Blood Hunter Kapitel 5- Nicht gleichwertig

Ein warmer langer Sonnenstrahl brennt mir auf meiner Wange. Langsam öffne ich meine Lider.

Das Krankenzimmer ist so hell vom Sonnenlicht beleuchtet, dass ich meine Augen wieder schließen muss. Als ich meine Hand an meine Stirn lege, sehe ich mich um. Niemand ist da, ich bin alleine. Langsam lasse ich meine Beine aus dem Bett gleiten und versuche aufzustehen. Gerade, als ich den zweiten Fuß aufsetzen will, wird mir schwindelig und ich lasse mich darum zurück aufs Bett fallen.

»Hallo? Ally? «, rufe ich. »Ist irgendjemand in der Nähe?«

Weil mir niemand antwortet, beschließe ich, nach ihnen zu suchen, sobald mein Kreislauf wieder mit spielt. Langsam raffe ich mich schließlich auf und greife nach der Infusionsstange. Mit kleinen Schritten komme ich vorwärts, als ich die Tür endlich erreiche. Ich lasse sie auffallen und sehe ich mich im Raum um.

»Will?«, rufe ich wärend ich hinein trete. Weil ich keine Antwort bekomme, gehe ich zur Küche.

»Niemand? Wo sind die denn alle?«

So langsam haben sich meine Muskeln an das Laufen gewöhnt, also lasse ich die Stange in der Küche stehen, und schlürfe langsam zur großen Tür, die nach draußen führt. Gerade als ich die Hand zum Griff ausstrecken will, sehe ich nach links durch das große Fenster. Sofort fallen mir kleine Bewegungen, von mehreren Personen hinten im Wald auf.

»Wer ist das denn?« Ich kneife die Augen zusammen, um besser sehen zu können. In der Ferne kann ich Allys türkisen Haare und noch drei weitere Personen erkennen.

»Da sind sie ja «, flüstere ich und jetzt kann ich endlich auch erkennen, was dort vor sich geht: Ally kämpft mit Bambusstöcken gegen die Anderen. Will, Brisk und Torell haben ebenfalls jeweils zwei Bambusstöcke in der Hand.

Schnell greife ich mir meine Schuhe, stülpe sie mir lose über die Füße und öffne die große Tür.

Langsam lasse ich mich den Vorsprung hinabsinken, bevor ich plötzlich unsanft mit meinem Hintern auf den Boden knalle. »Aua!«, flüstere ich schmerzerfüllt, wärend ich aufstehe und mir den Dreck von meiner Hose abklopfe. Mit kleinen Schritten gehe ich auf sie zu und kann das Kampfgeschehen so besser beobachten. Als ich nah genug bin, um alles sehen zu können, bleibe ich stehen.

Ally trägt ein schwarzes Top und eine kurze schwarze Hose. Die Männer kämpfen oberkörperfrei, nur eine kurze Hose tragend. Der Schweiß rinnt ihnen über die Körper und die Muskeln der Männer kommen beim Kampf zum Vorschein. Sie sind alle so durchtrainiert, wie ich es bisher nur von Bodybuildern kenne. Ich schaue mir jeden der Jungs genau an. Brisk klebt das wuschelige braue Haar, vom Schweiß, an der Stirn. Sein Körper wird von einer großen Narben auf dem Rücken geziert. Man sieht ihm an, dass er bereits den ein oder anderen Kampf erlebt haben muss. Mein Blick schweift zu Torell. Auch ihm sieht man an, dass er für das Kämpfen geboren ist. In seinem Gesicht ist geschrieben „Bitte greif mich an, ich schlage dir das Gesicht ein“. Sein Körper ist sehr blass und er ist auch ein wenig schmächtiger, als die andern beiden Jungs, doch der Nahkampf scheint sein Ding zu sein. Er fixiert seinen Gegner und fährt sich kampfeslustig mit seiner Zunge über die Zähne.

Ally würde ich, wenn ich sie so sehe, nie als Kämpferin vermuten. Sie ist größer als ich, doch hat sie den Körperbau einer normalen Frau. Sie ist ebenfalls durchtrainiert, doch sieht man es ihr so nicht an.

Schließlich komme ich zu Will. Er ist nicht der Größte der Runde, das ist Brisk, doch sein Körper sieht besonders aus: Er ist überall am Körper tätowiert und ich sehe keine Stelle, außer den Beinen, wo noch eine freie Fläche, für ein weiteres Tattoos wäre. Was genau seinen Körper ziert, kann ich jedoch nicht erkennen, dafür bin ich noch zu weit weg.

Aufgeregt hocke ich hinter einem Baum und warte, was als nächstes passiert.

 

Der Kampf geht weiter, indem Ally schließlich ausholt und den rechten Bambusstock gegen den linken von Brisk schlägt. Dieser hält ihrem Schlag stand und nimmt schließlich seine andere Seite, um ihr damit gegen die Rippen zu schlagen. Doch Ally weicht gekonnt aus, geht in die Hocke und fängt ihn mit ihrer rechten ab, um Brisk mit ihrer linken, in den Bauch zu schlagen. Der schlag sitzt und Brisk geht jammernd zu Boden.

»Du bist raus! «, ruft Ally ihm triumphierend zu. Brisk dreht sich langsam zur Seite, sodass nur noch Will und Torell übrig sind.

»Du hast dazu gelernt, Kleine «, sagt er schmerzerfüllt und setzt sich auf die Wiese.

Will steht links und Torell rechts von ihr, sie sehen sie beide furchtlos an.

