Blood Hunter Kapitel 2-Jäger und Gejagter

 

»Will«, sagt Ally fordernd, »die wollen sie. Es gibt nun keinen Zweifel mehr. Sie ist das Mädchen, von dem sie alle reden.«

Mit einer schnellen Bewegung hat er sich von mir entfernt. Sie ist so schnell, dass meine Haare noch nach vorne nachfliegen.

»Ich weiß«, presst er genervt heraus und fährt sich mit den Fingern durch die Haare.

»Aber was wollen die von ihr? Ich meine, sie sieht aus wie ein normales Mädchen. «

Er läuft aufgeregt hin und her doch lässt er mich dabei nicht aus den Augen. Brisk hatte Will einen kompletten Bericht über die Schäden des Autos gegeben. Wir fahren also nur noch auf drei Reifen.

»Sie muss besonders sein, Will. Sieh sie dir an!«, fordert Ally mit Nachdruck.

Angewidert starrt er mich daraufhin an. »Du willst mir also weiß machen, dass dieses Mädchen, dieses Gott verdammte normale Mädchen irgendetwas Besonderes ist? Sie ist eine gewöhnliche. Ein zerbrechlicher Mensch, mehr nicht!«, sagt er angestrengt. Ally macht einen Schritt auf ihn zu und sieht ihm tief in die Augen. »Auch Menschen können besonders sein, Will!« Sie macht eine kurze Pause um ihren Worten Nachdruck zu verleihen. »Find dich damit ab, Will. Und jetzt hör auf mit deinen Spielchen sie ist schon ganz verängstigt!«.

Einen Moment lang sagt niemand etwas und ich schaue zwischen den beiden hin und her. Der Van ruckelt im Rhythmus der Fahrt als wir plötzlich zum Stehen kommen.

»Also gut Ally, dann hast du die Verantwortung für den Menschen«, er geht langsam bis zum Ende des Vans und dreht sich noch mal um. »Du kümmerst dich um…«, er macht eine Handbewegung in meine Richtung, »…das da. Du weißt hoffentlich, dass du uns alle damit in Gefahr bringst.« Mit einem finsteren Blick springt er hinaus.

Eine Weile sagt Ally nichts, doch auch ich traue mich nicht, etwas zu sagen. Hastig kommt sie schließlich auf mich zu und lächelt mich an. »Na dann wollen wir mal«. Sie schlingt ihren Arm um mich, sodass mir das Aufstehen leichter fällt.

»Ich will wirklich keinen Ärger machen«, versichere ich ihr aufgeregt, bevor sie mich dann unterbricht.

»Nein. Das brauchst du nicht zu denken. Du bist erstens meine Patientin und zweitens, kann Will manchmal ein Arsch sein«. Sie lächelt mich weiter freundlich an, wärend wir zusammen den Van verlassen. Langsam lasse ich mich hinunter sinken.

»Außerdem,…« setzt sie erneut an, »…bin ich auf deine Geschichte gespannt.«

Mich überkommt plötzlich ein komisches Gefühl. Was meint sie wohl damit? Meint sie meine Lebensgeschichte? Erst jetzt denke ich über all das Gesprochene nach. Ich setze zu einer Antwort an, doch sie lässt mich nicht zu Wort kommen. »L, kannst du mir eben helfen?«, ruft sie und unterbricht mich damit.

Wir biegen zusammen um den Van ab, als sie mich loslässt. Eine weitere Gestalt, mit einem großen Gewehr, kommt auf mich zu, bevor auch seine Maske, wie auch bei den anderen, zur Seite verschwindet.

»Ich helfe dir«, bietet der Mann mir freundlich an und legt einen Arm um meine Hüfte. Ich kann nicht anders als ihn anzustarren. »Torell, du die andere Seite bitte!«, befiehlt sie ihm prompt. Dieser kommt und hebt mich von der anderen Seite meines Armes hoch. Der erste Mann ist blond und hat die gleichen roten Augen, wie die anderen. Der andere hat schwarze längere Haare und diesen, zu einem Zopf, nach hinten gebunden.

Er ist auffallend hübsch.

Plötzlich fallen mir Gemeinsamkeiten zwischen all den Personen auf: Ally, Will und die zwei anderen Personen, sind alle in schwarz gehüllt. Sie tragen alle Masken und wenn sie verschwunden sind, haben sie alle rote Augen. Mich beschleicht langsam ein komisches Gefühl, doch ich fühle mich in ihrer Gegenwart komischerweise, sehr sicher. Ich meine, sie haben mich gerettet. Ich weiß nicht wo ich wäre, hätten sie es nicht getan.

Diese Ally scheint eine Medizinische Ausbildung gemacht zu haben. Vielleicht ist sie gar eine Ärztin? Ärzte sind doch eigentlich immer gut, ich fühle mich in ihrer Obhut sicher.

Will kommt mit schnellen Schritten auf uns zu und meine Gedanken verstummen daraufhin sofort. Meine Wangen werden rot.

»Brisk hat die Pfärte aufgenommen. Wir gehen quer durch den Wald. Ich habe keine Ahnung, ob die noch mal zurückkommen. « Er sieht mich kurz an und schaut dann wieder Ally an. »Der Van ist hin und außerdem haben wir n Paar von denen gekillt. Das gefällt denen sicher nicht, die werden mit Verstärkung zurückkommen.«

L sieht Ally an und nickt ihr dann zu. »Wir lassen ihn am besten hier. Nicht nur die zerstochenen reifen, sondern auch die Karosserie.« Als ich mich umsehe, ist deutlich zu sehen, was er damit meint. Die vordere Karosserie ist völlig verbogen und der Reifen nicht mehr zu sehen.

