Blood Hunter Kapitel 12-Ankunft

Die Fahrt kommt mir vor, wie eine Fahrt in den Urlaub. Früher bin ich oft mit meinem Vater in Urlaub gefahren, auch wenn es nur ans Meer ging, nicht weit weg von Zuhause. Genau so nervös wie ich als Kind immer war, bin ich es jetzt. Eine Zeit lang, hatte niemand etwas gesagt, sodass ich beinah gefragt hätte, ob sie da hinten eingeschlafen wären, doch diesen Kommentar hatte ich mir bislang verkniffen. Seit wir in dieses Auto gestiegen sind, herrscht eine komische Stimmung. Ally ist freundlich, doch besorgt um Torell. Brisk sitzt auf dem Rücksitz und tüftelt an etwas rum, was für mich aussieht wie ein Tablet und Will, den traue ich mich nicht anzusehen. Immer wieder lasse ich meinen Blick über die Landschaft schweifen, doch fällt es mir schwer, L nicht über den Clan auszuquetschen.

»Du brauchst nicht nervös zu sein«, versichert L mir.

Langsam drehe ich meinen Kopf zur Seite, erschrocken, dass er mit mir redet. »Ich…kann wohl nichts dagegen machen, tut mir leid. Stört es dich? « Aufgeregt rutsche ich auf dem Sitz hin und her.

»Du bist schon was Besonderes, man kann nicht sagen, dass du es nicht bist. «

»Wie meinst du das jetzt? « Verdutzt sehe ich ihn an.

»Sagen wir es so «, er macht eine kurze Pause. »Wie man vielleicht annehmen könnte, so wird es den Menschen jedenfalls in Büchern und Filmen verkauft, wäre es ein leichtes für uns, eure Spezies in unsere zu verwandeln. Dem ist definitiv nicht so. Die Statistik zeigt uns aber, dass es lediglich zehn Prozent der infizierten in Phase zwei der Transformation schaffen. Dies hat zur Folge, dass die meisten eurer Spezies sterben, sie schaffen es nicht, weil sie zu schwach sind. « Er verzieht keine Miene während er spricht. » So weit war alles verständlich? «

Belustigt sehe ich ihn an. »Will hatte Recht. «

»Womit? «

»Damit, dass du ein Klugscheißer bist «, sage ich lächelnd und berühre ihn mit meinem Ellbogen.

Eine Weile schaut er erschrocken nach Vorn, er weiß wohl nicht was er sagen soll.

»Ist schon ok. Ich verstehe das, jedem das Seine. «

»Ist es ein Verbrechen, sich auf Zahlen zu verlassen? «, sagt er vorwurfsvoll.

»Überhaupt nicht. Ich meine, nur, dass es vielleicht nicht alles ist. «

»Ich bin gerne über alles informiert und weiß, wie hoch die Statistik ist. Es war übrigens zu zehn Prozent wahrscheinlich, dass du abhaust. Ich hätte aber gedacht, dass du abhaust, um nach Hause zu kommen. Ich dachte wirklich, dass du Jemand bist, der kneift und sich seinem neuen Leben nicht stellt. «

So, wie er das sagt, habe ich das Gefühl, er ist ein wenig beeindruckt. »Habe ich denn eine Wahl? «

»Nun ja die hast du tatsächlich. Du könntest dir zeigen lassen, wie das Leben als Vampir so ist und dich dementsprechend der Menschen Welt anpassen. Dies hätte aber zur Folge, dass du Clan-los wärst, was bei uns Verrat bedeutet. Du könntest nie wieder zurück, kein Clan-Leiter würde dich zurücknehmen, die Schande wäre zu groß. «

Erschrocken sehe ich ihn an. » Du hast Recht, so Jemand bin ich nicht. Ich finde mich gerade damit ab, dass ich nie wieder zurückkann. «

»Es wäre schade, würdest du uns verlassen. «

Wärend ich ihn ansehe, habe ich das Gefühl, er meint das wirklich ernst. Zum ersten Mal, bin ich froh darüber, hier zu sein. Zum ersten Mal fühle ich mich willkommen. »Kann ich dich was fragen? «

»Du warst ein Mensch, dir wurde das Sprechen…« Ich unterbreche ihn schnell. » Ja danke, also meine Frage ist: Meinst du ich schaffe es, wirklich eine von euch zu werden? «

Nachdenklich schaut er nach Vorn. »Du hast königliches Blut gekostet, deine Transformation wurde gestoppt. Ich denke, das wichtigste, wird sein unseren König davon zu überzeugen, dass du nicht der Feind bist. «

»Ich? Der Feind? Können wir ihm nicht einfach meine Geschichte erzählen? «, aufgeregt wedele ich mit den Händen.

