Blood Hunter Kapitel 17-Flucht

Will…

Ich hasse sie. Ich hasse es, wie sie sich bewegt. Ich hasse es, wenn sie mich anlächelt, als wäre ich der eine Mann auf dieser Welt, den sie am meisten liebt. Sie ist so falsch, dass es mir fast die Zähne raushaut. Ich habe Ally gesagt, dass ich nicht will, dass Anna auf diesem Maskenball aufkreuzt. Ich will nicht, dass sie all das mit ansehen muss. Es reicht schon, dass sie hinten rum unseren Clan abschlachtet und sich vorne herum, bei meinem Vater einschleimt. Ich kann ihre widerliche Visage nicht länger ertragen, doch will ich, dass es meiner Familie und Freunden gut geht. Diese Hochzeit muss stattfinden, auch, wenn ich mich dafür für immer hassen werde, weil ich unglücklich bin. Dies ist mein Schicksal: ein König muss tun, was für sein Volk am besten ist und nicht für sich selbst. Deshalb, werde ich das durchziehen, egal, was Anna von mir denken wird. Bald wird sie sich verwandeln und ich werde nicht bei ihr sein aber ich weiß, dass sie das schaffen wird, auch ohne meine Hilfe. Am Anfang, war sie ein mickriger Mensch, der es fast nicht wert war, gerettet zu werden. Und jetzt? Ist sie zu einer starken, furchtlosen aber auch vorlauten Frau geworden. Sie widersetzt sich dauernd meinen Befehlen und tut immer genau das, was sie nicht tun soll. Ich wusste, hätte ich ihr verboten, auf den Maskenball zu gehen, würde sie es gerade wollen. Da sie auf mich eh nicht zu hören scheint, habe ich Ally damit beauftragt, es ihr schonend bei zu bringen.

Als die Musik plötzlich verstummt, springen die Wachen bereits auf. Als jäh ein Raunen durch die Masse geht, presche ich bis zur großen Treppe hervor, um zu sehen, was da vor sich geht. Eine Frau, in einem blauen Kleid, hält Anna an der Kehle in die Luft und wirft sie plötzlich mit voller Wucht die Treppe hinunter. Sofort renne ich los, als die Frau plötzlich ein Messer in Richtung des Königs wirft. Sie wirft Raven einen flüchtigen Blick zu, bevor sie blitzschnell durch die Menge zur großen Tür rennt und verschwinden will. Als ich Anna endlich erreiche, liegt sie bereits bewusstlos auf dem Treppenansatz.

»Anna «, keuche ich und streiche mit meiner Hand ihre Haare zurück. »Anna wach auf! «

Schnell suche ich ihren Körper nach Blessuren ab und werde direkt fündig. Ihr Arm ist gebrochen. Als Ally endlich zu uns stößt, nimmt sie sie mir ab. Ich lasse sie nicht gerne los, doch weiß ich, dass sie bei ihr in guten Händen ist. Langsam stehe ich auf. »Torell, L? Wo seid ihr? «, brülle ich wütend in die Masse, als sie kurz darauf bewaffnet auf mich zu kommen. Wütend werfe ich meine Maske auf den Boden.

»Wir finden sie Will! Ich reiße das Miststück in zwei Hälften! «, sagt Torell während seine Stimme vor lauter Zorn bebt. Er legt seine Hand auf meine Schulter und drückt mir eine Uzi an die Brust. Ich nicke ihm zu, ehe ich Ally noch einmal ansehe.

»Ally…«, setze ich an, doch sie unterbricht mich sofort.

»Ich weiß Will, mach diese Schlampe fertig, ich kümmere mich um Anna «, winkt sie ab. Das ist das, was ich hören wollte.

»Aus dem Weg! «, brülle ich der Masse entgegen, damit sie eine schmale Gasse für uns bilden. Mir ist egal, was sie in diesem Moment von mir denken, ich will nur diese Schlampe finden. Mit schnellen Schritten, verlassen wir erst den Saal, dann das Gebäude und schließlich, folgen wir der Ausfahrt der Villa bis hin zur Stadt.

Als Torell plötzlich stehen bleibt, tun wir es ihm gleich. » Sie kann sich nur in der Stadt verstecken. Wir finden sie, sie kann das nicht allein getan haben. «

»Ich weiß, mein Freund. « Ich sehe ihn eindringlich an. »Ich verlasse mich auf euch! «

Sie nicken mir beide zu und verschwinden dann in verschiedene Richtungen auf den Dächern der Stadt.

