Blood Hunter Kapitel 10-Veränderung

Als ich langsam von der Autobahn herunterfahre, um in meine Heimatstadt zurück zu kommen, kribbelt es auf meinem ganzen Körper. So leicht wäre es, jetzt einfach das Ziel außer Acht zu lassen, meinen Dad zu schnappen und irgendwo auf der Welt, ein neues Leben zu beginnen. Doch so einfach ist es nicht.

Längst bin ich einer von ihnen geworden, längst passe ich nicht mehr in diese Welt.

Als ich durch die Straßen fahre und mir die Menschen so anschaue, mit ihren spaßigen Leben, mit ihren sicheren Leben, überkommt mich die Trauer. Niemals wieder, werde ich dieses Leben zurückbekommen. Ich weiß weder was mich erwartet, noch, wie ich mein bisheriges Leben fortsetze werde.

Werden die anderen Leute im Clan mich mögen? Werde ich betraft für das, was ich getan habe?

Aber die viel wichtigere Frage wird sein: Werde ich damit leben können, dass der Mensch – was denke ich das bloß, der Vampir – in den ich mich augenscheinlich verliebt hatte, mit einer anderen sein Glück findet?

Doch das sind alles Dinge, über die ich mir erst wieder Gedanken machen kann, wenn ich den Trupp gewarnt habe. Wie ich das mache, weiß ich selbst noch nicht so richtig, da ich weder die Gewohnheiten, noch die Strategie des Trupps kenne. Ich kenne lediglich das Ziel: Dieses ist ein verlassenes Museum, in der Nähe meines Elternhauses. Als Selina und ich klein waren, haben wir uns damals immer raus geschlichen und uns dort einen schönen Nachmittag gemacht. Meinem Dad, hatte ich natürlich vorher immer bescheid gesagt. Wir hatten ein Codewort, damit er sich keine Sorgen machen brauchte. Selina wusste davon nichts, ihr spielte ich vor, ich sei das taffe Mädchen, dass sie immer beschützte, egal was passierte.

Als Selina eines Tages – da waren wir ca. zwölf – mit ihrer Mum in die Mall ging und die Schuhe nicht bekam, für die sie bereits zwei Stunden in einem Laden eine Show abgezogen hatte, war sie so sauer, dass sie beschloss, ihre Familie für immer zu verlassen. Wir trafen uns am Museum, nachdem sie mich wutentbrannt angerufen und her zitiert hatte, als sie ihre Hände in die Hüften stemmte. »Meine Mum ist echt das letzte, sie wollte mir diese wunderbaren Dolce und Gabbana schuhe nicht kaufen. Ist das zu fassen?“ «

Belustigt sah ich sie daraufhin an. »Wow, es gibt Sachen, die man dir nicht freiwillig in den Hinter schiebt?«

Über diese Antwort war sie aber gar nicht erfreut. »Anna…«, abwertend sah sie mich an, »…es kann nicht jeder in dreckigen Latzhosen rumrennen, so wie du. Es gibt Leute, die wollen was aus sich machen, Schätzchen. «

Ihre zickige Art gehörte irgendwie zu ihr, also konterte ich lediglich damit, dass ich ihr nur die Zunge herausstreckte.

»Wollen wir reingehen? «, sie sah mich vorwurfsvoll an, ehe sie mir die Hintertür des Museums aufhielt. Ich ging an ihr vorbei, durch die große Tür. Unseren Taschenlampen, hatten wir in der Ecke, der Eingangstür deponiert. Ich nahm mir meine und ging durch den dunklen Flur voran, an dem noch alte Gemälde hingen, die anscheinend vergessen wurde. Da meine Lampe, mir nur etwa zehn Zentimeter vor mir Licht zeigt, machte ich kleine Schritte. Ich glitt ein paar Meter an der Wand entlang, ehe ich mich vergewissern wollte, dass Selina da ist. »Ich liebe diesen Ort, Sel. Ich liebe diese Bilder, wer war das wohl, der die hiergelassen hat? Die müssen doch mega viel wert sein, oder? « Als ich keine Antwort bekam, drehte ich mich hastig um. »Sel? «

Es war niemand zu sehen. »Sel hör auf mit dem Blödsinn! Haha…lustig aber ich gehe weiter. Ich habe keine Angst «, log ich und ging auf eine Weggabelung zu. Ich war mir sicher, gleich würde sie mich erschrecken, doch als ich die Gabelung erreichte, war immer noch nichts von ihr zu sehen. Mit meiner Taschenlampe, leuchtete ich in alle Richtungen. »Oh man, das ist überhaupt nicht lust…«, brachte ich heraus, ehe Sel plötzlich mit einer Fratze und einem animalischen Schrei hinter mir stand und sich ihre Taschenlampe direkt ins Gesicht hielt. Mit einem lauteren Schrei umklammerte ich meine Lampe und erschreckte mich fast zu Tode. Schwer atmend stand ich schließlich vor ihr »Ist das dein scheiß Ernst? «