»Ich glaube, dass die Wahrscheinlichkeit hoch ist, dass Raven ihre Finger mit im Spiel hat. «

»Ich glaube, ich habe sie gesehen. Sie stand auf einem Dach vor mir, sie hat meiner Freundin eine Gehirnwäsche verpasst und…«, meine Stimme versagt.

»Ich glaube schon lange, dass sie falsch ist aber, wir müssen das hinnehmen, wenn wir den Clan retten wollen «, er macht eine kurze Pause. »Leute wir sind gleich da! «

Als wir von der Autobahn runterfahren, dauert es noch zehn Minuten, ehe wir eine kleine dunkle Stadt passieren. Als wir durch sie durchgefahren sind, folgen wir einer Straße, bevor am Ende schließlich eine große Villa zu sehen ist. Sie ist umgeben von einem Gitter und einem riesen großen Silbernen Tor, dass aufschwingt, sobald wir darauf zu fahren. Aufgeregt sehe ich aus dem Fenster. Als wir das Tor passiert haben, fahren wir nicht gerade aus, auf die große Eingangstür zu, sondern nach links zu einem kleineren einzelnen Gebäude. L macht den Motor aus und steigt aus. Die anderen Tuen es ihm gleich, doch ich traue mich nicht meinen Gurt zu lösen, also bleibe ich noch eine Weile sitzen. Will und Brisk tragen Torell in das Gebäude, Ally folgt ihnen.

Weil ich nicht aussteige, sieht L mich durch die Windschutzscheibe an und gibt mir ein Zeichen nachzukommen. Zögerlich steige ich daraufhin aus und gehe auf ihn zu.

»Das ist die Krankenstation. Wir bringen Torell erst mal rein und dann ist Will sicher dafür, dass du bei Ally bleibst. «

»Schläfst «, korrigiere ich ihn.

Verdutzt sieht er mich an. » Menschen. Du wirst schon bald sehen, dass du Schlaf an sich nicht mehr brauchst. Wollen wir rein? «

Ich beschließe, mir darüber heute Nacht keine Gedanken mehr zu machen, ich bin mit meiner Kraft am Ende.

 

Ich folge L auf die Krankenstation. Wärend ich durch sie hindurch wandele, sieht hier doch tatsächlich alles aus wie in einer Notfall Ambulanz. Ich weiß nicht was ich erwartet hatte aber, das war es komischerweise nicht. Aufgeregt schaue ich mich um, ehe wir uns vor eine große Tür stellen mit der Aufschrift „OP“. Als Ally nach ein paar Minuten raus kommt, lächelt sie mich an. »Es geht ihm gut, er ist stabil. Wollen wir gehen? «

»Gerne «, sage ich knapp und folge ihr nachdem ich mich von L verabschiedet habe.

 

Wärend wir die Ambulanz verlassen, und in die Nacht treten, weht ein leichter Wind. Mit schnellen Schritten überqueren wir den großen Hof zur noch größeren Eingangstür. Diese scheint sehr alt zu sein, sie ist Silber und darin sind in Gold kleinere Figuren eingraviert worden. Mit meinen Fingern fahre ich sie vorsichtig nach. Die Tür besteht aus zwei großen Flügeltüren, die sich in der Mitte langsam und quietschend öffnet, als wir auf sie zukommen.

Wärend wir schließlich davorstehen, wird mir bewusst, dass wir nicht zum Spaß hier sind. Die Stimmung ist erdrückend, plötzlich habe ich einen Kloß im Hals. Schwer schluckend stehe ich da.

»Keine Angst, sie werden dich mögen! «, versichert sie mir, bevor sie eintritt.