Mit einem kleinen Sprung, stehe ich ebenfalls auf dem Dach, des nächsten Hauses und sehe mich um. Die Stadt ist ruhig, die Menschen, sind schon längst in ihren Betten und verschlafen die Hälfte ihres scheiß Lebens. Sie sind so mickrig und denken trotzdem, dass sie nichts umbringen kann, dass sie die Könige dieser Welt sind aber dem ist nicht so. Ich könnte ihnen allen, in nur ein paar Sekunden, das Leben nehmen und würde dabei nicht mal mit der Wimper zucken.

Langsam schleiche ich bis zum Ende des Daches und springe vorsichtig auf das nächste. Auf alles gefasst, halte ich die Uzi nah an meinem Körper. Aus einiger Entfernung, kann ich Torell erkennen, der mir ein Zeichen gibt, dass dort nichts zu finden war.  Ich gebe ihm ebenfalls ein Zeichen, dass ich verstanden habe und schleiche weiter zum nächsten Dach.  Sie ist hier irgendwo das kann ich spüren, das konnte ich schon immer. Langsam schließe ich meine Augen und atme einmal tief durch.  Ich verlasse mich nun auf mein Gehör, dass mich noch nie im Stich gelassen hat. Die Menschen unter mir in dem Haus, ich kann sie atmen hören. Da ist der Vater, der noch Fernseher sieht, augenscheinlich sieht er sich einen Porno an. Klappt wohl nicht mehr mit der eigenen Frau. Ich kann mir ein kleines Lächeln nicht verkneifen und drehe mich ein Stück weiter nach links. Ich höre die Vögel in den Bäumen, die noch ein letztes Mal piepsen, bevor auch sie sich zur Ruhe begeben.  Als ich plötzlich kleine Schritte und dann ein kurzes Keuchen höre, schaue ich auf: Da ist sie! Ich schleiche langsam und mit Bedacht zu der Stelle, aus der das Geräusch kam.

Leise lasse ich mich vom Dach herunter gleiten, als plötzlich vor mir eine schwarze Gestalt zwischen zwei Häusern auftaucht. Schnell komme ich aus meiner Deckung und folge ihr. Sie hat mich bereits bemerkt. Das ist sie, das ist die Frau mit dem blauen Kleid. Sie ist schnell, sie läuft die Gassen abwechselnd links und rechts entlang bis zum Ende der Stadt. Sie hat dennoch keine Chance zu fliehen, ich bin ihr nah auf den Fersen. Als Torell und L schließlich zu mir stoßen, kesseln wir sie schnell ein. Sie rennt noch bis zum Ende der Stadt, doch wir folgen ihr. Abrupt bleibt sie plötzlich stehen, als sie sich keuchend zu uns umdreht.

»Wo willst du hin Bitch? «, frage ich sie abwertend.

Sie trägt immer noch die Maske, sodass ich nicht erkennen kann, wer sie ist.

»Zieh die Maske aus, du hast eh keine Chance mehr, von hier weg zu kommen! « Langsam richte ich meine Waffe auf sie.

»Ist er tot? «, fragt die Frau ruhig.

Ich würdige ihr keine Antwort. Ihr Blick wandert schnell zwischen uns hin und her.

»Die Maske «, wiederhole ich und lege meinen Finger auf den Abzug,

Als Antwort, bleckt sie die Zähne. Sie meint wohl, dass mich das beindruckt. Schnell lasse ich einen Schuss los, der direkt an ihrem Kopf vorbeigeht. Sofort geht sie in die Hocke und schlägt sich die Hände über den Kopf. Da sich hinter ihr der Wald befindet, schlägt die Kugel in einen Baum ein. »Die Maske runter oder das nächste Mal ist es dein Gesicht «, drohe ich erneut.

Langsam sieht sie auf und nimmt vorsichtig die Maske ab. Als ich sehe wer sie ist, wird mir plötzlich alles klar. »Wolltest du den König, oder Anna töten? « Wütend sehe ich sie an, ehe ich einen Schritt auf sie zu mache.

»Am besten beide «, flüstert sie durchtrieben, als sie sich langsam wiederaufrichtet.