»Bist du bereit? «, fragt Will sie warnend und als Ally schließlich nickt, geht alles ganz schnell: Torell und Will laufen beide auf sie zu, bevor sie dann beide mit einer Seite des Bambus auf sie los gehen. Schnell hebt sie ihre Arme hoch und wehrt beide Schläge ab. Will tritt ihr jedoch gegen das Schienbein, woraufhin sie kurz zuckt, sich aber sonst nichts weiter anmerken lässt. Sie macht eine kleine Rolle um Torell herum, um ihm in den Rücken zu schlagen. Dieser geht jedoch ebenfalls in Deckung und kann ihrem Schlag so ausweichen. Wills Rechte wehrt Torell ebenfalls mit seiner Linken ab, bevor Ally dann zum Sprung ansetzt und Will mit voller Wucht, beide Stöcke in den Rücken rammt. Keuchend dreht dieser sich um und starrt sie mit einer Mischung aus Überraschung und Wut an. »Miss…«, sagt er furchteinflößend.

Mit einer schnellen Umdrehung schmeißt er seine Stöcke plötzlich finster dreinblickend zur Seite und greift Ally mit einer Hand an ihrer Schulter und mit der anderen Hand am Fuß. Plötzlich dreht er sich mit ihr einmal um sich selbst und wirft sie dann, mit voller Wucht, von sich weg in den Wald hinein.

Ich kann meinen Augen nicht trauen. Mit einer wahnsinnigen Wucht fliegt Ally viele Meter weit, gegen einen Baum, der nach ihrem Aufprall in der Mitte durchbricht und schließlich knarrend nach hinten umkippt.

Torell sieht Will mit einem triumphierenden Grinsen an.

»Oh mein Gott, Ally!«, schreie ich plötzlich panisch und schlage mir die Hände vors Gesicht. Schnell komme ich näher, will nach ihr sehen, doch als ich näher komme, wird Wills Blick plötzlich eiskalt.

»Was machst du denn hier?«, knurrt er mich an und ich bleibe sofort stock steif stehen. In seiner Stimme klingt plötzlich ein so großer Hass mit, dann ich am ganzen leib zittere. Ich sehe ihn fragend an und Torell steht daraufhin langsam auf.

»Ich…ich bin wach geworden, und …«, ich mache eine Pause, da ich mir Sorgen um Ally mache. »Was ist mit ihr? Geht es ihr gut? «

Die drei sehen mich fragend an. Niemand sagt etwas.

Will putzt sich mit seinem Handrücken die Nase ab und sieht dann Torell finster an.

»Die wird schon wieder. «, sagt Torell knapp, als neben mir plötzlich etwas im Gebüsch raschelt.

»Will…«, sagt Ally amüsiert, als sie aus dem Gestrüpp heraus tritt, »…das bekommst du zurück!« Sie lächelte amüsiert, während sie auf uns zu kam und sich das Blut unter der Nase, mit ihrer Hand abwischt.

»Oh, Hi Anna. Du bist schon wach? «, sagt sie, als wäre das eine beiläufige Frage.

Ich schaue sie verdutzt an. »Ist das dein Ernst? Du bist grade gegen einen Baum geschleudert worden und hast nichts?«

Sie legt ihre Hand auf mein Kreuz und drückt mich dann mit sich zurück in Richtung Container.

»Ja, also doch, ich hab schon was abbekommen aber es ist nicht so schlimm, wie es aussieht. Will hat nicht mit voller Kraft zu gehauen und außerdem, ist es ja meine eigene Schuld gewesen.« Sie sagt dies schon wieder, als wäre sie nicht gegen einen Baum geprallt. Während wir zum Container gehen, werfe ich noch mal einen Blick zurück. Doch ein eiskalter Blick durchbohrt mich bereits. Will steht mit verschränkten Armen einfach nur da und starrt mich durchdringend an. Dieser Blick sagt nicht „Ich freu mich dich zu sehen“. Dieser Blick sagt Sachen, die ich gar nicht aussprechen will.

»Anna, du…«, sie macht eine Pause.

»Wow «, sage ich aufgeregt und kichere dabei.

»Genau das habe ich gemeint! Ja, er sieht super aus. Ja, er ist so gefährlich wie er aussieht. Du solltest dich vor ihm in Acht nehmen!«, legt sie mir nah.

»W…wieso? Was ist mit ihm?«, frage ich sie verunsichert.

Als wir am Container ankommen, springt sie den Vorsprung hinauf und zieht mich ebenfalls hoch.

»Ich erzähle es dir aber zuerst muss ich dir noch etwas anderes Wichtiges klar machen.«

Mit großen Schritten gehen wir zum Krankenzimmer. »Komm, ich wechsle den Verband!«

»Nagut. Was kann denn so schlimm sein?«, frage ich sie irritiert. Ich lasse mich vor sie, auf einen Drehstuhl fallen und suche an meinem Körper nach einer Blessur. »Ich fühle keinen Schmerz.«

»Doch Kleine, dreh dich mal um!« Langsam drehe ich mich mit dem Stuhl um.

»Stopp!«, sagt sie schließlich, als ich ihr mit dem Rücken gegenüber stehe.

»Auf dem Rücken?«, frage ich sie ungläubig.

Sie zieht mein Oberteil zur Seite herunter und zum Vorschein kommt ein großes Pflaster auf meiner Schulter.

»Oh…«, flüstere ich lediglich, doch lasse ich sie gewähren. Unterdessen spreche ich sie erneut auf Will an.

»Was ist denn nun mit Will? Was macht ihn so gefährlich?«

Sie schluckt einmal schwer, bevor sie anfängt. »Na gut! Das da draußen, das ist William Hunt«, sie macht einen kurze Pause, »Warum du noch nie von ihm gehört hast? Er ist der Nachfolger des legendären Hunter-Vampirclans und das Gefährlichste Wesen, das du je gesehen hast!«

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