»Ich habe dich erwischt, Anna«, sie lachte so sehr, dass sie sich krümmte, »von wegen keine Angst. Das war für die nette Antwort auf mein Schuhproblem! «

Als sich meine Atmung wieder beruhigt hatte, sah ich sie verärgert an. »Wo bist du überhaupt hergekommen? «

»Von da. « sie zeigte mit der Taschenlampe immer noch in ihr Gesicht.

»Super Sel, es ist dunkel ich kann überhaupt nicht sehen, wo du hinzeigst. «

Endlich nahm sie ihre Lampe runter und zeigte in die Richtung. In der Wand war eine versteckte Tür eingebaut.

»Ich war mal alleine hier, als du deinem Dad geholfen hast und da habe ich die hier gefunden. Sie führt nach draußen und noch weiter rein. Allerdings habe ich bisher nur den Gang nach draußen benutzt. « Triumphieren stand sie da und lachte immer noch darüber, dass sie mich erschreckt hatte.

 

Ich habe mir an diesem Tag geschworen, immer aufmerksam in ihrer Nähe zu sein.

Auch wenn sie mir manchmal Schwierigkeiten machte, so war sie immer meine beste Freundin. Genau so, würde sie mir helfen.

Als ich zwei Straßen weiter mein Ziel erreiche, beschließe ich, erst einmal hier in einer Gasse zu parken. Nirgendwo kann ich Will oder einen der anderen erkennen, wie sind sie überhaupt hergekommen? Langsam mache ich den Gurt ab und öffne die Fahrertür, ehe ich mir meine Waffe nehme. Als mir klar wird, dass ich diese heute wahrscheinlich benutzen werde, versetzt es mir schlagartig einen Schlag in die Magengrube aber um meine Leute, nein um meine Familie zu schützen, werde ich etwas riskieren müssen. Schnell steige ich aus. Sollte das Auto gefunden werden, ist nur die Scheibe kaputt, darüber wird man ja hinwegkommen. Hoffentlich. Ich fühle mich, wie eine Geheimagentin, wärend ich an dem noch offenen Restaurants vorbeigehe. In einem der Restaurants hängt eine Uhr. Es ist halb 8, weshalb ich mich beeilen muss. Da ich weiß, was passieren wird, fällt mir nur eine Lösung ein.

 

 

30 Minuten später…

 

Aufgeregt, und meine Waffe umklammernd, sitze ich hinter der geheimen Tür und gehe meinen Plan immer wieder im Geiste durch. Zittrig warte ich darauf, dass ich Will und die anderen endlich sehen kann. Die Tür habe ich einen winzigen Spalt zur Seite gezogen, sodass ich hindurch lugen kann.» Sie werden hier entlang kommen«, sage ich mir immer wieder im Geiste, um mich selber zu beruhigen. Ich verlasse mich auf meine Sinne, doch kann ich weder Will, noch meine Feinde hören.

Einige Zeit sitze ich dort und warte, ehe plötzlich, ganz leise und unauffällig die große Hintertür aufgeht. Mein Herz fängt an zu rasen, doch ich zwinge mich, mich selbst zu beruhigen das ist die Szene, die, die ich gesehen habe, doch konnte ich sie nur aus der Sicht des Gegners sehen. Langsam mache ich mich bereit, stehe vorsichtig auf. »Werde ich es schaffen? «, jagt es mir immer wieder durch den Kopf. »Ich muss! «, befehle ich mir und nehme all meinen Mut zusammen.

Durch den kleinen Spalt, kann ich sehen, dass sie immer näherkommen. Will trägt seine große Schusswaffe direkt vor dem Gesicht. Rechts von ihm ist Ally, links von ihm ist Torell. Die Mitte vom Dreieck bildet Brisk. Ich kann die Anspannung auf Wills Gesicht sehen, als Plötzlich alles ganz schnell geht.

Mit einem kräftigen Schwung, trete ich die Blinde Tür auf und halte meine Waffe, geladen und entsichert, mit ausgestrecktem Arm vor mir. Der Trupp richtet sofort seine Waffen auf mich, ehe ich mich mit der Tür, kräftig nach links drehe und sofort abdrücke. Alles vergeht wie in Zeitlupe, als ich ins Schwarze schieße, doch ich weiß genau wohin ich zielen muss. Der Rückstoß, ist so stark, dass es mir fast den Arm abreißt, bevor ich mich danach schnell in die Hocke fallen lasse und meine Hände über den Kopf schlage.