Weil ich plötzlich hinter mir ein leises Geräusch höre, dass schnell auf mich zukommt, drehe ich mich schlagartig um und fange den Pfeil ab, der mich fast von hinten durchbohrt hätte. Rasch zerbreche ich ihn in meiner Hand, bevor ich mich wieder umdrehe. Natürlich, ist Selina weg. L und Torell, laufen wie auf Stichwort rasch in verschiedene Richtungen. L rennt in den Wald, um Sel zu verfolgen, Torell sucht den Angreifer, der mich hinterrücks, verletzen wollte. Das war ein Ablenkungsmanöver, der Pfeil hätte mich niemals getötet. Der, der das war, wusste das. Sie arbeiten wahrscheinlich zusammen, doch das heißt auch, dass Anna höchstwahrscheinlich noch immer in Gefahr ist. Ich springe hastig auf das nächste Dach um schnellstmöglich zurück zur Villa zu kommen.

Fuck! Ally muss gewarnt werden, zu Hause ist es nicht mehr sicher. Sie muss Anna von dort wegbringen. Meine Wut, treibt mich immer weiter an, sodass ich nicht lange brauche, um zurück zu kehren. Der Wind bläst mir dabei ins Gesicht, mein Atem geht schnell, doch muss ich mich beeilen.

Als ich die Villa endlich erreiche, renne ich direkt zur Krankenstation. Schnell schlage ich die große Eingangstür auf und renne durch den Flur. Nacheinander schlage ich jede Krankenzimmertür auf, um zu sehen, ob Anna darin liegt. Als ich am Ende des Flures ankomme, gibt es nur noch ein Zimmer, in dem sie sein kann. Ich bleibe kurz davorstehen und hole noch einmal tief Luft, und fahre mir mit meinen Fingern durch die Haare, ehe die Tür plötzlich aufgeht. Erschrocken, sehe ich hinein, als ich Anna daliegen sehe. Langsam trete ich ein, bevor eine Person hinter der Tür hervorkommt. Ally ist es nicht, sie sitzt neben Anna am Bett, die noch bewusstlos ist. Langsam drehe ich mich zur Seite, als ich sehe, dass es Raven ist.

Schnell ziehe ich meine Waffe und halte sie ihr vors Gesicht. »Was willst du denn hier? «, brülle ich sie wütend an.

Erschrocken sieht sie mich an und nimmt die Hände hoch. »Baby, ich wollte nur nach Anna sehen. Hast du sie gefunden? «

»Wen gefunden? «, durchdringlich sehe ich sie an.

»Na Sel, ich meine, du willst sie doch nicht damit durchkommen lassen oder? « Sie legt eine Hand auf das Ende meiner Waffe und drückt sie herunter.

Da habe ich den Beweis, woher weiß sie, dass es Selina war? Ich kann es nicht glauben, sie will Anna töten, doch ist sie hier mit uns in einem Raum. Hin und hergerissen, sehe ich sie an.

»William, Schatz. Nimm die Waffe runter! Was ist denn los mit dir? «, sagt sie fürsorglich.

Es wäre ein leichtes, jetzt einfach abzudrücken, doch kann ich es nicht tun. Ich darf es nicht. Es würde so aussehen, als hätte ich sie grundlos getötet. Nein, ich muss Anna von hier wegbringen.

Als sie mich plötzlich misstrauisch anguckt, lasse ich die Waffe senken.

»Ally? « Schnell dreht sie sich um. »Wie ist Annas Zustand? «

Sie blinzelt ein paar Mal, ehe sie zu verstehen scheint. »Du meinst, ob sie transportbereit wäre? «

Raven sieht mich eindringlich an. »Was hast du vor William? Das Mädchen wurde verletzt, sie kann nirgendwo hin. «

»Sie schafft das schon, sie muss uns so wie so verlassen, dann kann sie das auch jetzt tun «, sage ich und versuche dabei so ruhig zu bleiben, wie es mir nur möglich ist.

»Und wohin bringe ich sie, Will? « fragend sieht sie mich an.

Eindringlich schaue ich sie an. »Bringt sie meinetwegen nach Hause oder denk dir selbst was aus, ich will nur, dass sie weg ist. «

Langsam dreht sie sich zu Anna um und löst die Infusion aus ihrem Arm. »Ach so und vergiss nicht die Hütte aufzuräumen. « Allys Grinsen verrät mir, dass sie die Botschaft verstanden hat.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s