»Dann los«, sagt Ally entschlossen und geht voran.

»Stopp Jungs! Wartet! « Will kommt einen Schritt auf uns zu. »Ich mache das Brisk.«

Brisk sieht in forschend an. »Ist klar Boss«, sagt er leise und tritt zur Seite. Was hatte das wieder zu bedeuten? Lässt er mich nachher im Wald zurück? Er sieht mich finster an, bevor er mich hochnimmt und wir uns wieder in Bewegung setzen. Mein Körper reagiert sofort auf seine Nähe. Der Arm, an dem er mich festhält, fängt an zu pochen. Mein Körper genießt das Gefühl und plötzlich fühle ich mich seltsam umsorgt.

Wir laufen schon eine Weile durch den Wald und meine Lieder werden immer schwerer. Mein Atem geht sehr schnell, obwohl ich mich eigentlich nicht selber bewegen muss. Bäume reihen sich an eitere Bäume und es geht immer tiefer in den Wald hinein.

Plötzlich knackt ein Ast in der Nähe.

Abrupt bleibt der Trupp, samt mir, stehen und sieht sich konzentriert um.

Mich durchfährt wieder die Angst. Waren das wieder die Leute die mich entführt hatten?

Will sieht Brisk und Ally nachdenklich an und gibt ihnen mit der Hand dann ein Zeichen. Ich glaube, ich habe dieses Zeichen schon einmal in einem Film gesehen. Es bedeutet „ausschwärmen“.

Also ist was wahr, sie verfolgen uns wirklich.

Ally schnappt sich ihre, auf ihrem Rücken befindliche Waffe und rennt nach links, Brisk rennt plötzlich nach rechts weiter in den Wald hinein.

»Wir gehen gerade aus. Schnell! «, flüstert Will, ehe wir mit schnellen Schritten immer weiter in den Wald los rennen.

Zusammen springen wir über Stock und Stein und mein Körper bebt durch die Bewegung. Die Arme, die mich eben noch sanft umschlangen, sind nun harte Griffe auf meiner Haut. Die Panik ist mir anzusehen. Das Adrenalin durchfährt meinen ganzen Körper und ich kralle mich richtig fest an ihn.

Als wir eine Weile in diese Richtung laufen, werden wir erst langsamer und kommen dann schließlich zum Stehen. Brisk und Will sehen sich weiterhin hektisch um.

Weil niemand etwas sagt und sich auch niemand bewegt, sehe ich Will fragend an, doch dieser ist so konzentriert, dass er mich wahrscheinlich nicht mal war nimmt.

Schnell sieht er zu Brisk herüber. Dieser erwidert seinen Blick sofort, als die beiden sich plötzlich mit mir umdrehen. Schlagartig rennen wir in einer anderen Richtung.

Der Himmel wird immer dunkler und die Sicht wird zunehmend schlechter.

Mir kommt es vor, als würden wir schon eine Ewigkeit durch den Wald rennen und so langsam macht mein Körper schlapp. Ich lasse den Kopf sinken, denn er fühlt sich schwerer an, als sonst.

»Wach auf Anna! «, flüstert Will, »du musst durchhalten, ok?«

Seine Stimme dringt durch meinen Kopf und lässt mich auf keuchen.

»Hier!«, sagt Brisk und setzt mich plötzlich ab.

Er springt einen kleinen Vorsprung hinunter und reicht mir dann seine Hand. »Komm schnell kleine, sie sind gleich da.«

Will packt mich unter den Armen und lässt mich dann ebenfalls langsam den Vorsprung hinab gleiten. Brisk nimmt mich in empfang, ehe Will uns leise folgt.

»Und jetzt Still!«, befiehlt er und setzt sich neben mich.

Wenige Sekunden später höre ich plötzlich Stimmen, die aus der Richtung kommen, wo wir herkamen.

Mein Herz rast und meine Atmung geht plötzlich schneller. Meine Hände fangen an zu zittern. Will sieht mich überrascht an. »Nein, nein, nein, nein, nein! Halt die Klappe! Die können uns sonst hören«, knurrt er mich aufgeregt an und hält mir den Mund zu. Er umschlingt meinen Kopf mit seinem Arm, sodass ich nun an seiner Brust liege.

Die Stimmen kommen näher, als eine davon plötzlich etwas flüstert.

»Komm raus kleine!« Er macht eine Pause. »Wir wollen dir gar nichts tun, nur ein wenig die Federn stutzen, wenn du weißt was ich meine «, spottet er.

Die Angst überkommt mich erneut. Ich kenne diese Stimme nicht, doch erinnert es mich an das Erlebte. Schlagartig ist alles wieder da: Die Entführung, die Folter.

Meine Brust hebt und senkt sich schneller, ich kann sie nur noch schwer kontrollieren und mein Kopf droht zu explodieren. Ich schließe schnell meine Augen. Will drückt mich fester an sich, um mich zu beruhigen, doch die Angst, die mich plagt, ist größer. Heiße Tränen rinnen über meine Wangen und ich schaffe es nicht, mich zu beruhigen. Die Stimmen kommen immer näher, sind bald bei uns. Ich kralle mich an Will fest, umarme ihn so fest ich kann.

»Hier ist irgendwo was, ich kann es spüren«, sagt jemand über uns und ich kann die Äste über uns knacken hören.

Mit einem Ruck löst Will sich von mir und nimmt meinen Kopf dann zärtlich zwischen seine Hände. Meine Wangen umfasst er mit seinen Daumen und urplötzlich presst er seine zarten weichen Lippen, fest auf meine.

Schlagartig ist es mir egal, ob wir heute sterben.

 

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