch ruckelt er einige Male, ehe er endlich in die Gänge kommt.

»Komm schon!«, brülle ich, wärend ich ungeduldig auf das Lenkrad haue.

Als ich die kleine Seitenstraße verlasse, gelange ich auf eine viel befahrene Straße. Ich werfe noch mal einen Blick in den Rückspiegel, wo immer noch der Wald zu sehen ist.

Da es später Nachmittag ist, hoffe ich nicht in einen Stau zu geraten. Mein Ziel immer vor Augen, überfahre ich ein paar Ampeln, auch bei Rot. Da meine Fahrt noch etwas dauern wird, lasse ich mich langsam etwas weiter in den Sitz sinken. Hin und wieder werfe ich einen nervösen Blick in den Rückspiegel, doch niemand scheint mir zu folgen. Durch das kaputte Fenster wehen meine Haare wild durch die Gegend. Meinen schwarzen Pullover ziehe ich mir über meine Hände, denn der Fahrtwind ist mir zu kalt. Unruhig lasse ich meinen Blick über das Auto schweifen. Wem gehört dieses Auto wohl? Wird es ihm oder ihr direkt auffallen? Die Innenausstattung wirkt, als wäre es das Auto einer Frau. Ein Kokkus Nussbaum hängt am Spiegel und die Bezüge der Sitze sind gelb. Eigentlich sollte ich mit diesem Auto direkt auffallen. Doch das darf ich aber nicht. Mein Ziel muss ich erreichen, bevor es zu spät ist.

Als ich die Stadt verlasse, nimmt die Aufregung langsam ab, doch trete ich weiterhin ordentlich aufs Gas.

 

 

 

Vier Stunden zuvor…

 

 

Entsetzt stehe ich da, eine Geste erwartend, die mich aus meiner Starre löst. Als dieses nicht auf Allys Gesicht erscheint, sehe ich sie fragend an. »Raven?«

Die beiden schauen sich daraufhin betrübt an.

»Anna, ich…«, setzt Ally an, »…ich habe keine Ahnung, wieso Will es hat soweit kommen lassen. Ich meine, vor dir war alles anders. Will ist nicht dafür bekannt, sich an die Regeln zu halten aber das wird er durchziehen, ich weiß das mit Sicherheit.«

Der Schmerz kriecht von den Füßen an, an mir hoch, will wohl nicht mehr aufhören.

 Ich fasse mir aufgeregt an die Stirn. »Wie meinst du das?«

»Also, es gibt in der Nähe zwei Clans: Der erste ist unserer, der Hunt-Clan. Der zweite ist der Dent-Clan.

Seit mehr als tausend Jahren sind unsere Clans verfeindet und schlachten sich gegenseitig ab. Wer den Krieg damals angefangen hat, weiß niemand mehr. Wir wissen nur, dass der Krieg wahrscheinlich für immer anhalten wird. Will wird diesen Clan irgendwann übernehmen, also macht er sich natürlich für die Zukunft schon Gedanken. Der Dent-Clan ist…nun ja…leider mittlerweile größer als unserer. In so vielen Schlachten, sind so viele von uns getötet worden, dass es eine Zeit lang sehr schlecht um uns stand. Wir haben natürlich dagegengehalten, wir haben uns, oder tun es noch, gegenseitig abgeschlachtet. Niemand glaubte noch daran, dass es jemals eine Einigung geben wird, doch Will hat es -erst einmal- geschafft. « L sieht mich nachdenklich an, » Er hat angeboten, die Tochter des Dent-Clans zu heiraten und unsere Clans damit zu vereinen. Das Töten würde aufhören und wir könnten alle in Frieden leben.«

Als seine Worte mich erreichen, wird mir schlagartig klar, was ich getan habe. Ich habe nicht nur Wills Leben aufs Spiel gesetzt, sondern auch das, aller anderen Clan Mitglieder. Sollte es wegen mir, nicht zu dieser Hochzeit kommen, wird der Krieg anhalten und Leben werden weiterhin ausgelöscht.

»Ich verstehe«, presse ich lediglich heraus.

»Verstehst du wirklich?«, fragt L mich erneut mit Nachdruck.

Ein paar Sekunden sehe ich ihn an, bevor ich antworte. »Ich werde mich von ihm fernhalten.«

»Ich weiß, das wird dir schwerfallen, aber es ist das Beste für uns alle. Das ändert außerdem nichts daran, dass wir dich alle mögen.« Sein Blick wird weicher und er lächelt mich an. Ally macht einen Schritt auf mich zu, um mich zu umarmen.