Als mich plötzlich Jemand nach hinten zieht, ist das Feuergefecht eröffnet und Kugeln treffen in die Museumswände ein. »Rückzug! «, brüllt Will laut, ehe ich zurück hinter die Tür gezerrt werde.

Noch ehe wir hinter der geheimen Tür sitzen, wird sie von außen zerschossen. Erst jetzt traue ich mich die Augen zu öffnen.

»Ich gib euch Feuerschutz, haut ab! «, Brisk steht neben der Tür und hält sich seine Waffe an der Brust.

»Eine dreckige Falle, so wie ich es gesagt habe«, knurrt Will und packt mich am Kragen.

»Brisk, du und Torell gebt uns Feuerschutz, ich bring Anna hier raus! «, Als es draußen ruhig ist, stellen wir uns vor die Tür. Will drückt mich fest an seinen Körper, ehe er die Hand an den Türknopf legt. Er wirft einen Blick zurück, und zählt stumm bis drei. Bei drei, geht wieder alles ganz schnell: Will reißt die Tür auf, und hält mich auf der einen Seite und seine Waffe auf der anderen Seite, ehe er sein Kampfgesicht aufsetzt. Als er mich rückwärts durch den Gang schiebt, schießt er wild auf die Gegner. Ally tut es ihm gleich und folgt uns zur großen Tür. Der Lärm ist unerträglich und ich schlage mir meine Hände erneut über den Kopf. Als wir die Tür erreichen, gibt Will mir zu verstehen, sie zu öffnen. Wärend ich die Klinke herunter drücke, werfe ich einen Blick auf das Kampfgeschehen, ehe Torell plötzlich zu Boden geht. Er wurde von einem Gegner getroffen, dieser leckt sich über die Zähne, als er ihn in die Schulter trifft.

Kurzerhand drückt Will mich aus der Tür und zielt auf diesen Gegner. Mit einem Kopfschuss ist dieser ausgeschaltet. Schweratmend lehne ich mich gegen die Wand, als Will und Ally ebenfalls aus der Tür heraus kommen.

»Auf die andere Straßenseite! Wir müssen hier weg!«, brüllt Will uns an.

Als Torell und Brisk hinter uns sind, verstecken wir uns hinter einer Reihe von Autos. Auch die anderen Vampire folgen uns hinaus, doch verstecken sich auf der anderen Seite hinter geparkten Autos.

Das Feuergefecht geht plötzlich weiter, als mehr von ihnen auftauchen. Die Menschen, die auf den Straßen sind, verstecken sich in den Gebäuden oder Hauseingängen. Panik bricht aus und sämtliche Reifen und scheiben explodieren.

Torell blutet stark, Ally versucht ihn so gut es geht zu verarzten.

»Wir müssen was tun! Die sind mehr als wir, wir müssen hier weg.«, brüllt Will wärend er in Deckung geht. Dies ist mein Stichwort. Langsam drehe ich mich um und entdecke einen Kombi. »Halt die Stellung Will, ich bin gleich wieder da!«, keuche ich.

»Was hast du vor?«, fragt er wärend er sich mit dem Rücke gegen die Autotür lehnt.

»Vertraust du mir?« Durchdringend sehe ich ihn an.

Erschrocken sieht er mich an, doch nickt er mir zu. »Wir werden alle drauf gegen!«, sagt er sarkastisch, ehe er sich wieder um dreht, um weiter zu feuern. Langsam schleiche ich zu dem geparkten Kombi. Mit meiner Waffe, haue ich abermals die Scheibe ein. Wie auch vom ersten Wagen löse ich die Drähte, doch um meine Deckung nicht auf zu geben, lasse ich ihn noch nicht an. Langsam schleiche ich zu Ally, um ihr zu helfen, Torell zum Wagen zu bringen. Ally weiß sofort bescheid und hilft mir ihn in den Wagen zu hieven.

»Hol Will und Brisk ich mach das schon!«, brüllt sie mir entgegen.

Als Will sich grade in Deckung begibt, um seine Munition nach zu füllen, sieht er mich an. Ich gebe ihm ein Zeichen, dass wir abfahrbereit sind, ehe ich drei Personen , auf dem Dach gegenüber stehen sehe.

Den einen Mann erkenne ich sofort, es ist der blonde, den ich in meiner Vision sah, der Will getötet hätte. Die Frau in der Mitte, hat schwarze lange Haare, auch sie habe ich bereits in einer Version gesehen.