Die Dunkelheit macht mir zu schaffen, ich fühle mich, als wäre ich in einem Geisterhaus. Mit kleinen Schritten folge ich ihr hinein. Sobald wir ein paar Schritte gemacht haben, öffnet Ally zwei kleine Braune Flügeltüren aus Holz. Als sie aufschwingen, ergibt sich da hinter, ein riesiger Saal im viktorianischen Stil. In der Mitte führen zwei riesengroße goldene Treppen nach oben auf eine Erhöhung. »Wow! «

Von dort aus hat man sicher einen tollen Blick über den gesamten Saal. Die Fenster sind groß und aus Holz. Rote große Vorhänge hängen an den Seiten daran runter. In der Mitte des Raumes ist so viel Platz, man könnte einen Ball darin feiern. Zwischen jeweils zwei Fenstern, stehen goldene Skulpturen, an den Wänden hängen alte Gemälde. Langsam gehe ich auf eines davon zu. Da es, außer einigen großen Kerzenhaltern an den Wänden, kein Licht gibt, kann ich schlecht erkennen was auf dem Gemälde zu sehen ist. Als ich näher herangehe, erkenne ich darauf Will. Sein Gesicht ist dasselbe, doch der Rest sieht aus, wie aus einem anderen Jahrhundert.

Langsam fahre ich mit meinen Fingern über den goldenen Rahmen. »Fass das lieber nicht an«, sagt Ally und reißt mich damit aus meinen Gedanken.

»Ich wollte nur…«, sage ich schnell doch belasse ich es schließlich dabei.

»Lass uns in mein Zimmer gehen, wir müssen den anderen nicht gerade heute Nacht über den Weg laufen. «

Weil sie ohne ein weiteres Wort die große Treppe hinaufgeht, folge ich ihr schnell. Bevor wir oben angekommen sind, greife ich nach ihrem Arm, denn ich habe das Gefühl, dass es ihr nicht gut geht.

»Ally, ist irgendwas? « Nachdenklich sehe ich sie an. Sie ist abweisend zu mir, freundlich aber sie lässt mich nicht an sich ran.

»Nicht hier! «, winkt sie ab und geht schnell an mir vorbei in einen langen Korridor.

Ich folge ihr bis zum Ende des Flures, ehe sie einen kleinen einzelnen Schlüssel aus dem Schuh holt. Rasch schließt sie damit links von sich eine, der vielen kleinen Holztüren auf. Ich bin plötzlich aufgeregt, zu sehen, wie Ally so lebt, oder überhaupt, wie ein Zimmer hier wohl aussieht. Als die Tür auf schwenkt, habe ich bereits eine sehr genaue Vorstellung, wie Ally es sich wohl eingerichtet hat, wahrscheinlich düster und unordentlich. Sie tritt ein paar Schritte ein und dreht sich dann um. »Willkommen! «, sie öffnet die Arme, um mich herein zu bitten.

Ich traue meinen Augen kaum, als ich sehe, dass Ally anscheinend eine Ordnungsvernatikerin ist. Ich lasse meinen Blick über das Zimmer schweifen: ein riesen großes Bett, steht in der Mitte des Raumes, an den Wänden um es herum stehen überall Bücherregale. Sie sind randvoll mit Büchern, die schon sehr alt zu sein scheinen. Links von mir, steht ein kleiner ordentlicher Schreibtisch und genau darüber, hängt ein kleiner Flachbildschirm. Der Raum ist Hell, nicht wie das restliche Haus bisher, im viktorianischen Stil. Man könnte schon fast sagen, es sei steril. Auf der gegenüberliegenden Seite steht ein kleiner Kleiderschrank. Direkt daneben, befindet sich eine weitere Tür.

Sie schaut mich durchdringend an. »Nicht das, was du erwartet hattest, was? «

»Ich hatte mir eher einen dunklen Raum mit Särgen und Skeletten vorgestellt «, sage ich belustigt.

»Du hättest zweihundert Jahre eher kommen sollen, dann hätte das Klischee voll zugetroffen. «

Langsam gehe ich auf eines der vielen Regal zu. Mit meinen Fingern, fahre ich über die Einbände ein paar kleinerer Bücher. »Wow Ally, wie alt sind die? «

»Also ich habe sie knapp siebzig Jahre, einige von ihnen sind aber sogar noch älter. « Sie lässt sich langsam auf das Bett fallen, und gibt mir zu verstehen, mich neben sie zu legen.

»Also ich bevorzuge dann doch lieber das hier. «, sage ich und lächle sie an.

Als wir beide eine Weile nichts sagen, sieht sie mich durchdringend an. »Anna, ich wollte dir noch was erzählen. Ich finde du solltest das wissen, der Grund warum es bei uns verboten ist, im Militär zu lieben «, sie macht eine kurze Pause. »Außerdem, fällt es dir dann vielleicht leichter, dich von Will fernzuhalten. «

Ich schlucke schwer und schaue an die Decke. Dass ich das überhaupt nicht will, weiß sie natürlich nicht.