Überschwänglich nehme ich sie in den Arm, doch lasse ich sie nicht nach der Üblichen Zeit wieder los. Wärend wie dort stehen, vergräbt sie ihr Gesicht in meine Schulter. »Du hast viel mitgemacht, ich weiß das mehr als jeder andere aber das ist jetzt auch dein Clan und wir müssen uns gegenseitig beschützen!«

Ich drücke sie noch einmal leicht und ziehe meine Arme zurück, als mir plötzlich das Handy aus der Hand rutscht. Mit einem Lauten Knall fällt es auf das Display und ich reiße erschrocken die Augen auf.

»Was war das?«, flüstert Ally, zieht sich von mir zurück und sieht sich um. Als sie das Handy auf dem Boden liegen sieht, hebt sie es vorsichtig auf. Mit einem wütenden Blick sieht sie mich an. »Also das hast du hier gemacht?«

Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll, deshalb sehe ich sie betrübt an. »Ich wollte nur wissen ob mit meinem Vater alles in Ordnung ist.«

»Dir ist klar, dass die dich damit orten können? Damit bringst du uns alle in Gefahr, Anna!«

Ich wusste, sie würde es nicht verstehen. »Ich habe nicht darüber nachgedacht, wirklich!«

Plötzlich dreht sie sich um und geht zurück zum Container. Wärend sie wütend davon läuft, gibt sie L das Handy und sagt etwas, das ich nicht mehr verstehe. Hastig renne ich ihr hinterher und versuche sie zu beruhigen.

»Ally bitte sei nicht sauer auf mich. Ich…«, setze ich an, doch sie unterbricht mich.

»Es ist ok, Anna! Das Problem ist nur, dass dich das erreicht hat. Wir kommen mit unserem eigenen Signal nicht raus, das ist der Grund, warum wir immer noch hier sind.« Sie läuft weiter gerade aus während sie mit mir redet.

»Was meinst du damit?«

Plötzlich bleibt sie doch stehen und drückt mir ihren Zeigefinger auf die Brust. »Von wem waren die Nachrichten?«

Überrumpelt sehe ich sie an. Sollte ich ihr die Wahrheit sagen?

»Von meinem Vater«, gebe ich nervös zu. Ich kann nicht anders. »Und von Selina, sie ist in Gefahr. Sie haben sie ebenfalls entführt, doch sie konnte fliehen.«

Ohne ein weiteres Wort geht sie an mir vorbei. Mit schnellen Schritten folge ich ihr zur Tür. L steht ein paar Meter von uns entfernt und tippt auf meinem Handy rum. Ally springt ohne Mühe den Vorsprung hoch und macht die Tür auf.

Als sie drinnen ist, sehe ich mir den Vorsprung genauer an. Ich hebe meine Arme in die höhe und springe hoch.

Mit meinen Händen bekomme ich ihn zu fassen, also ziehe ich mich mit voller Kraft soweit hoch, dass ich meinen Fuß an der Kante auflegen kann. Angestrengt ziehe ich mich hoch.

 

Als ich auf der Krankenstation ankomme, sitzt Will auf der Bettkante, wärend Ally grade eine Infusionsnadel aus seinem Arm herauszieht. Er sieht schon viel besser aus, nicht mehr so blass.

»Hey«, flüstert er.

»Hey, wie geht es dir?«. Vorsichtig lasse ich mich neben ihn sinken.

»Mir geht es besser, dank unserer Super Ärztin«. Er lächelt Ally an, doch diese weicht ihm mit einem gefunzelten Lächeln aus.

»Anna muss dir was sagen«, sagt sie knapp und schmeißt die Nadel in den Mülleimer.

Fragend sieht er mich daraufhin an. Damit hatte ich nicht gerechnet. »Ich hatte Nachrichten auf meinem Handy.«

»Was für Nachrichten? Wie konnten die dich erreichen?« Sein Blick wird plötzlich ernst.

»Also, ich weiß nicht genau wie, aber L untersucht das grade.«

»Da ist noch was«, sagt Ally wieder knapp.

Am liebsten würde ich ihr gerade den Hals umdrehen. Sie macht mir meinen Plan zu Nichte.