Es trifft mich der Schlag, als ich die dritte Person sehe. Sie ist ebenfalls weiblich und starrt mich wütend an.

Ich erkenne sie sofort, ich kenne sie besser als mich selbst. Leichtfüßig springt sie vom Dach und hebt langsam den Arm. Als ich bemerke, was sie in der Hand hält, wird mir schlecht. Langsam kommt sie auf mich zu, doch ich hebe ebenfalls meine Waffe in die Höhe. Als sie nur noch ein paar Meter von mir entfernt ist, bleibt sie stehen. »Wie nett, dass du mich gerettet hast«, sagt sie kühl und verzieht keine Miene. Aus dem Augenwinkel, kann ich sehen, dass Will und Brisk den Rückzug angetreten sind. Langsam kommt Will von hinten auf mich zu und legt mir seinen Arm auf die Schulter.

»Was ist mit dir passiert?«, frage ich aufgeregt.

Ausdruckslos sieht sie Will an. »Mit mir?«

Weil ich merke, dass ich nicht weiter komme, versuche ich es anders. Sie ist nicht mehr die selbe, irgendwas ist ihr zugestoßen. »Warum zielst du auf mich, Sel?«

Eine Weile sagt sie nichts, doch sieht sie mich bedrohlich an. »Würdest du mich umbringen, Anna?«, fragt sie provokant. »Nein das würdest du nicht. Aber…«, sie macht eine kurze Pause, »…wieso zielst du dann mit einer Waffe auf mich? «

»Wieso zielst du mit einer auf mich?«

»Hm, du hast mein Leben zerstört. Ist das ein guter Grund?« Selbstgefällig steht sie da. Ich erkenne sie gar nicht wieder.

Erschrocken sehe ich sie an. »Ich habe dein Leben zerstört?«

»Und ich könnte denen geben was sie wollen, mit einem Schuß «, nuschelt sie wütend und entsichert die Waffe.

Das kann doch nicht ihr ernst sein? Die will wirklich auf mich schießen. Ich lasse meinen Finger an den Abzug gleiten. »Das kannst du nicht ernst meinen!«. Will steht jetzt noch näher hinter mir.

»Anna lass uns abhauen, siehst du nicht, dass das nicht mehr deine Freundin ist? «, flüstert er.

»Sie… sie ist alles was ich noch habe «. Tränen rinnen mir über die Wangen.

»Nein du hast uns «, flüstert er und versucht mich nach hinten zu ziehen.

»Genau Anna, du hast den Hunt-Clan, der schon bald den Bach runter geht « Sie durchbohrt mich fast mit ihrem Blick.

»Sie weiß nicht was sie redet, komm mit Anna! « , sagt Will mit Nachdruck.

Verzweifelt und die Waffe auf sie richtend, stehe ich da. »Will? Sieh nach oben, da steht Raven. Irgendwas läuft hier! «, flüstere ich schluchzend.

»Och, jetzt fängt sie auch noch an zu heulen «, sagt sie abwertend. »Vielleicht sollte ich dem ganzen nun ein Ende bereiten « Sie lässt ihren Finger am Abzug ein wenig nach hinten gleiten.

Ich würde es nicht übers Herz bringen, sie zu töten, also hoffe ich, dass sie einfach ihre Waffe runter nimmt.

Doch diesen Gefallen, würde sie mir nichts tun, das sehe ich ihr an. Einfach alles an ihr, hat sich verändert.

Wenn sie mich töten will, sollte sie es jetzt tun.

»Du würdest mir nichts tun. Du bist meine beste Freundin…«, noch ehe ich den Satz beendet habe, drückt sie ab. Ein Knall ertönt und die Kugel kommt, wie in Zeitlupe, auf mich zugeflogen, als ich mich grade noch so, zur Seite drehen kann. Die Kugel streift mich am Arm und ich gehe zu Boden. Ehe Will seine Waffe ziehen, und sie erschießen kann, trifft sie von der Seite, ein fahrende Auto. Als dieses sie erfasst, fliegt sie im Hohen Bogen über die Straße. Fassungslos stehe ich da, wärend ich mir meinen schmerzenden Arm halte. Als das Auto vor uns zum stehen kommt, steigt Ally aus und öffnet uns die Hintertür. »Steigt ein, los! «

Will packt mich an dem anderen Arm und zerrt mich ins Auto, bevor er neben mir Platz nimmt. »Los los los!«

Als wir los fahren, trifft eine Kugel unser Kofferraum Fenster. Mit quietschenden Reifen, verlassen den Ort des Geschehens.

 

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