»Ich weiß am besten wie schwer das ist, Anna «, sagt sie betrübt. »Ich war nicht immer ein Vampir. «

Schnell drehe ich mich auf die Seite und starre sie an. »Nicht dein Ernst! Erzähl! «

Sie dreht sich auf den Rücken und starrt die Decke an. »Ich war mal ein Mensch, so wie du. Will hat mich damals gerettet. Ich war auf dem Weg nachhause damals, meine Mutter hatte mich mit einem Sack Kartoffeln zu einem Händler in der Nähe geschickt, ich weiß es noch genau «, sie lächelt leicht. »Aber das ist nicht das, was ich dir erzählen wollte «, sie macht eine kurze Pause und schluckt schwer. »Es gab mal Jemanden in meinem Leben, das ist schon eine Weile her. Sein Name war Adam. « Sie lächelt mich an.

»Oh, ich verstehe «, sage ich mit einem ironischen Lächeln.

Ehe sie weiter fortfährt, wird ihr Blick wieder ernst. »Er war Wills bester Freund. Er war in unserem Trupp, und ja, wir waren glücklich. Wir mussten es nicht geheim halten, es machte Niemandem etwas aus. Als wir dann einen Einsatz bekamen, rückten wir natürlich direkt aus. Der Plan lautete, herauszufinden, warum der Dent-Clan mehrere kleine Dörfer abschlachteten. Die Menschen, hatten ihnen nichts getan, trotzdem folterten sie die Menschen. Einige verbrannten sie, einige folterten sie einfach nur. Als wir am Ort des Geschehens ankamen, haben wir uns erst einmal einen Plan überlegt. Dieser lautete dann, dass Will und Adam zum Anführer vordringen und wir den Rest umbrachten und die überlebenden Menschen retten würden. Für uns lief alles nach Plan, wir töteten die, die uns in die Quere kamen und retteten die Menschen, die überlebt hatte. Als wir aber eine Weile nichts von Will und Adam hörten, machte ich mir Sorgen. Wir hatten gedacht, dass wir alles im Griff hatten, doch dem war nicht so. «

»Was ist dann passiert? «, flüstere ich, nachdem sie eine Weile nichts sagt.

»Das Stroh, auf den Häusern brannte, fast jedes Haus war bis auf den Grund zerstört worden. Wir kümmerten uns gerade um die verletzen, als plötzlich ein paar Gestalten auf einem Pferd angeritten kamen. Erst dachten wir an nichts Böses, als Jemand von dem Pferd abstieg und Will und Adam hervorholte. Er hatte sie betäubt, mit einem Gift und zwang sie, vor ihm zu knien. Er machte uns ein Angebot, da wir seine Armee abgeschlachtet hatten, klang es für ihn fair, wenigstens einen von uns zu töten. Er wusste, sie haben verloren. Sie hatten zu wenige Männer, um uns zu besiegen, doch aufgeben wollte er nicht. Sie knieten beide benommen auf dem Boden, hatte Knebeln im Mund und bluteten. Er bat mich also vorzutreten, warum er mich wählte, weiß ich nicht. Ich ging also vor und kniete mich vor sie und fragte den Mann, was er will. Er schaute mich grinsend an und zwang mich zu wählen. «

»Zu wählen? Was meinst du damit? «, frage ich aufgeregt.

»Er ließ auf beide einen Pfeil richten, und zwang mich einen Namen zu sagen. Er würde einen töten und einen Leben lassen. Ich war natürlich nicht in der Lage, einen Namen zu nennen und das wollte ich auch nicht. Ich hätte nie zwischen beiden wählen können, also sagte ich nichts. Ich bettelte darum, sie beide zu verschonen, doch er ließ nicht davon ab. «, plötzlich rinnen ihr Tränen über die Wangen. »Wenn ich keinen Namen nennen würde, würde er beide töten. Sie sahen mich beide an… «, sie schluckt schwer.

»Und dann… hast du dich für…«, flüstere ich.

»Nein! «, sagt sie wütend. »Ich habe gar nichts gesagt. Ich konnte nicht zwischen meinem besten Freund und meinem Geliebten wählen. Ich ließ mich zu Boden sinken, ehe ich plötzlich dieses… «, sie schließt die Augen. »…Geräusch hörte «.

Erschrocken sehe ich sie an. »Er…hat Adam getötet? «

»Er fiel in meine Arme, mit einem Pfeil durchbohrt. «

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s