»Da waren Nachrichten von Selina, sie wurde ebenfalls entführt aber sie konnte fliehen.«

Plötzlich springt er auf. »Das ist eine Falle, sie will mit Sicherheit, dass du ihr hilfst oder?«

Angestrengt schaue ich aus dem Fenster. »Sie sagte, dass sie fliehen konnte. Ich weiß nicht wie aber sie sagte, sie sei auf der Flucht. Können wir ihr bitte helfen?«

»Ich glaube nicht, dass das deine Freundin war. Ich glaube, dass sie sie benutzen.«

»Was? Das kann aber nicht sein, sie wusste Sachen, die nur sie wissen kann.«

Er verschränkt die Arme vor der Brust. »Das ist ihre Vorgehensweise.«

»Was soll das heißen?« In meiner Stimme schwingt Wut mit.

»Dass sie deiner Freundin wahrscheinlich einer Gehirnwäsche unterzogen haben.«

Erschrocken sehe ich ihn an. »Ich kann das nicht glauben, wieso sollten sie das tun?«

»Überleg, du kommst selber drauf.«

»Wegen mir?«

»Du bist die, die sie wollen. Aber ich werde das nicht zu lassen.«

»Und was ist, wenn sie wirklich in Gefahr ist? Will, sie ist meine beste Freundin.«, flehe ich ihn an.

»Was ist, wenn das eine Falle ist? Was ist, wenn sie dich da schnappen? Willst du das riskieren?«

Er durchbohrt mich jetzt fast mit seinem Blick. Er hat Recht, darüber habe ich wirklich noch nicht nachgedacht.

»Also, nein ich glaube einfach nicht, dass sie ihnen helfen würde. Ich kann doch jetzt nicht einfach nichts tun.« Langsam stehe ich auf und gehe auf ihn zu. »Will, bitte!«

»Wann?«, fragt er knapp, nachdem er sich nachdenklich mit seinen Fingern durch die Haare gefahren ist.

»Heute Abend um Acht, ist das letzte Mal, dass ich sie treffen könnte.«

»Wenn, und ich sage nur, wenn wir ihr helfen würde, dann würdest du natürlich auf gar keinen Fall alleine gehen!«, er macht eine kurze Pause, »und das heißt auch nicht ja, das heißt nur ich überlege mir was, verstanden?«

Fröhlich mache ich einen Schritt nach Vorn. »Ehrlich?«

»Ja, und jetzt raus hier! Guck mal wie du aussiehst! Wie lange hast du dich nicht mehr gewaschen?«. Mit einem Lachen auf den Lippen schiebt er mich aus dem Zimmer. Als er mir die Tür vor meiner Nase zu schlägt, schaue ich an mir herunter. Er hatte Recht, ich habe immer noch mein Beiges Top an, dass mittlerweile nicht mehr Beige, sondern Rot ist. Mein Körper ist völlig verdreckt und meine Haare, wie die aussehen, will ich gar nicht wissen.

Ich beschließe, das Bad aufzusuchen und mich mal frisch zu machen. An dem großen Fernseher vorbei, mache ich die Tür zum Bad auf. Mir fällt auf, dass ich, seit ich hier bin, noch nie in diesem Raum war.

Vorsichtig trete ich ein, denn ich kann mir nur schwer vorstellen, wie das Bad eines Vampires aussieht. Vampir. Das Wort spuckt mir einige Male durch den Kopf, doch kann ich immer noch nicht glauben, dass es wahr ist.

Langsam sehe ich mich um. In dem Raum befinden sich zwei Duschen, die direkt nebeneinander sind. Neben an, befinden sich zwei kleine Kabinen mit Toiletten. Als ich mich umdrehe, um abzuschließen, sehe ich, dass es kein Schloss gibt. Fieberhaft suche ich nach einer Möglichkeit, die Tür abzuschließen, doch es scheint keine zu geben.

Schnell renne ich in die Dusche und ziehe mich dann dort erst aus.

Ich stelle das Wasser an und lasse es über meinen Körper fließen. Ich zwinge mich dabei, an nichts zu denken.

 

Als ich das Wasser abdrehe, setzt ich einen Fuß aus der Dusche, bevor mir plötzlich einfällt, dass ich gar keine sauberen Klamotten habe. Schnell wickele ich mir ein Handtuch um die Hüften, dass ich mir aus dem Schrank unter dem Waschbecken nehme. Langsam gehe ich zur Tür und mache sie einen Spalt auf.  »Ally?«

Diese steht gerade in der Küche. »Ally komm mal kurz her, bitte! Was machst du da?«

Hastig dreht sie sich um und kommt auf mich zu. »Was ist los?«

»Ich habe keine Klamotten, woher bekomme ich welche?«, frage ich ratlos.

»Einen Moment! Und außerdem versuchte ich gerade was zu trinken.«. Ally macht auf dem Absatz kehrt und geht in das Zimmer rechts von uns. In diesem Zimmer war ich noch nie. Was es wohl damit auf sich hat?

Kurzerhand ist sie zurück und drückt mir einen Stapel Sachen in die Hand.

»Anziehen! Ohne Kommentare!«, befiehlt sie und zwinkert mir kurz zu.

 

Als ich die Sachen angezogen habe, staune ich nicht schlecht. Die Sachen passen, als wären es meine eigenen. Wärend ich mich im Spiegel betrachte, Binde ich mir meine Haare zu einem Dutt. Der schwarze Pullover, den ich trage, gefällt mir sehr gut. Er schmiegt sich an meinen Körper an und mich beschleicht das Gefühl, dass das eine Montur für den Kampf gemacht ist. Auf eine schwarze Lederhose trage ich schwarze Stiefel. Sonst nicht mein Ding aber so gefällt, mir was ich trage.

Als ich aus dem Badezimmer raus trete sehe ich mich um, doch sitzt lediglich L alleine auf der Couch.

»Hey!«, sage ich knapp.

»Hey!«

»Ist alles in Ordnung? Wo sind die anderen?«, ich lasse meinen Blick in die Küche schweifen.

»Will wusste, dass du nicht lockerlassen wirst, also ist er Mit Brisk, Torell und Ally gefahren, um deine Freundin zu holen.« Er macht eine Handbewegung, dass ich mich neben ihn setzen soll.

»Was? Er ist ohne mich gefahren?«. Wütend lasse ich mich neben ihn auf die Couch fallen.

»Bleib ruhig! Also er sagte mir, ich soll hier solange auf dich aufpassen, bis er wieder da ist. Ich denke in spätestens fünf Stunden sind sie wieder da. Er konnte das Risiko nicht eingehen, dass sie dir eine Falle stellen, also hat er die Jungs und Ally als Verstärkung mitgenommen.«

Fassungslos sitze ich da. »Das kann doch echt nicht sein Ernst sein!«

»Es gibt aber noch was. Dass dich die Nachrichten erreicht hat, war kein Zufall. Wir kommen mit unserem eigenen Signal nicht raus. Das heißt, ich werde gleich eine kleine Tour unternehmen, zu einem anderen Lager hier in der Nähe. Ich glaube, dass sie uns abschirmen, das werden sie aber hoffentlich nicht auch dort tun. Von da aus, werde ich den Clan um Rat bitten, wie wir weiter vorgehen. Du wirst hierbleiben!«, eindringlich sieht er mich an, »und du wirst hier auf mich warten! Ich brauche nicht lange, höchstens eine Stunde.«

»Ich soll hier alleine bleiben? Nagut…«, geknickt sitze ich da, ich kann eh nichts tun, um Will oder L noch aufzuhalten.

Vor lauter Vorfreude Selina bald wieder zu sehen, lasse ich mich darauf ein, hier alleine zu bleiben.

»Ich habe noch was für dich.« Langsam steht er auf und geht in das Zimmer rechts von uns.

»Was ist eigentlich in diesem Zimmer?«, rufe ich ihm neugierig hinterher.

»Das wirst du noch erfahren aber jetzt…«, er kommt auf mich zu, doch versteckt er etwas hinter dem Rücken, »…Ist für dich! Ich darf dir die eigentlich nicht geben, aber ich muss dich alleine lassen und ich will, dass du die nur im aller schlimmsten Notfall benutzt!«. In seiner Hand befindet sich eine Schusswaffe.

Erstaunt sehe ich ihn an. »Ich… ich weiß gar nicht, wie man so ein Ding benutzt.«

Er drückt mir die Waffe in die Hand und legt meinen Finger auf den Abzug. »Hier oben entsichern und dann abdrücken! Versuche es!«

»Ich soll hier drin abfeuern?«, entsetzt sehe ich ihn an.

»Tu einfach was ich dir sage!«, befiehlt er daraufhin genervt.

»Bist du verrückt geworden?«

Er sagt nichts doch sieht er mich weiterhin erwartungsvoll an.

»Ich…ok dann…«, ich schlucke schwer, » dann drücke ich jetzt ab.«

Weil er nichts sagt, schließe ich die Augen und ziele auf den Fernseher. Ich lasse den Abzug ganz langsam nach hinten gleiten. Meine Hände zittern und ich warte auf den Knall. Als ich den Abzug schließlich durchdrücke, klickt die Waffe nur, doch es geschieht nichts. Verwirrt öffne ich meine Augen.

»Gut gemacht! Du hast die Anweisung umgesetzt. Ich habe die Patronen natürlich vorher rausgenommen«, sagt L stolz, »Du weißt wie sie funktioniert, also kannst du dich ruhig, bis ich wieder da bin, sicherer fühlen.«

Er hängt sich einen Rucksack über die Schulter und nimmt mir die Waffe ab, ehe er das Magazin wieder hineinsteckt. Er reicht sie mir herüber. »Im Notfall!«

 

Als er zur Tür raus ist, schließe ich sie hinter ihm. Langsam schlendere ich in die Küche und schaue mich um. Was ich wohl als erstes mache? Als mein Blick sofort auf DIE Tür fällt, gibt es kein Halten mehr. Mit schnellen Schritten laufe ich auf sie zu und stelle mich erwartungsvoll vor sie. Ich atme einmal tief durch, bevor ich die Klinke ganz langsam runter drücke. Schwungvoll lasse ich die Türe auffallen und reibe mir aufgeregt die Hände.

Die Tür schwingt auf und ich schaue mich hastig um. Das kann doch nicht wahr sein.

Ich mache einen Schritt nach vorne, um einzutreten, als mich plötzlich ein stechender Schmerz durchfährt.

Plötzlich kann ich mich nicht mehr bewegen und sinke langsam zu Boden. Keuchend versuche ich mich am Rahmen der Tür fest zu halten, doch meine Gliedmaße fühlen sich an, als wären sie gelähmt. Das Gefühl, kommt mir seltsam bekannt vor, als sich plötzlich abermals ein Film vor meinen Augen abspielt.

Der Trupp schleicht in Formation bewaffnet und angriffsbereit durch einen dunklen Flur.

An den Wänden hängen alte Gemälde, das Licht ist Dezent.

Als sie kurz vor einer Gabelung sind, gibt Will den Befehl, auszuschwärmen, doch als sie sie erreichen, verstecken sich dort bereits bewaffnete Männer. Ein Feuergefecht bricht aus, dass am Ende tödlich für Will und Brisk ausgeht. Ein blonder junger Mann, hatte Will einen Dolch ins Herz gerammt, an dem er verblutete.

 

Schlagartig ist das lähmende Gefühl verschwunden. Ich öffne meine Lider und ziehe mich langsam wieder am Türrahmen hoch. Keuchend fasse ich mir an den Hals. Als mir klar wird, was das alles zu bedeuten hat, überkommt mich die Panik. Ich lasse mich luftringend gegen den Wohnzimmertische fallen und greife zitternd nach der Waffe. »Oh Gott, sie werden alle sterben«, keuche ich mit letzter Kraft. Ich presse meine Lippen zusammen, wärend ich versuche meine Beine anzuwinkeln. Langsam raffe ich mich auf und laufe aufgeregt hin und her. »Was soll ich nur tun? Auf L warten? Nein, dann kann es zu spät sein.«

Ich weiß, ich muss jetzt etwas tun, also mache ich es selbst. Ich weiß, an welchen Ort sie wollen, und ich werde es verhindern.

Hastig renne ich zur Tür und mache sie auf. Aufgeregt springe ich den Vorsprung hinunter sehe mich um. »In welche Richtung muss ich?«, brülle ich panisch, bevor ich beschließe, nach rechts zu laufen.

Da ich nicht weiß, wo ich auskomme, nehmen ich mir vor, das nächste Auto, dass ich sehe, zu knacken und nach einer Landkarte zu suchen.

Baum reit sich weiterhin an Baum doch werde ich nicht langsamer. Keuchend schlage ich die Äste zur Seite, die mir im Weg sind.

Eine Weile laufe ich durch den Wald, als ich irgendwann schließlich das Ende sehen kann.

Schnaufen bleibe ich am Rand des Waldes stehen und schaue mich um, bevor ich zwei Autos entdecke. Das eine ist rot, das andere ist schwarz. Ich entscheide mich für das rote.

Kurzerhand knacke ich das Auto und steige ein. Als ich losfahre, kreisen meine Gedanken nur um das eine: Will.

 

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